Österreich erhielt Anfang dieser Woche erneut etwa halb so viel Gas wie Russland. „Die Einschränkungen der Gasversorgung sind auf dem gleichen Niveau wie am Vortag“, sagte eine Sprecherin des Wiener Öl- und Gaskonzerns OMV am Montag auf Anfrage von Reuters. Wie viel Gas tatsächlich nach Österreich strömt, könne erst am Abend gesagt werden. Auch die Regulierungsbehörde E-Control teilte mit, dass die Gaslieferungen die gleichen seien wie am Vortag. Umweltministerin Leonore Gevesler bestätigte am Montagmorgen den aktuellen Speicherstand von etwa 41 Prozent. Aktuelle Daten sind auf der Plattform der Austrian Gas Grid Management AG (AGGM) abrufbar.
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Die Auslieferung ist den Aussagen zufolge weiterhin gewährleistet. Die Nachfrage sei gering, fehlende Mengen könnten nachgekauft werden, erklärte OMV. Die Gasspeicher des Konzerns sind bereits zu über 60 Prozent gefüllt. Österreich ist zu 80 Prozent von russischen Gasimporten abhängig.
Zuletzt war Mellach 2020 aktiv
Das Fernheizwerk Melach südlich von Graz war das letzte Steinkohlekraftwerk Österreichs. Im Frühjahr 2020 wurde dort zuletzt Kohle zur Stromerzeugung genutzt. Jetzt muss es wieder umgebaut werden, damit es im Notfall wieder Kohle verbrennen kann, wenn nicht genug Gas zur Verfügung steht. Darauf habe sich die Bundesregierung mit dem Verbundkonzern geeinigt, teilte das Bundeskanzleramt mit. Die Transformation werde Monate dauern, sagte Gewessler, daran arbeite der Verbund-Konzern mit Hochdruck.
Ziel sei es, die Abhängigkeit von Russland zu verringern, damit es nicht erpressbar sei, sagte der Minister. “Für Österreich wird es Jahre dauern.”
Hintergrund: Kohlekraftwerk Mellach
Das Kraftwerk wurde zwischen 1983 und 1986 errichtet und kann neben der Stromleistung von 240 Megawatt auch bis zu 230 Megawatt Wärme als Heizwärme hauptsächlich für den Großraum Graz erzeugen. Von der Inbetriebnahme im Dezember 1986 bis zur Abschaltung im Jahr 2020 waren Kessel und Dampfturbine insgesamt rund 180.000 Stunden in Betrieb. In diesen 34 Jahren lieferte das Fernheizwerk rund 80 Prozent der gesamten Grazer Fernwärme – insgesamt mehr als 30 Milliarden Kilowattstunden Strom und 20 Milliarden Kilowattstunden Fernwärme. Die Versorgung aus Melach bildet die Grundlage für den Ausbau der Wärmeversorgung in und südlich von Graz.
Nach der Abschaltung hielt der Verbundbetreiber das Kraftwerk Melach für die Anforderungen der sogenannten Engpassvermeidung auf Erdgasbasis weiter in Betrieb. Daher kann das Kraftwerk bei Bedarf kurzzeitig zur Unterstützung des nationalen Energienetzes abgerufen werden. Diese Funktion steht auch im benachbarten Gas-Kombikraftwerk in Melah zur Verfügung.
Auch für Forschungszwecke wurde der Standort umgebaut, so wurde beispielsweise eine Pilotanlage für Hochtemperatur-Elektrolyse und Brennstoffzellenbetrieb errichtet, in der Strom in Wasserstoff umgewandelt wird. Auch die Speicherung großvolumiger Batterien für den Einsatz als Pufferspeicher, beispielsweise in Ultraschnellladestationen für die E-Mobilität, wurde in Mellach erprobt.
In den letzten 20 Jahren wurden alle Blöcke von Kohlekraftwerken wie denen in Dürnror, Voitsberg, Zeltweg und St. Andre stillgelegt. Auch ältere Ölkraftwerke wie Neudorf-Werndorf oder Perneg wurden oder wurden neben der Grünen Wiese abgebaut.
Für die SPÖ „Akt der Verzweiflung“
Die SPÖ sieht darin einen Akt der Verzweiflung von Umweltministerin Leonore Gevesler (Grüne). „Am Ende hat Gewessler nichts auf die Erde gebracht und vollzieht nun offenbar einen Akt der Verzweiflung“, sagte SPÖ-Energiesprecher Alois Schroll am Montag.
Global 2000 ist besorgt
Auch die Umweltorganisation Global 2000 ist besorgt über die am Sonntagabend angekündigten Pläne der Regierung, da Kohlestrom etwa doppelt so viel CO2 in die Atmosphäre pumpt wie Erdgas, das die Klimakrise nährt. Der Kauf von Kohle sollte keine Vorentscheidung für die Nutzung sein.
„Kohle ist die klimaschädlichste Energie und führt zu schädlichen Emissionen von Quecksilber und Staubpartikeln“, sagte Global 2000-Sprecher für Klima und Energie Johannes Valmüller am Montag. „Wenn jetzt über einen möglichen Einsatz des Kohlekraftwerks Melach diskutiert wird, dann muss klar sein, dass es sich nur um zeitlich begrenzte akute Notfälle handeln darf“, sagte Walmüller.
Die Organisation für Umweltschutz drängt auf eine deutliche Beschleunigung der Energiewende in Österreich. Energiepolitik muss mehr sein als ein Notstand. Greenpeace rief am Montag zur nationalen Solidarität auf. „Insbesondere die Bundesländer müssen ihre Verweigerungshaltung aufgeben und schnellstmöglich konkrete Pläne für den massiven Ausbau erneuerbarer Energien vorlegen“, sagte Greenpeace-Expertin Jasmine Dureger. Die Kohlereaktivierung ist „inakzeptabel“. (APA, Reuters)
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