Sozial
Normalerweise zünden Sie in Escape Rooms Bomben oder müssen aus dem Gefängnis fliehen: Im MuseumsQuartier dreht sich alles darum, der Armutsfalle zu entkommen. Das Spiel Escape from Poverty will das Schicksal vieler Menschen in Wien greifbar machen.
24.05.2022 00.11
Heute online, 0.11
Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein ganz normales Kinderzimmer – so wie es in vielen Familien zu Hause sein mag. Dahinter steckt ein ernstes Problem: Beide Räume sind für Kinderarmut bestimmt. Ein Raum ist eine Wohnung, der andere ein Büro – samt Mitarbeitern, im Fall der Künstlerin Deborah Sengle ist dies ein Tierkopf.
„Escape Rooms sind sehr beliebt. Sie sind sehr berührend oder sprechen ein sehr großes Publikum an. Warum also nicht diese Methodik nutzen, um schwierige Themen an das Publikum zu bringen und niederschwellig zu informieren“, so Sengle im Gespräch mit Wien Heute.
ORF Das Kinderzimmer ist Teil des Escape Rooms
Escape Rooms zu sozialen Themen
Bereits 2019 widmete sich Deborah Sengle in dem für das Museumsquartier in Wien entwickelten Escape Room den Themen Flucht und Migration. Nun setzt sich die Künstlerin mit Kinderarmut auseinander: Unter dem Titel „Escape Poverty – Poverty is not child’s play“ lässt sich diese künstlerische Intervention für sich bespielen. Laut der Mitteilung wird ein „niederschwelliger Zugang“ vorgeschlagen.
Der Fokus liegt hier auf der interaktiven Diskussion. Das von Institutionen wie der Volkshilfe unterstützte Projekt will „erfahrbar machen, was es heißt, von Armut betroffen zu sein und wie schwer es ist, der Armut zu entkommen“. Die Rätsel des Escape Rooms basieren auf genau diesen Hindernissen. Das Spiel dauert etwa eine Stunde und kann Gruppen von zwei bis sechs Personen umfassen. Die Kosten betragen je nach Teilnehmerzahl zwischen 37 und 20 Euro.
Flucht aus der Armut im Spiel – Escaperoom
Zwei Zimmer, ein Kinderzimmer, sowie ein Amtszimmer und schwierige Fragen, wie man der Armut entkommt und den Behördenwald überwindet. Der Leiter des Büros trägt den Kopf eines Schäferhundes. Ab sofort im Museumsquartier in Wien.
Jedes fünfte Kind von Armut betroffen
In Wien ist derzeit jedes fünfte Kind von Armut betroffen. „Kinderarmut äußert sich in Wien vor allem durch eine Form der Ausgrenzung. Wo können Kinder nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen? Oder das Geld der Eltern reicht bis Ende des Monats nicht aus. So wird die letzte Woche nicht mehr gut und frisch gekocht. Betroffene Kinder erkranken auch häufiger als Kinder aus wohlhabenden Familien“, sagte Tanya Veheli, Geschäftsführerin der Volkshilfe Wien.
„Wir sind in einer Wohnung, die theoretisch jedem gehören könnte. Es geht nicht darum zu sagen: gefällt mir oder gefällt mir nicht. Es geht darum, sich in dieser Einfachheit möglichst auf das Thema zu konzentrieren. Deshalb haben meine Figuren immer Tierköpfe, um von Sympathie oder Antipathie ins Gesicht zu lenken und das Thema wirklich in den Fokus zu rücken“, sagte die Künstlerin im Interview mit Wien Heute.
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