Germany

Bushman bringt die Leute mit einem Mafia-Vergleich zum Lachen

Der Bundestag debattierte an Silvester über die Ausschreitungen. Justizminister Marco Buschmann reagierte mit Humor auf Aufrufe zur Verifizierung der Namen.

Bundesjustizminister Marco Buschmann hat sich nun in der Debatte um die Herausgabe der Vornamen deutscher Tatverdächtiger zu Wort gemeldet. Nach den Krawallen in der Silvesternacht forderte der CDU-Chef und Berliner Bürgermeisterkandidat Kai Wagner eine Überprüfung, ob die Festgenommenen arabische Namen tragen.

Nun hat sich Bushmann dem Bundestag als Exempel für die Ablehnung der Idee gestellt. „Mein Vorname ist Marco. Bin ich damit das Kind italienischer Einwanderer? Man könnte meinen, aber das ist Quatsch.“ Aber das war ihm nicht genug. “Ich habe nicht die Absicht, Verbrechen zu begehen”, sagte der Justizminister, “aber wenn ich eines Tages erwischt werde, bin ich dann Mitglied eines sizilianischen Mafia-Clans?”

Schlagabtausch im Bundestag

Die Namensfrage hält er für blanken Unsinn. Alexander Trom (CDU) beharrte darauf, dass es sich bei den Anschlägen in Berlin und anderen Großstädten „vor allem um junge Männer mit Migrationsgeschichte aus bestimmten Hintergründen und Gegenden“ gehandelt habe. Deshalb müssen wir in diesem Zusammenhang auch über Integration sprechen. Wenn Integrationsbeauftragte Alabali-Radovan nein sagt, “ist das eine Jobverweigerung”.

Eine von der Gewerkschaft geforderte Bundestagsdebatte zu den Silvester-Angriffen auf Polizei und Feuerwehr ist in Berlin zu einem Streit um die Übergriffe geworden. Minister und Abgeordnete der Ampelparteien warfen der Union vor, das Thema Gewaltexzesse zu missbrauchen, um Ressentiments gegen Menschen mit Migrationshintergrund zu schüren und den CDU-Wahlkampf in Berlin zu unterstützen.

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Einbettung

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Unionsfraktion, Andrea Lindholz (CSU), sagte, der rot-grün-rote Berliner Senat sei für die chronische Unterfinanzierung von Justiz und Polizei der Hauptstadt verantwortlich. Unter der Hilflosigkeit Berlins gegenüber ausufernden Verbrecherclans leiden inzwischen auch andere Länder, sagte sie mit Blick auf den Juwelenraub aus dem historischen Grünen Gewölbe in Dresden. Auch Stephan Thomae (FDP) sagte, es fehle an politischer Unterstützung für die Polizei in Berlin.

Die Union habe die Debatte seit Anfang des Jahres bewusst “am Köcheln” gehalten, sagte Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne). “Sie schauen vor allem auf die anstehenden Landtagswahlen”, fügte sie hinzu. Aus den Unruhen ein Migrationsproblem zu machen, sei „rassistisch“. Der Vorsitzende der Unionsfraktion, CDU-Chef Friedrich Merz, setzt auf das Erbe von Altkanzlerin Angela Merkel und rückt die Union weiter nach rechts.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Reem Alabali-Radovan (SPD), sagte, es sei unfair, bei ähnlichem Verhalten von Jugendlichen in Berlin-Neukölln über einzelne Fälle von Gewalt durch Fußball-Hooligans in Dresden zu sprechen und generell von „Arabern“ zu sprechen.

Polizisten stehen hinter explodierenden Feuerwerkskörpern. (Quelle: Julius-Christian Schreiner/TNN/dpa/dpa-images)

Hunderte Angriffe auf Rettungsdienste in der Silvesternacht

Einem Medienbericht zufolge gab es in der Silvesternacht landesweit mindestens 282 Angriffe auf Polizei und Feuerwehr. Das berichtet der „Tagesspiegel“ unter Berufung auf eine eigene Befragung aller 16 Innenministerien der Länder. Einige Bundesländer wie Hessen und Baden-Württemberg nennen allerdings keine Zahl von Angriffen auf Einsatzkräfte, die tatsächliche Zahl dürfte also höher liegen.

Die meisten Anschläge gibt es laut der Zeitung in Berlin. Die Polizei hier habe bereits 59 gemeldete Angriffe auf Polizisten und 43 auf den Feuerwehr- und Rettungsdienst bestätigt, hieß es. In Niedersachsen bestätigte das Innenministerium Angriffe auf 42 Einsatzkräfte, auch in Nordrhein-Westfalen wurden in der Silvesternacht 42 Einsatzkräfte verletzt. In Bayern hat es nach Angaben des Innenministeriums 34 Angriffe auf Einsatzkräfte gegeben. Auch Hamburg meldete in der Silvesternacht mit 19 Übergriffen eine relativ hohe Zahl von Übergriffen. In den anderen Bundesländern liegen die Angriffe auf Rettungsdienste im einstelligen Bereich.