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Bundeshaushalt: Lauterbach blockiert Modernisierung des Robert-Koch-Instituts

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Lauterbach blockiert die Modernisierung des Robert-Koch-Instituts

Zustand: 08:05 Lesezeit: 3 Minuten

RKI-Chef Lothar Wheeler (links) und Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) bei einer Pressekonferenz im Dezember 2021.

Bildnachweis: AFP / OMER MESSINGER

Das Gesundheitsministerium weigert sich, lang geplante RKI-Modernisierungsprojekte zu finanzieren. Sie müssen beispielsweise die Gesundheit der Bevölkerung besser widerspiegeln. Aber das Institut durfte nicht einmal den Finanzbedarf des Ministeriums vorlegen.

Das Bundesgesundheitsministerium unter Karl Lauterbach (SPD) hat die Finanzierung mehrerer Reformvorhaben des Robert Koch-Instituts (RKI) abgelehnt. Laut WELT AM SONNTAG hat das Ministerium seine nachgeordnete Stelle in den letzten Wochen inoffiziell darüber informiert, dass die Bundesregierung kein Geld für die Umsetzung mehrerer bereits vorbereiteter Pläne für Projekte zur Modernisierung der Stelle bereitstellen wird.

Entsprechende Zusagen wurden jedoch bereits in der vorangegangenen Legislaturperiode gemacht. Für andere Reformvorhaben stellt das Ministerium nur einen Teil der vom RKI beantragten Mittel bereit.

Das Robert-Koch-Institut plant, modernere Arbeitsprozesse aufzubauen. Während der Corona-Pandemie zeigte sich, dass das Institut mit teilweise veralteten Methoden arbeitete und daher nur einen eingeschränkten Überblick über die Eckdaten der Pandemie geben konnte.

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Deshalb haben der Leiter des Gremiums, Lothar Wheeler, und sein Führungsteam in den letzten Monaten daran gearbeitet, diese Mängel zu beheben. Mit Unterstützung des damaligen Gesundheitsministers Jens Spahn (CDU) wurden mehrere Reformvorhaben angestoßen.

Wieler hat dafür neue Strukturen aufgebaut und hochrangige Experten an Bord geholt, darunter die Forscherin Katarina Ladewig, die seit November vergangenen Jahres im brandenburgischen Wildau ein Zentrum für künstliche Intelligenz für das RKI aufbaut.

Auch der Psychologieprofessor Michael Bosnjak muss das Gesundheitsmonitoring des Instituts neu organisieren, und der Epidemiologe Linus Grabenchenrich muss die digitalen Projekte der Regierung in einer neu geschaffenen Einheit namens Forschungsmethode und Infrastruktur zusammenführen.

Die Pläne wurden monatelang vergebens ausgearbeitet

Ende März hat das RKI dem Gesundheitsministerium ein strategisches Dokument vorgelegt. Darin erklärt sie, wie sie künftig die Gesundheit der Bevölkerung untersuchen will, um Maßnahmen für eine bessere Versorgung herauszuarbeiten. Das 100-seitige Dokument ist für WELT AM SONNTAG erhältlich. Während der Corona-Pandemie sei deutlich geworden, dass dem RKI wichtige Möglichkeiten fehlten, die Gesundheit der Bevölkerung darzustellen.

Dieses Defizit muss durch die Panel-Infrastruktur behoben werden: Etwa 100.000 Menschen im Land müssen regelmäßig zu gesundheitlichen Aspekten wie der Ausbreitung von Long Covid und Volkskrankheiten befragt werden. Geplant waren sowohl Kurzzeit- als auch Langzeitstudien. Mit dem Wegfall der Förderung durch das Ministerium steht dieses Projekt kurz vor dem Abschluss, so dass seit Monaten vergebens an Plänen dafür gefeilt wird.

Laut WELT AM SONNTAG hat das RKI zudem den zusätzlichen Finanzbedarf für 100 neue Stellen für Modernisierungsvorhaben beim Gesundheitsministerium angemeldet. Diese soll jährlich rund sieben Millionen Euro betragen und ab 2023 umgesetzt werden. RKI führt aus, dass auch die gesetzlichen Aufgaben des Gremiums laufend auf diese Weise finanziert werden müssen. Bisher hält sich der Körper von Jahr zu Jahr an Geldern fest.

Wheeler wurde nicht zum Dienst eingeladen

Laut WELT AM SONNTAG hatte das Robert-Koch-Institut in diesem Jahr kaum Gelegenheit, seinen Finanzierungsbedarf gegenüber dem Gesundheitsministerium zu begründen: Während Wieler in den Vorjahren mit Experten über den Etat des Ressorts sprechen durfte, wurde er dazu nicht eingeladen dieses Jahr. Der Haushaltsausschuss des Bundestages berät derzeit über den Bundeshaushalt 2022, der Anfang Juni vom Parlament im Plenum beschlossen werden soll. Bis dahin sind Anpassungen möglich.

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Das RKI wollte die Vorgänge nicht kommentieren. Es handele sich um “voraussichtliche und voraussichtlich noch nicht abgeschlossene interne Entscheidungsprozesse”, zu denen keine Angaben gemacht werden könnten. Redaktionelle Fragen beantwortete das Ministerium nicht.

Vor rund einem Jahr ergab eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag, dass dem RKI und anderen nachgeordneten Gremien des Gesundheitsministeriums mehr als 100 IT-Experten fehlen, die unter anderem zur Bewältigung der Pandemie benötigt werden. Die Regierung sagte dann, sie plane, die Arbeitsplätze zu erhöhen.

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