Stand: 02.06.2022 18:00h
Laut ARD DeutschlandTrend machen sich hohe Inflationsraten im Alltag der Menschen bemerkbar. Die Gewerkschaft weicht am Sonntag von der PSD ab.
Energie- und Lebensmittelpreise steigen – und die Menschen in Deutschland spüren das: 47 Prozent geben an, sich im Alltag sehr, sehr einschränken zu müssen. Das gilt vor allem für einkommensschwache Haushalte, wo 77 Prozent das sagen, aber auch für Ostdeutsche, von denen 59 Prozent sagen, sie müssten sparen. Anfang der Woche hatte das Statistische Bundesamt eine Inflation von 7,9 Prozent angegeben. Inflation, die es im vereinten Deutschland noch nicht gab.
Um die Inflation zu dämpfen, hat die Regierung mehrere Maßnahmen beschlossen, die mehrheitlich angenommen wurden. Sechs von zehn Deutschen befürworten eine vorübergehende Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe (61 Prozent) und die geplante Energiepreisfestsetzung für Arbeitnehmer von 300 Euro (59 Prozent). Etwas mehr Zustimmung (64 Prozent) findet die Einführung des sogenannten 9-Euro-Tickets für den Nah- und Regionalverkehr in den nächsten drei Monaten.
Fast jeder Zweite möchte ein 9-Euro-Ticket nutzen
Auch fast jeder zweite Deutsche will nach eigenen Angaben dieses Ticket nutzen: 46 Prozent werden demnach auf jeden Fall oder wahrscheinlich das Ticket nutzen – zwei Punkte mehr als bei der Umfrage Mitte Mai. Eine knappe Mehrheit von 53 Prozent nutzt das Ticket lieber nicht oder definitiv nicht (+/- 0). In Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern überwiegt die Zahl derer, die das 9-Euro-Ticket nutzen möchten: Dort sind es 58 Prozent. In kleineren Gemeinden mit weniger als 20.000 Einwohnern sagen hingegen sechs von zehn (61 Prozent), dass sie bereit sind, das Angebot nicht oder gar nicht zu nutzen.
Fast jeder vierte Autofahrer (23 Prozent) gibt an, sein Auto in den kommenden Monaten dank eines 9-Euro-Tickets seltener zu nutzen. Insgesamt ist die Nachfrage nach einem 9-Euro-Ticket in den Haushalten mit dem Auto jedoch leicht unterdurchschnittlich: 58 Prozent der Autofahrer werden das Angebot nicht oder definitiv nicht nutzen.
Unzufriedenheit mit den Preisen für öffentliche Verkehrsmittel
Die grundsätzliche Einschätzung des ÖPNV fällt überwiegend kritisch aus. Die Hälfte der Deutschen (51 Prozent) ist mit der Anbindung an den Nahverkehr am eigenen Wohnort zufrieden. Im ländlichen Raum, wo der ÖPNV generell kritischer eingestellt ist, wird die Streckenanbindung jedoch meist negativ bewertet: 60 Prozent sind damit unzufrieden, nur 33 Prozent sind zufrieden. Was die Verlässlichkeit der Fahrpläne betrifft, überwiegen bei allen Deutschen die negativen Einschätzungen (46:36 Prozent). Das größte Ärgernis sind aber die bestehenden Preise. 60 Prozent der Deutschen sind damit weniger oder gar nicht zufrieden, nur 22 Prozent sind sehr zufrieden oder sehr zufrieden damit. Attraktivere Preise für den ÖPNV können langfristig auch Verbraucher in Deutschland locken.
Der Krieg in der Ukraine ist das wichtigste Thema der deutschen Politik
Generell: Preise. Fast jeder vierte Deutsche (23 Prozent) sagt inzwischen, dass die Preisentwicklung eines der wichtigsten Themen ist, mit denen sich die deutsche Politik vorrangig befassen muss. Bei dieser offenen Frage, zu der maximal zwei Themen identifiziert werden können, rangiert das Thema Inflation an zweiter Stelle vor Umwelt- und Klimaschutz (22 Prozent) und sozialer Ungerechtigkeit (16 Prozent). Nur ein Thema wurde häufiger genannt: der Krieg in der Ukraine (37 Prozent).
Große Unterschiede zwischen Ost und West
Der deutsche Kurs zur Bewältigung dieses Krieges wird in der Bevölkerung sehr unterschiedlich bewertet. Jeder Zweite (50 Prozent) ist der Meinung, dass Deutschland entschlossen handeln und gegenüber Russland Festigkeit zeigen muss. 43 Prozent sind jedoch der Meinung, dass die Bundesregierung besser darauf achten sollte, Russland nicht zu provozieren. Während eine Mehrheit von Grünen (74 Prozent), FDP (60 Prozent) und Union (59 Prozent) das entschiedene Vorgehen Deutschlands unterstützt und AfD-Mitglieder zurückhaltendes Vorgehen bevorzugen (71 Prozent), sind die SPD-Anhänger in dieser Frage gespalten. Außerdem gibt es große Unterschiede zwischen West und Ost. 53 Prozent der Westdeutschen halten entschiedenes Vorgehen und Härte gegenüber Russland für angebracht, aber nur 35 Prozent der Ostdeutschen sagen dies. Dagegen sind im Westen 40 Prozent für Zurückhaltung, bei den Ostdeutschen 58 Prozent.
Vier von zehn Befragten (42 Prozent) halten die bestehende Unterstützung der Ukraine mit Waffen für angemessen (+7 gegenüber Ende April). 29 Prozent gehen nicht weit genug (-2), fast jeder Vierte (23 Prozent) geht zu weit (-4). Wichtig zu wissen ist, dass die Bundesregierung am Mittwoch, dem letzten Befragungstag, weitere Rüstungslieferungen an die Ukraine angekündigt hat, darunter ein modernes Luftabwehrsystem.
37 % halten derzeit deutsche Sanktionen gegen Russland für angemessen (+3). Die relative Mehrheit von 41 Prozent geht nicht weit genug (-4). 15 Prozent gehen zu weit (+1). 43 Prozent halten Deutschlands diplomatische Bemühungen zur Beendigung des Krieges für angemessen (+2); für fast ebenso viele Befragte gehen sie jedoch nicht weit genug (-1). 8 Prozent gehen zu weit (+2).
Der schlechteste Wert für die Bundesregierung seit Amtsantritt
Der Ruf der Bundesregierung ist in diesem Monat der schlechteste seit dem Amtsantritt der Ampelkoalition im Dezember: 39 Prozent sind derzeit sehr zufrieden oder zufrieden mit der Arbeit von SPD, Grünen und FDP (-2); 59 Prozent sind dagegen weniger oder gar nicht (+2). Die Zufriedenheit mit der Regierung überwiegt bei den Anhängern der PSD (72:24 Prozent) und der Grünen (62:37 Prozent). Die Mehrheit der Unzufriedenheit liegt nicht nur bei den Anhängern der AfD (5:95 Prozent) und der Union (37:62 Prozent), sondern auch bei den Anhängern der regierenden FDP (45:55 Prozent).
Allerdings können einige Bundesbeamte derzeit Punkte mitnehmen: 60 Prozent der Deutschen sind mit der Arbeit von Wirtschaftsminister Robert Habeck und Außenministerin Analena Burbock zufrieden – vier Punkte mehr als ein Monat. Auch SPD-Kanzler Olaf Scholz verbesserte sich um vier Punkte, ist im Vergleich aber nur zu 43 Prozent zufrieden. Finanzminister Christian Lindner (FDP) erreicht 42 Prozent …
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