Die Volkspartei versucht heute in Graz Geschlossenheit zu demonstrieren. Nehamer wird eine Rede halten, Sebastian Kurz wird nur zuhören.
Bundeskanzler Karl Nechamer ist auf einem außerordentlichen Bundesparteitag bereits offiziell zum Parteivorsitzenden gewählt worden. Zuvor wollte er in einer halbstündigen Rede das Vertrauen der Beamten gewinnen und Ansagen zu zentralen Themen wie Krieg, Pandemien und Inflation machen. Mit Spannung wird der Auftritt seines Vorgängers Sebastian Kurz erwartet.
Nehamer hat die Messlatte für sein Wahlergebnis nicht zu hoch gelegt: Bislang hat er nur skurril erklärt, dass „alles Bessere als das Ergebnis des Pamela-Randy-Wagner-Parteitags“ ein „Erfolg“ wäre. Der SPÖ-Chef musste sich mit 75,3 Prozent begnügen. Angesichts der sehr hohen Zustimmung der ÖVP-Vorsitzenden bei ihrer ersten Wahl muss sich Nehamer trotz des turbulenten Umfelds keine Sorgen um ein repräsentatives Ergebnis machen.
So etwas heißt natürlich nicht, auf Dauer fest im Sattel zu sitzen – so erhielt am Ende der unglückliche Reinhold Mitterleiner bei seiner Wahl zum Präsidenten einst 99,1 Prozent. Anders als sein Kontrahent Sebastian Kurz nahm Mittlereiner am Samstag nicht am türkisfarbenen Event in der Helmut-List-Halle in Graz teil.
Sebastian Kurz wird nur “interviewt”
Der Bundeskanzler, gegen den unter anderem in einer Werbeaffäre ermittelt wird, kam erst durch die Ankündigung seines Auftritts in die Schlagzeilen. Auch er wird kurz zu Wort kommen – nicht in einer Rede, sondern in einem „Interview“ mit dem Moderator der Bühne. Sein erstes großes Interview gab er übrigens kürzlich nach seinem Ausscheiden bei Servus TV („Ich hatte meine Dosis Politik“, lesen Sie hier den TV-Hinweis).
Es war auch eine sehr enge Vertraute von Kurz, die Nehamer wenige Tage vor dem Parteitag noch einmal für Stress sorgte: Elizabeth Koestinger kündigte am Montag überraschend ihren Rücktritt als Agrarministerin an, und am selben Tag Wirtschaftsministerin Margarete Shrambiok, ebenfalls Türkin Erfindung. Er musste die Regierung verlassen. So sah sich Nehamer wenige Tage vor seiner Wahl zum Präsidenten gezwungen, die Lücken in seinem Stab zu füllen, anstatt seine Rede zu halten.
Für Nehamer lief es zuletzt nicht rund: Die ÖVP-Parteiaffäre in Vorarlberg, schlechte Umfrageergebnisse, die aktuelle ÖVP-Kommission zur Untersuchung von Korruption, Kritik an seiner Reise zum russischen Präsidenten Wladimir Putin und die Leibwächter-Affäre Cobravi dominierten in den Angehörigen des Kanzlers Familie.
In der Nacht auf Samstag bestrahlte die Sozialistische Jugend laut einer Sendung die Veranstaltungshalle mit der Botschaft „Korruption hat System – Wähle ÖVP!“. Natürlich muss die rote Parteijugend ziemlich einsam gewesen sein, denn der Parteitag begann erst am Samstag um 13.30 Uhr.
Die Ergebnisse der Wahlen sollten gegen 16 Uhr bekannt sein. Der Applaus ist Nehamer so gut wie sicher – dafür garantiert schon die Tatsache, dass eigens für die Bekanntgabe der Ergebnisse der „klassische Kinositz“ im Saal durch Stehtische ersetzt wurde.
(APA)
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