Germany

Hacker: Flüchtlingsjobs neu denken

Bei Menschen, die in den Arbeitsmarkt eintreten wollen, müsse geklärt werden, ob es sinnvoll sei, das Asylverfahren überhaupt nicht zu durchlaufen, erklärte Hacker: „Aber zu sagen: Wenn du sofort arbeiten gehst, wenn du sofort in die Selbständigkeit gehen und sozusagen für die eigene Existenz sorgen, dann brauchen wir sowieso Fachkräfte in allen Branchen, in allen Bereichen.’ in anderen Ländern findet sie bereits statt, betonte die Sozialstadträtin in einem Interview für „Wien heute“.

Deutschland ist so ein Vorbild: Wenn Flüchtlinge eine Ausbildung beginnen und unschuldig bleiben, können sie dort in ihrem Beruf arbeiten und eine Aufenthaltserlaubnis bekommen. In Österreich hingegen können sogar Lehrlinge nach ihrem Abschluss abgeschoben werden.

„Wir haben noch eine echte Herausforderung vor uns“

Von Jänner bis Mai wurden in Österreich rund 21.800 Asylanträge gestellt, das sind deutlich mehr als in den Vorjahren. Der Wiener Sozialstadtrat rechnet in absehbarer Zeit nicht mit einem Rückgang: „Ehrlich gesagt befürchte ich, dass wir die Folgen des Krieges in der Ukraine, des Weizenmangels besonders für Länder in Afrika, nächstes Jahr – in ganz Europa, nicht nur in Österreich und nicht nur in Wien. Und da haben wir noch eine echte Herausforderung vor uns.“

In Flüchtlingslagern in Syrien und im Libanon etwa werde die Versorgung von Flüchtlingen immer schwieriger, sagte Hacker gegenüber Vienna Today. Hier sollte die EU unterstützen, aber es passiert zu wenig. „Die Folge ist, dass diese Flüchtlinge nach Europa zurückgekehrt sind, weil die Situation dort nicht tragbar ist.

Deutlich mehr Flüchtlinge in Wien

Laut Hacker erfüllt Wien derzeit 160 Prozent seiner Flüchtlingsunterkunftsquote – im Vergleich zu anderen Bundesländern. Eine Finanzierung aller Kosten wird dringend benötigt. Mit dem Innenminister wird seit Monaten darüber diskutiert, aber die Gespräche verlaufen gut: „Ich gehe davon aus, dass wir im Sommer ein klares Modell mit Tarifen haben werden, die die Kosten vollständig decken“, so der Gemeinderat. Es kann dann in allen Bundesländern im Bau von Stadtteilen nachgeholt werden.

Auch in Wien werden Flüchtlingsquartiere sukzessive ausgebaut, „in sehr starker Abstimmung mit den Bezirken“, betonte Hacker. Dabei wird auf eine gleichmäßige Verteilung in der Stadt und auf möglichst kleine Quartiere geachtet. Nach wie vor sind 60 Prozent der Flüchtlinge in Privatunterkünften untergebracht.