Germany

Fischsterben in der Oder – “Ich rechne mit mehreren Tonnen Fisch, die wir entfernen werden” – News

  • Nach dem massenhaften Fischsterben in der Oder haben Hunderte Helfer im Osten Brandenburgs tote Tiere eingesammelt.
  • Rund 300 Einsatzkräfte sind seit Samstagmorgen in der rund 80 Kilometer entfernten Region Merkisch-Oderland unterwegs.
  • „Ich gehe davon aus, dass mehrere Tonnen Fisch herausgenommen werden“, sagte Kreissprecher Thomas Rubin.

Im Märkisch-Orderland sind rund 300 Helfer vor allem an der Küste auf einer Strecke von rund 80 Kilometern unterwegs. Die Oberbürgermeisterin der Stadt Schwed an der Oder, Annekatrin Hoppe, sagte dem „rbb-Inforadio“ am Samstag, Helfer seien während der Versammlung mit Schutzanzügen ausgestattet gewesen. Es ist davon auszugehen, dass es sich um gesundheitsgefährdende Stoffe handelt.

Laut Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel weist die Oder einen „stark erhöhten Salzgehalt“ auf. Es sei “absolut untypisch”, sagte der Grünen-Politiker am Freitagabend im RBB-Fernsehen. Vogels Ministerium sagte, die gemessenen Salzmengen könnten mit dem Fischsterben zusammenhängen. „Nach jetzigem Kenntnisstand wäre es aber nicht der einzige Faktor, der das Fischsterben in der Oder verursacht hätte“, hieß es in einer Mitteilung. Der Begriff Salzfrachten bezieht sich auf im Wasser gelöste Salze.

Legende: Helfer holen die toten Fische aus dem Fluss bei Lebus. Keystone/DPA/Patrick Pleul

Nach Angaben der polnischen Regierung waren erhöhte Quecksilberwerte nicht die Ursache für das Fischsterben in der Oder. Das zeigen die Ergebnisse der ersten toxikologischen Tests an Proben von toten Fischen, schrieb die polnische Umweltministerin Anna Moskova auf Twitter. „Das Staatliche Veterinärmedizinische Institut hat sieben Arten untersucht. Er schloss Quecksilber als Ursache für das Fischsterben aus.“ Wir warten jetzt auf die Ergebnisse von Studien zu anderen Schadstoffen.

Vereinbarte Zusammenarbeit mit Polen

Box öffnen Box schließen

Bundesumweltministerin Steffi Lemke räumte ein, dass es anfängliche Probleme bei der Zusammenarbeit mit Polen zur Aufklärung des Fischsterbens gegeben habe. Der Grünen-Politiker strebt nun eine bessere Abstimmung an.

„Das Thema deutsch-polnische Zusammenarbeit funktioniert derzeit offensichtlich nicht, sonst hätten wir zumindest vom Land Brandenburg oder den Nachbarkommunen früher Informationen erhalten“, sagte Lemke in Frankfurt (Oder). Dort hatten Helfer viele tote Fische vom Ufer eingesammelt.

Lemke sagte, sie und ihre polnische Amtskollegin Anna Moskova hätten sich bereits beim ersten Treffen am Freitag darauf verständigt, dass es eine gemeinsame fachliche Einschätzung der Lage und einen Austausch von Analyseergebnissen geben solle. Sie kündigte weitere Gespräche mit Moskau an.

Nach dem Einsammeln der Fische am Samstag werde die Verklappung im Raum Märkisch-Oderland voraussichtlich am Montag fortgesetzt, sagte der Sprecher.

210.000 Euro Preisgeld sind im Angebot

Wegen des Fischsterbens hat Polen eine saftige Belohnung für Hinweise ausgesetzt, die zur Festnahme des Täters führen. Die Polizei habe einen Betrag in Höhe von 210.000 Euro angeboten, sagte der stellvertretende Innenminister Marcin Vasik am Samstag in Gozów Velkopolski. „Wir wollen die Schuldigen finden und die Täter des Umweltverbrechens bestrafen, um das es hier wahrscheinlich geht“, betonte Ministerpräsident Mateusz Morawiecki.

Bildunterschrift: Die polnische Regierung um Ministerpräsident Mateusz Morawiecki (Mitte) setzt eine hohe Belohnung aus, um die möglichen Täter zu finden. Keystone/EPA/LECH MUSZYNSKI

Regierung und Behörden Polens stehen unter Druck, weil sie zu zögerlich auf das Fischsterben reagiert haben. Am Freitagabend hatte Morawiecki den Leiter der Wasserbehörde und den Leiter der Umweltbehörde entlassen. Weitere personelle Konsequenzen schließe er nicht aus, sagte der Regierungschef. Morawiecki gab zu, erst am 10. August von der Massentötung von Fischen erfahren zu haben. “Ich wurde definitiv zu spät informiert.”