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Ein seltener grüner Komet, der von Deutschland aus sichtbar ist

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Erstellt: 19.01.2023 04:53 Uhr

Von: Maximilian Gang

Komet C/2022 E3 wurde letztes Jahr entdeckt. Jetzt kann man ihn auch vom Boden aus sehen, mit etwas Glück sogar mit bloßem Auge.

Köln – Wenn ein Komet von der Erde aus sichtbar ist, ist das nicht nur für Astronomen ein besonderes Ereignis: Viele Himmelskörper sind nah genug, um sie nur alle tausend Jahre einmal zu erkennen. So auch beim Kometen C/2022 E3, der bald auch von NRW aus sichtbar sein wird – auch ohne Hightech-Teleskop.

Berechnungen zufolge war der Komet zuletzt vor 50.000 Jahren in vergleichbarer Nähe, als noch Neandertaler auf der Erde lebten. Was für einen besonders atemberaubenden Anblick sorgen kann: Der Komet erscheint grün und ist mit etwas Glück mit bloßem Auge zu sehen.

  • Wann ist die beste Zeit, um den Kometen zu sehen? – Mitte bis Ende Januar
  • Wo kann ich den Kometen am besten sehen? – Wichtig: ein Ort mit wenig Licht, also vorzugsweise außerhalb von Großstädten und von hohen Orten
  • Wann ist der Komet nicht mehr sichtbar? – Mitte Februar

Grüner Komet in NRW: So sehen Sie es

Auch in Nordrhein-Westfalen wird der Komet zu sehen sein: „Egal wo in Deutschland oder gar wo in Mitteleuropa man sich befindet“, erklärt Sven Melchert vom Verein der Sternfreunde e. V. gegenüber 24RHEIN. Aber selbst wenn die Region für die Sichtbarkeit irrelevant ist, ist es der genaue Standort nicht: Städte mit ihren Lichtern sind aufgrund des hellen Himmels weniger sichtbar. Das bedeutet: Ideal sind Erhebungen und etwas abseits gelegene Gebiete in Großstädten. In ländlicheren Gegenden wie dem Sauerland oder dem Niederrhein ist der Komet durchaus gut am Himmel zu erkennen.

Gute Wetterbedingungen sind wichtig: „Das funktioniert natürlich nur bei klarem Himmel, also wenn man die Sterne sieht, dann funktioniert der Komet auch“, sagt Melchert. „Aber man muss sagen: Es ist kein so prächtiger Komet wie zum Beispiel Comet Neowise aus dem Sommer 2020.“ Kometenfotograf Michael Jaeger beschrieb es gegenüber der Frankfurter Rundschau ähnlich: „Der Komet ist nur unter dunklem Berghimmel zu sehen, aus urbanen Gebieten braucht man auf jeden Fall ein kleines Teleskop.“ Doch der Himmelskörper hat noch eine weitere Eigenschaft: Er leuchtet grünlich.

Warum ist der Komet grün?

Kometen können für das menschliche Auge in verschiedenen Farben erscheinen. Die Farbe wird durch die chemischen Elemente bestimmt, aus denen der leuchtende Himmelskörper besteht. Der hohe Eisengehalt des Steins beispielsweise erzeugt ein gelbliches Licht. Der hohe Calciumgehalt lässt den Feuerball violett erscheinen.

Das grüne Leuchten des grünen Kometen kommt von dem Zwei-Kohlenstoff-Molekül. Nähert sich der Komet der Sonne, sorgt ultraviolette Strahlung dafür, dass mit Eis und Staub vermischte Verbindungen zerstört werden. Der dabei entstehende Dikohlenstoff diffundiert dann in die Gashülle des Kometen. Der Dunst, der den Kometen umgibt, erscheint im Sonnenlicht grün.

Was braucht man, um den grünen Kometen zu sehen?

Mit einem Standard-Fernglas ist der Komet fast immer sichtbar. Auch ein einfaches Teleskop hilft. Gegen Ende Januar ist der Himmelskörper mit etwas Glück sogar mit bloßem Auge zu sehen.

Grüner Komet: Wann ist die beste Beobachtungszeit?

„Die beste Sichtzeit beginnt nach Mitte Januar, wenn der Komet heller als 7 mag ist und der abnehmende Mond den Himmel immer weniger hell macht“, erklärt das Home of Astronomy am Max-Planck-Institut. Die Abkürzung „mag“ steht für „magnitudo“, ein Maß für die Helligkeit. Die Einheit steht in negativer Beziehung zur Helligkeit, je niedriger also der magnetische Wert, desto heller erscheint der Körper, auf den sie sich bezieht.

Der optimale Beobachtungszeitpunkt dürfte kurz vor Ende Januar liegen. Der Komet erreicht dann fast sein Maximum bei etwa 5,5 mag. Zum Vergleich: Unter guten Bedingungen sind sechs Sterne mit bloßem Auge kaum als Lichtpunkte zu erkennen. Der Komet befindet sich Ende Januar in der Nähe des nördlichen Himmelspols und ist daher laut House of Astronomy die ganze Nacht sichtbar.

Ein Aspekt ist wichtig für die Sichtbarkeit: Mondlicht. Daher ist ein weiteres Phänomen für Astronomie-Fans sehr vorteilhaft: Denn der Mond geht Ende Januar in der zweiten Nachthälfte unter. Mit etwas Glück liefert dies besonders spektakuläre Bilder des grünen Kometen.

Ein grüner Komet, auch mit bloßem Auge sichtbar

„Die maximale Helligkeit von 5,5 mag ist für einen Kometen schon beachtlich, unter einem sehr dunklen Himmel kann man ihn vielleicht sogar mit bloßem Auge sehen“, erklärt das Institut. Aber man muss genau wissen, wo man ihn am Himmel findet. Lokalisierungskarten können dabei helfen.

Aber wer den Zeitraum Ende Januar verpasst, hat noch eine Chance. Vor allem in der zweiten Februarwoche können Spätentschlossene es noch versuchen: Dann hat C/2022 E3 noch eine Helligkeit von etwa 6 M. Damit ist der Komet noch bis Mitte Februar zu sehen – wenn auch nur mit Hilfsmittel: „Dann ist der Komet nur noch 7 hell und seine Zeit als binokularer Komet ist zu Ende“, erklärt das Home of Astronomy. Von der ersten Entdeckung bis zum Verschwinden in den Weiten des Universums verging etwa ein Jahr.

Astronomie: Grüner Komet erstmals 2022 entdeckt

Am 2. März 2022 entdeckte die Zwicky Transient Facility erstmals den Kometen C/2022 E3, wie aus einer Mitteilung des Hauses der Astronomie des Max-Planck-Instituts hervorgeht. Dementsprechend trägt der Himmelskörper das Kürzel „ZTF“. Zu diesem Zeitpunkt war ZTF noch 4,3 Astronomische Einheiten (AE) von der Erde entfernt.

Entdeckungszeit 2. März 2022 Entdecker Zwicky Transit Facility am Palomar Observatory Mindestabstand zur Sonne (Perihel) 1,112 AEI Neigung der Bahnebene 109,2 Grad Bahntyp hyperbolisch

Eine AE entspricht der durchschnittlichen Entfernung zwischen Erde und Sonne – etwa 150 Millionen Kilometer. Bis zum ersten Februar wird der Himmelskörper bereits eine große Strecke zurückgelegt haben. Mit einer Entfernung von 0,28 AE (etwa 42 Millionen Kilometer) erreicht er dann die kürzeste Entfernung zur Erde. (mg) Ehrliche und unabhängige Informationen über das Geschehen in NRW – abonnieren Sie hier unseren kostenlosen Newsletter 24RHEIN.