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Der PV-Boom führt zu Netzproblemen – noe.ORF.at

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Niederösterreich verzeichnet weiterhin einen starken Zubau an Photovoltaikanlagen. Die hohe Nachfrage nach Netzzugang führt jedoch zu Problemen in der Stromnetzinfrastruktur. Stakeholder müssen teilweise Jahre auf den Zugriff auf das Netzwerk warten.

07.05.2022 07.07

Heute online, 7.07 Uhr

51.000 Photovoltaikanlagen in Niederösterreich erbringen derzeit eine Gesamtleistung von über 600 Megawatt. Das entspricht in etwa der Kapazität von 120 modernen Windkraftanlagen. Allein im April wurden weitere 2.280 Anlagen in Niederösterreich ans Netz angeschlossen. Die Zahl der Anträge auf Zugang zum redundanten Stromnetz hat sich in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt.

„Allein im April hatten wir jede Woche 1.200 Bewerbungen. Damit ist Niederösterreich derzeit einer der Photovoltaik-Kaiser Österreichs“, sagte Netz Niederösterreich-Sprecher Michael Kovarik. Niederösterreich gehört laut Klimaministerium neben Oberösterreich, dem Burgenland und Vorarlberg zu den Bundesländern, in denen der Ausbau der Photovoltaik am weitesten fortgeschritten ist.

Bis zu fünf Jahre Wartezeit im Waldviertel und im Mittelteil

Der plötzliche Anstieg der Nachfrage führt jedoch zu Problemen in der Netzinfrastruktur. Das Netz ist laut Kovarik noch nicht überall autark ausgelegt: „Früher war das Netz eine Einbahnstraße vom Großkraftwerk bis zum Haushalt, jetzt werden die Netzanforderungen durch die dezentrale Energieversorgung komplexer .”

Für Interessenten an großen Anlagen, wie zum Beispiel Landwirte mit viel nutzbarer Fläche, kann dies bedeuten, dass sie bis zu fünf Jahre auf den Zugang zum Netz warten müssen. Die Netze im Waldviertel und in der Mitte sind bereits besonders ausgelastet. Hier müsse zunächst das Stromnetz umgebaut werden, bevor andere große private Anlagen ans Netz gehen können, sagte Kovarik.

Denn wenn zu viel privater Strom ins Netz eingespeist werde, könne es sonst zu Spannungsqualitätsverlusten bei anderen Netzkunden kommen, erklärt Kovarik: „Um sicherzugehen, ist eine genaue Prüfung notwendig dass ein störungsfreier Betrieb des Stromnetzes gewährleistet ist. Wir müssen die Versorgungssicherheit im Auge behalten.“