Ein Angebot für eine Windtochter Siemens will Gamesa übernehmen und sanieren
Am 21. Mai 2022 um 23:34 Uhr
Das Windenergieunternehmen Gamesa ist an der spanischen Börse notiert und gehört zu mehr als zwei Dritteln Siemens. Doch für die Tochter läuft es nicht nach Plan. Siemens unterbreitet den anderen Aktionären nun ein Kaufangebot.
Siemens Energy will seine spanische Windenergie-Tochter Siemens Gamesa vollständig übernehmen. Siemens Energy biete 18,05 Euro je Aktie in bar, teilte das Energietechnikunternehmen nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Insgesamt muss Siemens Energy für die restlichen Gamesa-Anteile gut vier Milliarden Euro zahlen. Ziel ist es, Siemens Gamesa von der Madrider Börse zu nehmen.
Siemens Energy-Chef Christian Bruch hofft, das geplagte Kind näher an den Straßenrand zu bringen und die Reparatur zu beschleunigen. Siemens Energy besitzt bereits 67,1 % der Anteile an der spanischen Tochtergesellschaft, konnte diese aber aufgrund der eigenständigen Börsennotierung bislang nur über den Aufsichtsrat kontrollieren.
Bruch will seine Strategie für die nächsten Jahre am Kapitalmarkt am Dienstag, 24. Siemens Gamesa ist eigentlich ein Hoffnungsträger für den Hersteller von Gas- und Dampfturbinen, sorgt aber seit Jahren mit Verlusten, Gewinnprognosen und Betriebsproblemen für negative Schlagzeilen. Es gibt große Probleme mit der neuen Generation von 5.X-Windrädern, und die Rohstoffkosten von Siemens Gamesa sind ausgeschöpft, während mit Kunden in Lieferverträgen Festpreise vereinbart wurden.
Windenergie ist ein wesentlicher Bestandteil der Strategie
„Die Transaktion wird das Management bei der Bewältigung der aktuellen Herausforderungen bei Siemens Games unterstützen“, heißt es in der Mitteilung. Ein integriertes Unternehmen kann von erheblichen Kosten-Nutzen-Synergien profitieren. Bruch bezeichnete zuletzt die Zahlen von Siemens Games als enttäuschend, räumte aber Windenergie als wesentlichen Bestandteil der Strategie ein. Die Situation bei Gamesa hat sich nach einer kürzlichen Gewinnwarnung verschlechtert.
Das Übernahmeangebot von Siemens Gamesa liegt acht Prozent über dem Schlusskurs vom Freitag von 16,75 Euro. Allerdings ist die Aktie bereits in den letzten Tagen nach Konkretisierung der Übernahmepläne stark gestiegen, hieß es von mit der Sache vertrauten Personen. Vor den ersten Spekulationen Anfang der Woche lagen die Wertpapiere bei 14,13 Euro. Um Siemens Gamesa von der Börse zu nehmen, benötigt das Münchner Unternehmen 75 Prozent der Anteile nach spanischem Recht.
Siemens Energy will die Aufstockung hauptsächlich mit Eigenkapital finanzieren. Bis zu 2,5 Milliarden Euro will das Unternehmen in Aktien und Hybridanleihen aufnehmen, um sein Investmentrating nicht zu verlieren. Der erste Schritt könnte eine Kapitalerhöhung ohne Bezugsrecht sein, die auf zehn Prozent des Grundkapitals begrenzt ist und Investoren in der Regel über Nacht zur Verfügung gestellt wird. Bis dahin wird die Überbrückungsfinanzierung von den Investmentbanken Bank of America und JPMorgan bereitgestellt.
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