Veröffentlicht30. Mai 2022, 12:19 Uhr
Auf der Tagesordnung der Sommersession des Parlaments steht die Forderung nach einem Verbot des Sexkaufs. Er wird von links nach rechts unterstützt – und es fällt ihm trotzdem schwer.
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Der Nationalrat beschloss bald eine Initiative für ein Sexkaufverbot (Bühne Dienerstrasse in Zürich). Demnach sollten Kunden bestraft werden, Sexarbeiterinnen nicht.
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EVP-Nationalrätin Marian Streif-Feller forderte in seinem Vorschlag ein Sexkaufverbot.
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CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt unterstützt dies. Prostitution sei gegen den Zeitgeist, sagt er. „Es ist nicht gut, dass man Frauen kaufen kann.
Privatgelände
Rund 7.000 Menschen haben an diesem Wochenende in Madrid gegen Prostitution protestiert. „Senala al putero“ stand auf den Plakaten „Zeig dem Mann eine Hure“. Die Kundgebung war eine Reaktion auf den Beschluss des Parlaments, Prostitutionswerbung zu verbieten, von dem die Aktivisten nicht genug bekamen.
Auch das Verbot der Prostitution oder der Inanspruchnahme sexueller Dienstleistungen (Sexkaufverbot) ist in der Schweiz ein Problem. EVP-Nationalrätin Marian Streif-Feller forderte ein solches Verbot nach schwedischem Vorbild in einer Vorlage, die auf der Tagesordnung des Nationalrats steht. Streifer-Feller will, dass Kunden bestraft werden, Sexarbeiterinnen aber nicht. Dieses Modell gilt in Schweden seit 1999 (siehe Kasten). Der Vorschlag fordert auch Hilfe für Sexarbeiterinnen.
“Prostitution widerspricht dem Zeitgeist”
Ohne Zwang gebe es kaum Prostitution, sagt Marian Streif-Feller. Sei es durch einen Zuhälter, einen Clan, den eigenen Partner oder einfach durch soziale Schwierigkeiten. „Umfragen zeigen, dass 80 Prozent der Frauen sofort ausgehen würden, wenn sie die Chance dazu hätten.“
Der Vorschlag wird von links nach rechts unterstützt und Beobachter sagen, dass er immer noch darum kämpft, eine Mehrheit zu gewinnen. Unter anderem unterzeichneten Andrea Geisbühler (SVP), Ursula Schneider-Schutel (SP), Laurent Verley (FDP) und von Stefan Müller-Altermat (CVP). Müller Altermatt glaubt, dass das Verbot im Laufe der Zeit immer mehr Unterstützung finden wird. „Prostitution ist einfach gegen den Zeitgeist. «Frauen kann man nicht kaufen», sagte der Solothurner Nationalrat. Es geht um Menschenrechte und die Situation von Frauen. „In den meisten Fällen werden Frauen gegen ihren Willen verkauft. Das ist heutzutage einfach nicht möglich.”
“Einige könnten als Anwälte arbeiten”
Ganz anders sieht das Procore, ein eidgenössisch geführtes Sexarbeiterinnen-Netzwerk mit 26 Beratungsstellen in der Schweiz. “Das Verbot wäre eine massive Schwächung der Prostituierten in der Schweiz und eine Katastrophe für die öffentliche Gesundheit”, sagt Shirin Dahan, wissenschaftliche Mitarbeiterin. Wenn die Jones bestraft würden, wäre Prostitution geheim und illegal. “Das bedeutet, dass Sexarbeiterinnen stärker Gewalt und Gefahren ausgesetzt sind.”
Auch zwischen Menschenhandel und Sexarbeit muss unterschieden werden. Grundsätzlich entscheidet sich jeder, der Sexarbeit betreibt, freiwillig dafür. “Es gibt einige, die als Anwalt oder Lehrer arbeiten könnten, aber lieber im Sexgewerbe arbeiten.” Die überwiegende Mehrheit hat eigentlich nicht viele Möglichkeiten, entscheidet sich aber dennoch bewusst dafür, zum Beispiel aufgrund von Benefits wie flexiblen Arbeitszeiten oder Gehältern. Das könnte zum Beispiel eine Kassiererin sein, die als Sexarbeiterin mehr verdient. Die mit dem Verbot verbundene Stigmatisierung und Moralisierung sei für rund 10’000 bis 20’000 Prostituierte in der Schweiz schwierig, sagte Dahan.
Der Mitunterzeichner ist sich jedoch nicht sicher
Die Freiburger Nationalrätin und Rechtsanwältin Ursula Schneider Schutel hat die Initiative unterzeichnet, ist sich des Verbots aber nicht mehr sicher. Denn das Gesetz schützt auch Sexarbeiterinnen. Das Verbot könnte viel Leid verursachen, da Frauen ohne Einkommen bleiben und ein Teil des Handels aufgrund der damit verbundenen Risiken illegal abwandert.
Das befürchtet auch der Bundesrat. Eine Expertengruppe des Justizministeriums habe einen solchen Schritt 2014 einstimmig abgelehnt, schrieb er als Antwort auf den Vorschlag. Ein Verbot nach nordischem Vorbild ist für die Schweiz nicht angebracht, um den Schutz von Frauen in der Erotikbranche zu stärken. Der Handel wird illegal.
Auswanderung illegal?
Berichte kommen manchmal zu dem gleichen Ergebnis. So etwa eine Amnesty-Studie für Irland, die das schwedische Modell 2017 vorstellte. Mit dem Verbot hat sich das Image von Sexarbeit verschlechtert, Sexarbeiterinnen gehen seltener zur Polizei. Durch die mangelnde Kooperation und das Bordellverbot sind die Betroffenen stärker isoliert und weniger geschützt.
Das Argument der Illegalität sei falsch, sagt Marian Streif-Feller. Sie zitiert den schwedischen Polizeichef Simon Hegström, der kürzlich auf Einladung der EVP an einer Podiumsdiskussion in der Schweiz teilgenommen hat. Die Tatsache, dass das Verbot des Sexkaufs in Schweden die Prostitution in die Illegalität drängt, ist eine der “am häufigsten verwendeten Lügen” im schwedischen Recht, sagte Hagström. Prostitution kann nicht in den Untergrund gehen, weil Käufer und Verkäufer dort sein müssen. Das Verbot des Sexkaufs hat den Markt der organisierten Kriminalität weitgehend zerstört. “Es geht um Geld. Die Freier haben das Geld. Wenn Sie den Sexkauf kriminalisieren, treffen Sie die Menschenhändler“, sagt Hegström.
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