Neuer Wirkstoff gegen Leberverfettung
Derzeit gibt es keine Medikamente zur gezielten Behandlung der nichtalkoholischen Fettlebererkrankung (NAFLD) oder zur Behandlung der nichtalkoholischen Fettlebererkrankung (NASH). Doch Forscher berichten nun über einen neuen Wirkstoff, der sich bei Fettleberhepatitis als hochwirksam und gut verträglich erwiesen hat.
Mainzer Forscher haben an der Entwicklung eines neuartigen Medikaments mitgewirkt, mit dem die nichtalkoholische Fettleber wirksam behandelt werden kann: die modifizierte Omega-3-Fettsäure Icosabutat. Der Wirkstoff beugt Entzündungen und Vernarbungen der Leber vor. Die im Journal of Hepatology veröffentlichte Studie zeigt einen Durchbruch bei der Behandlung dieser Erkrankung.
Bisher ist keine Therapie etabliert
Laut einem aktuellen Bericht der Johannes Gutenberg-Universitätsmedizin Mainz leiden immer mehr Menschen in den Industrieländern an Stoffwechselerkrankungen wie Adipositas (Adipositas), Fettstoffwechselstörungen oder Typ-2-Diabetes.
Viele dieser Patienten entwickeln eine Fettlebererkrankung, die als nichtalkoholische Fettlebererkrankung (NAFL) bekannt ist. Allein hierzulande haben etwa 30 Prozent der Bevölkerung NAFL. Dies verursacht keine Probleme.
Etwa jeder sechste Patient mit NAFL entwickelt jedoch eine Fettleberentzündung, die als nichtalkoholische Steatohepatitis (NASH) bekannt ist. Derzeit gibt es keine etablierte Therapie und kein zugelassenes Medikament für die nichtalkoholische Fettlebererkrankung.
Schwere Komplikationen sind möglich
Wenn eine Fettleberentzündung chronisch wird, führt dies zu einer Leberfibrose. Erhöht das kollagene Bindegewebe in der Leber und die Vernarbung des Organs. Komplikationen der NASH-induzierten Fibrose können Leberzirrhose (Leberverengung), Leberversagen und hepatozelluläres Karzinom sein.
Die bisherige Behandlung mit NAFL und NASH zielte zunächst darauf ab, die Ernährung der Betroffenen umzustellen und mehr körperliche Aktivität zu verordnen. Es zielt unter anderem darauf ab, eine Gewichtsabnahme zu erreichen. Dies kann NASH verbessern.
Wie bei der Behandlung von Fettleibigkeit ist die Gewichtsabnahme jedoch für die meisten NASH-Patienten oft unzureichend. Eine medikamentöse Therapie steht derzeit nicht zur Verfügung.
Forscher arbeiten an vielen Wirkstoffen, deren Zulassung jedoch oft an unzureichender Wirksamkeit oder unerwünschten Nebenwirkungen scheitert.
Eine ganz neue Substanzklasse
„Gemeinsam mit Northsea Therapeutics haben wir ein potenzielles Medikament gegen NASH entwickelt und ausgiebig in vitro und in vivo auf seine Wirksamkeit getestet: die strukturell modifizierte Omega-3-Fettsäure Icosabutat“, erklärt Univ. Dr. Detlef Schupan, Direktor des Instituts für Translationale Immunologie an der Universitätsmedizin Mainz.
„Das ist eine völlig neue Substanzklasse. Icozabutat verbessert sowohl die Entzündung der Leber als auch die Leberfibrose. In der ersten Studie mit Patienten, die ein hohes NASH-Risiko hatten, hat eine tägliche Kapsel unseres Wirkstoffs Icosabutat sehr überzeugend und schnell die erhöhten Blutwerte von Leberentzündungen und Leberfibrose normalisiert“, so der Forscher.
„Basierend auf diesen vielversprechenden Ergebnissen wurde in den Vereinigten Staaten eine klinische Studie der Phase 2b (‚ICONA‘) gestartet, in der Patienten mit schwerer NASH und Leberfibrose über einen Zeitraum von einem Jahr mit Icosabutat behandelt wurden. Hier wird der Therapieerfolg zu Beginn und am Ende durch eine Leberbiopsie beurteilt“, so der Wissenschaftler.
Wichtige Omega-3-Fettsäuren
Den Angaben zufolge basiert die Entwicklung des neuen Medikaments auf bekannten Substanzen aus Fischöl, Omega-3-Fettsäuren. Neben der positiven Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System sind diese Fettsäuren an mehreren Prozessen beteiligt, die Entzündungen der Leber und Fibrose regulieren können.
Dies diente als Ausgangspunkt für die Suche nach einem Medikament, das zur Behandlung chronischer Leberentzündungen eingesetzt werden könnte. Die Herausforderung bei der Herstellung eines wirksamen Heilmittels für NASH aus Omega-3-Fettsäuren besteht darin, dass Omega-3-Fettsäuren fast überall im Körper für den gesamten Energiestoffwechsel benötigt werden.
Auch die Leber nutzt diese Fettsäuren zur Energiegewinnung und zum Aufbau ihrer Zellen. Dadurch werden Omega-3-Fettsäuren vom Körper schnell aufgebraucht. Daher haben sie kein ausreichendes Potenzial mehr, Leberentzündungen zu hemmen.
Laut Experten werden hohe Dosen von Omega-3-Fettsäuren, die für die klinische Wirksamkeit erforderlich sind, schlecht vertragen und haben unerwünschte Nebenwirkungen.
„Mit unserem Wirkstoff Icosabutat haben wir die Struktur von Omega-3-Fettsäuren so verändert, dass dieser Wirkstoff nicht in Leberzellen eingebaut oder als ‚Treibstoff‘ verwendet werden kann. Es ist also genug ungenutzte Icobasat-Fettsäure in der Leber vorhanden, um Entzündungen und Fibrose zu reduzieren“, erklärt Professor Shupan.
Laut dem Experten ist die modifizierte Omega-3-Fettsäure Icosabutat 50-mal stärker als die natürliche Omega-3-Fettsäure. Die Forscher sind optimistisch, dass der derzeit entwickelte Wirkstoff zur ersten wirksamen Therapie mit klarem Nutzen für viele NASH-Betroffene führen wird. (Werbung)
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Dieser Text entspricht den Vorgaben der medizinischen Fachliteratur, medizinischer Leitlinien und laufender Studien und wurde von Medizinern geprüft.
Quellen:
- Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz: Forscher der Universitätsmedizin Mainz entwickeln Wirkstoff gegen Fettleberhepatitis, (Zugriff: 03.05.2022), Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
- Fraser DA, Wang X., Lund J., Nikolić N., Iruarrizaga-Lejaretta M., Skjaeret T., Alonso C., Kastelein JJP, Rustan AC, Kim YO, Schuppan D.: Strukturell gestaltete Fettsäure, Icobasat, inhibiert Entzündung der Leber und Fibrose bei NASH; in: Journal of Hepatology, (online veröffentlicht: 13.12.2021 und in Band 76, Ausgabe 4, P800-811: 01.04.2022), Journal of Hepatology
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und sollte nicht zur Selbstdiagnose oder Behandlung verwendet werden. Sie kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.
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