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Warum sind die Akten von Manuela Schwezig so unvollständig?

Die Recherchen von t-online und auch der “Welt” haben immer wieder Dokumente veröffentlicht. Überraschend war jedoch, dass die zentralen Fragen aus den Akten nicht geklärt werden konnten. Unter anderem ist es noch unklar

  • der die Idee hatte, die Stiftung zu gründen,
  • wer sie wann initiiert hat
  • wer wann über die konkreten Pläne und Prozesse informiert wurde.

Inzwischen hat im Schweriner Landtag eine parlamentarische Untersuchungskommission ihre Arbeit aufgenommen. Akten soll er allerdings erst nach sechs Monaten erhalten.

Russlands Gas-Elite: Nord Stream 2-Duo Matthias Warnig (links, 2. Reihe) und Gerhard Schröder mit dem damaligen russischen Ministerpräsidenten Medwedew (Mitte). (Quelle: ITAR-TASS/imago-images-pictures)

Nun bietet eine neue Studie von t-online jedoch eine mögliche Erklärung für die scheinbaren Lücken in den Akten: 2020 drohten US-Sanktionen gegen Nord Stream 2 und die beteiligten Unternehmen, da die Regierung in Washington das Projekt rundweg ablehnte. Das war natürlich nicht im Interesse der Gazprom-Tochter. Deshalb pocht sie fortan auf die Kommunikation mit der als konspirativ zu bezeichnenden Landesregierung. Und was macht die Frage: Staatskanzlei und Ministerien waren sich offenbar einig.

Der Ernennungsvermerk in der Staatskanzlei

Wichtige Informationen sollten daher nur in privaten Gesprächen kommuniziert werden – aus Angst vor einer möglichen Überwachung durch die US-Geheimdienste. Dies belegt ein internes Dokument der Staatskanzlei, das auf t-online abrufbar ist und das darauf abzielt, ein Treffen von Nord Stream 2-Vertretern mit dem Schweizer Staatsoberhaupt Heiko Geue und dem damaligen Energieminister Christianpegel vorzubereiten.

Eine von der Abteilung 2 des Landesamtes („Regierungspolitische Koordinierung und Planung“) für Geue erstellte Berufungsnotiz vom 10. Februar 2020 lautet wie folgt:

„EM sah sich als Vorbereitung auf ein Date [Energieministerium] mit der bemerkenswerten Erklärung, dass sie von den an Nord Stream beteiligten Unternehmen keine Informationen mehr erhält, weil diese sich geweigert haben, sie über normale elektronische Kommunikationsmittel weiterzugeben. Sie begründeten dies damit, dass auf diese Weise vermieden werden solle, dass US-Geheimdienste oder Kommunikationsunternehmen Informationen über die USA durchsickern lassen. Aktuelle Informationen werden natürlich am 12.2. besprochen. werden mündlich erteilt. Dementsprechend wird auch die Ministerebene nicht auf die Berufung vorbereitet.”

Nord Stream 2 verschickte per E-Mail nur eine allgemeine Einschätzung zum europäischen Gasmarkt, die selbst in der Regierungskanzlei bissig kommentiert wurde. „Häretisch gesprochen könnte man davon ausgehen, dass die NSA Kenntnis von diesen Informationen hat [die US-amerikanische National Security Agency] schien weniger riskant und möglicherweise sogar beabsichtigt?“, fährt das Dokument fort.

(Quelle: Landesamt Mecklenburg-Vorpommern/t-online)

Das Verfahren könnte einige Monate später die eklatanten Lücken in der Gründungsdokumentation der Stiftung erklären: Anders als bei behördlich archivierbarer Korrespondenz gibt es in Mecklenburg-Vorpommern keine Melderichtlinien, die die Landesregierung zur Vorlage von Telefonaten oder mündlichen Gesprächen verpflichten. Auch in den Vorjahren haben Staatskanzlei und Ministerien nach eigenen Angaben kaum Protokolle zu solchen Terminen geführt.