Am 20. Juni 2022 um 17:27 Uhr
Das Cello liefert eine freie melodische Linie, die schließlich in einen rhythmischen Rahmen aus Tuba eingebaut wird, die sanften Akkorde der E-Gitarre stimmen ein – und schließlich mischt sich das Altsaxophon in dieses entspannte und dennoch aufregende musikalische Zusammenspiel ein.
Mit „Fulsome X“ sucht Wolfgang Pushnig einmal mehr nach neuen Soundmodellen. Zur Band gehören die Cellistin Asya Valcic sowie der in Wien lebende amerikanische Tubist John Sass, der einst mit dem Vienna Art Orchestra spielte.
„Die Tuba war ursprünglich sozusagen das Hauptbassinstrument im Jazz“, erklärt Pushnig. „Und ich bin froh, dass ich John schon so lange kenne, denn der Sound und die Art und Weise, wie er diese Bassfunktion ausführt, sind ganz anders. Er ist ein Horn wie ich.“
Konzertbenachrichtigungen
20. Juni: Wine, Porgy & Bess 23. Juni: Salzburg, Jazzit 24. Juni: Reutee, Die Kellerei 25. Juni: St. Florian, Altes Kino
Weicher Platz für tiefe Lagen
Wolfgang Pushnig gibt zu, dass er eine Schwäche für tiefe Töne hat – weshalb Jamaaladin Takuma, langjähriger Bassist des Free-Jazz-Pioniers Ornet Coleman und ebenfalls enger Weggefährte, auch im ursprünglichen Fulsome-Projekt mit der Tuba zu sehen war. Erst als er wegen der Hochzeit seines Sohnes auf Tour gehen konnte, schaltete Pushnig Cello und Gitarre ein. Aber Colemans freier Geist schwingt in den Aufnahmen des Ensembles mit.
„Er hat das Konzept von Begleitung und Solist aufgebrochen“, sagt Pushnig. „Und dann wird es besonders wichtig, dass alle aufeinander hören. Es gibt kein Alphatier, das alle anderen begleitet, aber jede Stimme ist gleichberechtigt.“
„Ich musste mich einschränken“
Die Reise mit Jamaaladeen Tacuma, afrikanischen Vokalensembles und koreanischen Percussionisten oder die Auseinandersetzung mit den eigenen kulturellen Wurzeln in Projekten wie Alpine Aspects lässt sich nun in konzentrierter Form nachzeichnen: aus einer Konzertreihe, die Wolfgang Pushnig 2016 aufgeführt hat. Ein Vierteiler Zum 60. Geburtstag des Wiener Konzerthauses entstand eine CD-Box.
„Heute denke ich, es war ein bisschen eine musikalische Reflexion“, sagte Pushnig. „Denn es gäbe noch viel mehr „Quellen“, wie die einzelnen Sets heißen. Aber ich musste mich auf diese vier beschränken. Am Ende hat das Concerthouse sie ausgesucht.“
Das ist ein schwer zu erforschender Raum, den Wolfgang Pushnig seit fünf Jahrzehnten schafft. Dass es sich dennoch lohnt, beweist diese CD mit dem Titel „World Embrace“ eindrucksvoll.
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