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Kronensperre: Chinas Zensurapparat gerät außer Kontrolle

In der Metropole Shanghai zerschlugen sich die Hoffnungen auf ein Ende der Ausgangssperre in ferner Zukunft. Die Einwohner sperrten sich noch enger ein – und schäumten.

Peking. Vor kurzem ist etwas passiert, was in China nur alle paar Jahre passiert: Die technologischste Zensurmaschine der Welt hat die Kontrolle über Informationen vollständig verloren. Einwohner Shanghais haben das Video millionenfach geteilt, versteckt hinter QR-Codes und in immer wieder neu angeordneten Formaten. Die Zensur kam bei diesem Katz-und-Maus-Spiel mit der Löschung nicht zurecht. Eine durchgesickerte Notiz des Staatsapparats besagt, dass 400 Millionen Menschen am Samstag kurz nach Mitternacht auf ein Video mit dem Titel „The Sound of April“ geklickt haben.

Es zeigt nüchterne Luftbilder in Schwarz-Weiß, eine Geisterstadt, die zum Stillstand gezwungen ist: Die hochmodernen Geschäftsviertel der Wirtschaftsmetropole wirken nur noch wie die Kulisse eines antiutopischen Thrillers aus der Endzeit. Die Bilder werden von Audioaufnahmen von leidenden Bevölkerungsgruppen begleitet – hungernd, eingesperrt und verzweifelt. „Am Anfang hatte ich Angst vor dem Virus. Aber dann wurde mir klar, dass Viren dich nicht töten, aber Hunger dich tötet“, sagte ein Bewohner des Videos.