Germany

ÖAMTC: Ökobilanz zeigt volle Bilanz der Auto-Treibhausgase (+ Foto, + Grafik)

E-Autos sind noch nicht CO2-neutral – große Verbrennungsmotoren sind besonders klimaschädlich

Wien (OTS) – Der ÖAMTC und seine Partnerclubs haben 2019 damit begonnen, aktuelle Fahrzeuge im Rahmen des Green NCAP auf Umweltfreundlichkeit zu prüfen. Seitdem haben mehr als 60 Fahrzeuge Prüfstands- und Straßenmessungen bestanden und wurden hinsichtlich der Treibhausgasemissionen (THG) in Bezug auf CO2-Äquivalente (CO2, N2O, CH4), Schadstoffemissionen und Fahrenergieverbrauch bewertet. „Früher haben wir die Fahrzeuge im Kampf kontrolliert. Das ändert sich ab sofort, denn jetzt wird jedes Auto, das Green NCAP-Messungen unterzogen wird, auch einer Lebenszyklusanalyse unterzogen“, erklärt Max Lang, Fahrzeug- und Umweltexperte beim ÖAMTC. „Dies ist ein wichtiger Schritt, um die tatsächlichen Treibhausgasemissionen abzubilden, indem beispielsweise die Erzeugung der Batterie im Elektroauto und die Bereitstellung von Kraftstoff oder Energie berücksichtigt werden.“

Wie üblich decken die Untersuchungen die neusten Modelle auf dem Markt ab. Für eine vollständige Überprüfung wurden jedoch alle 61 Fahrzeuge, die den Green NCAP zwischen 2019 und 2021 bestanden haben, nachträglich einer Lebenszyklusanalyse (LCA) unterzogen. Details: www.greenncap.com oder www.greenncap.com/press-releases/lca-how-sustainable-is-your-car

Egal welche Art von Antrieb – hängt von der Masse und dem elektrischen Gemisch ab

Zu beachten ist, dass vor jeder LCA gewisse Annahmen auf Basis von Erfahrungswerten getroffen werden müssen. Für die vorliegende Studie, z.B. B. Es wird von 15.000 Kilometern pro Jahr und 16 Jahren Lebensdauer pro Auto (bzw. Batterie bei Elektrofahrzeugen) ausgegangen. ÖAMTC-Experte Max Lang benennt die wichtigsten Schlussfolgerungen aus den aktuellen Untersuchungen (auch grafisch abrufbar unter www.oeamtc.at/presse):

* Die Emissionen, die ein Fahrzeug – unabhängig von der Antriebsart – während der Produktion und im Fahrbetrieb verursacht, sind stark masseabhängig. In der Kompaktklasse bedeutet dies beispielsweise, dass der rein elektrische VW ID.3 über seinen Lebenszyklus durchschnittlich 35 Tonnen CO2-Äquivalente an Treibhausgasen verursacht, bezogen auf den EU-Strommix. Die Plätze dahinter in dieser Klasse belegen der Plug-in-Hybrid (Toyota Prius 1.8, rund 40 Tonnen) sowie die Erdgasmotoren Seat Ibiza 1.0 TGI und Diesel (Skoda Octavia 2.0 TDI), jeweils mit CO2-Äquivalenten von rund 42 Tonnen. Aufgrund des geringeren Kraftstoffverbrauchs liegen beide noch deutlich vor dem Benziner (BMW 118i, ca. 53 Tonnen).

* Auch bei den Antriebsarten können die Unterschiede groß sein: Elektro-Lkw wie der Ford Mustang Mach-E produzieren über die Lebensdauer des Autos mehr CO2-Äquivalente als so mancher Kompakt-Diesel. Natürlich gilt für alle Geräte: Je kleiner die Masse, desto weniger Treibhausgase. Große Brenner wie z B. Land Rover Discovery Sport D180, der trotz der etwas geringeren Masse in Sachen Treibhausgasemissionen deutlich vor dem Mustang Mach-E liegt.

* Einflussfaktor Strommix: Die Treibhausgasemissionen, die ein Elektroauto während seiner Existenz verursacht, hängen auch davon ab, wie der zum Laden verwendete Strom erzeugt wird. Das Beispiel VW ID.3 zeigt, dass dieses Fahrzeug im aktuellen EU-Strommix rund 35 Tonnen CO2-Äquivalente produziert – davon entfallen rund 15 Tonnen auf das Laden. Wenn man nur österreichischen Strom zum Laden verwenden könnte, würden die Treibhausgasemissionen für die Energieversorgung auf etwa 10 Tonnen reduziert. Dies ist jedoch nicht ohne Weiteres möglich, da Sie den EU-weit produzierten Strom immer aus dem allgemeinen Netz beziehen. Eine Möglichkeit, dies zu verhindern, ist das Laden über eine private oder öffentliche Photovoltaikanlage, die nicht an das allgemeine Stromnetz angeschlossen ist.

* Externe Faktoren wie Fahrstil und Wetterbedingungen können einen starken Einfluss auf die Treibhausgasemissionen haben. Aber auch hier gibt es Unterschiede zwischen den Antriebsarten: Während es bei einem Verbrennungsmotor relativ wenig Unterschied macht, wie niedrig oder warm die Umgebungstemperatur ist, kann ein Elektroauto bei Minusgraden doppelt so viel Energie verbrauchen. Besonders deutlich sind die Unterschiede bei Plug-in-Hybriden: Beim VW Golf GTE etwa verachtfachen sich die Emissionen bei Kälte und leerer Batterie im Vergleich zum sparsamen Fahren bei angenehmen Außentemperaturen und vollgeladener Hybridbatterie.

Bis E-Autos CO2-neutral werden, wird es noch dauern

Für den ÖAMTC-Experten ist klar, dass E-Mobilität ein wichtiger Puzzlestein ist, wenn es darum geht, die Treibhausgasemissionen des Straßenverkehrs zu reduzieren. „Lebenszyklusanalysen bestätigen zudem, dass Elektroautos sehr umweltschonend betrieben werden können. Das ist eine positive Sache – man sollte aber nicht unter den Tisch kehren, dass ein komplett CO2-neutraler Betrieb unter den aktuellen Bedingungen nicht so einfach ist, wie man vielleicht denkt“, erklärt Lang Beim Betrieb von E-Autos tut sich was: Strom muss nicht nur in Österreich, sondern EU-weit umweltfreundlicher gemacht werden, und es muss deutlich gemacht werden, dass E-Fahrzeuge auch einen enormen Umweltnachteil haben, je größer sie sind sind.“

Die Ökobilanz macht aber auch deutlich, dass Verbrennungsmotoren – betrachtet man den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs auf Basis des aktuellen EU-Strommixes – nicht so weit hinter Elektroautos zurückliegen, wie man meinen könnte. „Wenn Verbrennungsmotoren mit alternativen, biogenen Kraftstoffen aus Ökostrom betrieben würden, wäre das Rennen noch enger. Aus Sicht des Mobilitätsclubs kann die einzige Lösung, um die Klimaziele rechtzeitig zu erreichen, nur Offenheit gegenüber unterschiedlichen Technologien sein“, so der ÖAMTC-Experte.

Hinweis an die Redaktion: Fotos und Grafiken zu diesem Beitrag stehen unter www.oeamtc.at/presse zum Download bereit. Alle Mobilitätsclub-Tests finden Sie unter www.oeamtc.at/tests.

Fragen und Kontakte:

ÖAMTC Öffentlichkeitsarbeit +43 (0) 1 71199-21218 kommunikation@oeamtc.at