Steigende Preise spüren bereits jetzt auch Einkommensgruppen, die früher mit ihrem Geld zufrieden waren. Sie tun es jetzt, aber sie wissen noch nicht, wie viel. Gudrun Steinmann bestätigt, dass sie sich zunehmend von der Wiener Schuldnerberatung beraten lassen. Angesichts steigender Preise rechnet sie damit, dass immer mehr solche Menschen betroffen sein werden. Steigende Preise wirken sich bei vielen Wienerinnen und Wienern zeitverzögert im Herbst oder im nächsten Jahr auf die Verschuldung aus.
Die Schuldnerberatung klärt Einsparpotenziale auf. Das kann beim Auto der Fall sein, durch Preisvergleiche beim Kauf, durch weniger Konsum in Restaurants oder beim täglichen Einkauf. Viele Menschen haben beispielsweise verlernt, bewusst einzukaufen und bewusst zu kochen.
Eine Waschmaschinenreparatur ist nicht verfügbar
30 Prozent mehr Menschen kommen jetzt auch in die Sozialberatungsstellen, darunter Familien mit Kindern, Rentner oder alleinerziehende Mütter:“ sagt Doris Anzengruber, Leiterin der Sozialberatung der Caritas.
Eine 84-jährige Frau ließ sich beraten, weil sie nicht mehr sparen konnte und kündigte daraufhin ihre Bestattungsversicherung. Dadurch bekommt sie wieder 30 Euro, mit denen sie Lebensmittel einkaufen kann.
Lange Schlangen vor Essensausgaben
Nicht nur Schuldner- und Sozialberatungen verzeichnen mehr Anfragen, die Krise zeigt sich auch in den langen Schlangen vor den Lebensmittelausgabestellen der Caritas. Immer mehr Menschen in Wien sind süchtig nach diesem fast kostenlosen Einkauf: „Wir merken, dass ein großer Bedarf besteht. In den letzten Jahren haben wir etwa siebzehn Tonnen Lebensmittel pro Woche verteilt, jetzt sind es vierundzwanzig. Der Bedarf ist groß und wächst“, sagte Ansengruber.
Schon bevor der Preisanstieg für viele Menschen knapp war, wird nun der Alltag für immer mehr Menschen unmöglich. Das Sozialsystem erfasse sie nicht mehr ausreichend: „Was es auf jeden Fall braucht, ist Sozialhilfe gegen Armut oder Mindestsicherung. „Die Menschen tun sich schon jetzt schwer mit der Sozialhilfe“, sagte Anzengruber. Auch Berufstätige würden um Hilfe bitten. Die Caritas rechnet nicht mit einer Entspannung der Lage. Nun sucht sie also einen anderen Ort für eine neue, große Essensausgabe.
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