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Trotz 100-Milliarden-Aufstockung: Studie: Deutschland wird Zwei-Prozent-Ziel verfehlen

Trotz Studie zur 100-Milliarden-Aufstockung: Deutschland wird das Zwei-Prozent-Ziel verfehlen

15.08.2022, 04:12 Uhr

Das Geld für die Bundeswehr ist seit Jahren deutlich geringer, als es den Nato-Partnern lieb ist. Der 100-Milliarden-Spezialfonds wird laut einer Studie erstmals das Zwei-Prozent-Ziel erreichen, aber noch verfehlen.

Trotz eines 100-Milliarden-Euro-Sonderfonds für die Bundeswehr dürfte Deutschland im nächsten Jahr und vor allem in der nächsten Wahlperiode das Zwei-Prozent-Ausgabenziel der Nato verfehlen – entgegen dem Versprechen der Kanzlerin. Das geht aus einer noch unveröffentlichten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor, die der „Rheinischen Post“ vorliegt. Darin fordert das Institut die Bundesregierung auf, sich besser auf die notwendigen deutlichen Erhöhungen der Verteidigungsausgaben auch über das Jahr 2026 hinaus vorzubereiten.

Wenn die Ankündigung von Bundeskanzler Olaf Scholz vom 27. Februar ernst genommen werde, das Nato-Ziel von zwei Prozent der Wirtschaftsleistung für die Verteidigung fortan sogar zu übertreffen, bleibe eine Lücke in der Haushaltsplanung der Regierung, kritisierte das Institut. „Für 2022 sind keine Ausgaben aus dem Sonderfonds geplant, für 2023 nur 8,5 Milliarden, was eine Lücke von knapp 18 Milliarden Euro (um das Ziel der NATO zu erreichen) lässt“, heißt es in der Studie.

In den kommenden Jahren, bis 2026, wird das Ziel der NATO fast erreicht, aber nicht übertroffen. Ab 2027 ist die Finanzierung zur Erreichung des Zwei-Prozent-Ziels jedoch völlig unklar. „Wenn der Sonderfonds bis dahin aufgebraucht ist und der Verteidigungshaushalt nicht erhöht wird, entsteht ein Loch von rund 35 Milliarden Euro. Wird diese nicht geschlossen, sinkt der Anteil der Verteidigungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt auf etwa 1,2 Prozent“, heißt es in der IW-Studie.

Die Regierung müsse frühzeitig klären, wie der “Crash” der Verteidigungsausgaben verhindert werden könne, “um langfristige Planungssicherheit über 2026 hinaus zu erreichen”, forderten die Autoren der Studie. „Ohne diese Stabilisierung kann sich die Verteidigungsindustrie nicht auf zukünftige Anforderungen einstellen.

Das Institut lobt den Sonderfonds, weil er der Rüstungsindustrie bis mindestens 2026 die Gewissheit gibt, dass das Geld tatsächlich vorhanden ist. „Die Verordnung zeigt aber auch, dass die bestehenden politischen Beschränkungen – keine Steuererhöhungen, keine Kürzungen, Schuldenbremse in ihrer jetzigen Form – zu restriktiv für die erforderlichen zusätzlichen Ausgaben sind“, sagt IW. „Spätestens bis 2026 muss ein um gut 60 Prozent erhöhter regulärer Verteidigungshaushalt bereitgestellt werden, um das Zwei-Prozent-Ziel zu erreichen.“