Stand: 12.07.2022 07:50 Uhr
Ob Gas im Winter knapp wird, ist noch unklar. Allerdings werden in den Städten bereits Krisenpläne vorbereitet. Niemand sollte frieren. Sozialverbände fordern einen besseren Mieterschutz.
Angesichts möglicher Energieknappheit im Winter arbeiten die Städte an Notfallplänen und suchen nach Maßnahmen zur Gaseinsparung, die jetzt umgesetzt werden können.
„Wird in Deutschland der Gashahn zugedreht, gehören Privathaushalte zu den besonders geschützten Kunden – Energie wird also erst zuletzt an sie verteilt“, sagte die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Städtetages, Verena Goeppert, wie der zitiert dpa-Agentur. .
Kurzfristige Sparmaßnahmen
Noch besser wäre es, wenn die Gasvorräte ausreichend wären und Einschränkungen überhaupt nicht nötig wären. Energiesparen ist in der aktuellen Situation eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Aus diesem Grund prüfen die Städte derzeit viele kurzfristige Sparmaßnahmen, sagte Goeppert.
Sie “schalten zum Beispiel das Licht aus, verzichten auf Warmwasser in öffentlichen Gebäuden, stellen Springbrunnen ab, regeln die Temperatur von Klimaanlagen und Badewasser anders.”
Außerdem entwickeln Städte mit ihren Krisenstäben und kommunalen Versorgern Krisenpläne für den Fall, dass die Bundesregierung eine Gasnotstandsstufe ausruft und Gas eingeschränkt werden muss, so der Stadtrat. Zudem erfolgt eine enge Abstimmung mit Bund, Ländern und der Bundesnetzagentur.
Ein gemeinsames Kompetenzzentrum von Bund und Ländern
Goeppert betonte: „Eines ist klar: Im Winter darf niemand frieren.“ Auf die Frage nach möglichen Vorkehrungen bei Energieengpässen beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) sagte eine Sprecherin der dpa: „Hinsichtlich Gasknappheit sind Experten für kritische Infrastrukturen sehr wachsam und in ständigem Kontakt mit der Bundesnetzagentur.
Ziel sei es, „die Lage genau einschätzen und gegebenenfalls Rückschlüsse für den Bevölkerungsschutz ziehen zu können“. Das noch im Aufbau befindliche gemeinsame Kompetenzzentrum von Bund und Ländern des BBK konzentrierte sich zunächst darauf, ein einheitliches Lagebild zu schaffen. Auf dieser Grundlage wären dann Einschätzungen und Lösungen möglich, falls sich die Lage verschlechtern sollte.
Soziale Organisationen fordern einen besseren Mieterschutz
Und angesichts hoher Energiekosten und zukünftiger Gasknappheit drängt der Sozialverband VdK Deutschland auf einen besseren Schutz für Mieter und Verbraucher. Niemand solle im Herbst und Winter seine Wohnung verlieren, wenn die Heizkosten nicht mehr bezahlbar seien, forderte VdK-Präsidentin Verena Bentele in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. “Für solch schwerwiegende Fälle muss daher jetzt eine Kündigungsschutzklage entschieden werden.”
Das Hauptziel sollte sein, dass niemand in einer kalten Wohnung sitzen und in einen öffentlichen Heizraum gehen muss. Der Deutsche Sozialverband (SoVD) forderte angesichts hoher Energiepreise umgehend ein Konzept von der Bundesregierung.
„Wir alle müssen sparen, sparen, sparen“
Auch die Preisspitzen beim Erdgas setzen viele kommunale Unternehmen unter Druck. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages Helmut Dedi forderte in der Rhein-Neckar-Zeitung einen “Schutzschild”. „Die Bundesregierung sollte die kommunalen Versorger nicht im Regen stehen lassen.“ Sie müssten Preiserhöhungen faktisch an die Kunden weitergeben, was es vielen Verbrauchern aber schwer mache. “Wenn sie die Preisspitzen nicht ignorieren, riskieren sie den Bankrott.” Dann steht die Versorgungssicherheit auf dem Spiel“, warnte Dedi. Jetzt heißt es: “Wir müssen alle sparen, sparen, sparen.”
Wird Moskau wieder Gas geben?
Die Ostseepipeline Nord Stream 1 wurde am Montag wegen Wartungsarbeiten stillgelegt. Die Wartung dauert in der Regel bis zu zehn Tage. Die große Sorge ist, dass Russland den Gashahn nicht wieder aufdreht. Dann könnte es während der Heizperiode zu Gasengpässen kommen, und das will die Bundesregierung um jeden Preis verhindern – denn das kann schwere volkswirtschaftliche Schäden und große soziale Folgen nach sich ziehen. Eine Abhängigkeit von russischem Gas muss daher beispielsweise durch den Bau von LNG-Terminals verhindert werden. Der Gasverbrauch für Strom muss reduziert werden.
Habek hofft auf Gas aus Russland, FDP/Union pochen auf Atomkraft
Jim-Bob Nikschas, ARD Berlin 12.07.2022 um 06:24 Uhr
Add Comment