Jean-Claude Galli und Peter Padrut
Nach der Hiobsbotschaft vom Dienstag mit dem völlig überraschenden Abgang von Chef Franz Fischlin, 59, steht SRF unter Druck: Für das wichtigste Nachrichtenformat des Fernsehsenders wird ein neues Gesicht gesucht. Die Suche hat bereits begonnen, gestern wurde die Stelle extern ausgeschrieben.
Gefragt sei eine „selbstbewusste Person mit Ausstrahlung“, die „eloquent und kompetent durch die Programme führt“ und die Form nach außen „präsentiert“. Und das ist nicht die einzige Stelle im Bereich Nachrichtenmoderation: Auch die Stelle von Franziska Egli (37) bei «10vor10» ist noch offen, das Anforderungsprofil dort ist ähnlich.
Der Abgang von Franz Fischlin
Intern gibt es Personen mit einer ähnlichen Situation wie Franz Fishlin, die aber wie Sandro Broz (52) in „Arena“ oder Arthur Honeger (43) in „10vor10“ stark mit ihren Formaten verbunden sind, was einen Wechsel unwahrscheinlich macht. Naheliegender wäre es, die aufstrebenden Persönlichkeiten mit dem Post „Tagesschau“ aufzuwerten. Obwohl die Stellenausschreibung geschlechtsneutral formuliert ist, hat der Mann durch das bestehende Trio Cornelia Boes (46), Andrea Wetsch (46) und Florian Inhauser (54) einen Vorteil in Sachen Gleichberechtigung.
Das innere Karussell
Aktuell ist kein großer Fang oder absoluter Überflieger zu erkennen. Unveränderte Chancen werden Universal Mario Grosniclaus (45) zugeschrieben, der bereits Erfahrung bei der „Tagesschau“ hat und Teil des Führungsteams der einheimischen Redaktion ist. Pascal Schmitz, 36, kannte das Publikum als Moderator des Vorabends der Tagesschau. Überraschend wäre der Wechsel von Mario Toriani, 46, der für Switzerland News eine solide Figur ist. Brüssel-Korrespondent Michael Rauchenstein, 32, konnte auf seine internationalen Einblicke verweisen.
Bei den Frauen wird der Sprung von Bundeshaus-Korrespondentin Natalie Kristen, 51, die ebenfalls live dabei ist, schon länger erwartet. Monica Schönenberger (51) und Vasiliki Guziomitros (43) haben langjährige Erfahrung in der Mittags- und Vorabend-“Tagesschau”. Vielversprechend für die Zukunft ist die «Switzerland News»-Frau Ocean Galmarini (29), für die der Wechsel sehr früh kommen wird.
Franz Fischlin wird 60: „Das Informationsbedürfnis ist groß“ (00:47)
seltsame Seen
Da nicht nur eine Koryphäe wie Fishlin ersetzt werden muss, ist die Hauptausgabe der Tagesschau auch die Nachrichten-Königsdisziplin mit entsprechendem Erwartungsdruck. Deshalb werde SRF ausländische Seen intensiv beobachten, sagen Privatverteiler in wichtigen Städten. Fabien Bamert (34), der 2020 von Tele 1 zum SRF kam, bewies, dass Regionalvertreter durchaus den Sprung auf die grosse Bühne schaffen können. Bei TeleZüri beispielsweise zeichnen sich Patricia Zuber, 37, und Oliver Steffen, 47, längst durch Routine aus. Die Konstante bei TeleBärn ist Michelle Bernhard (37).
Allerdings wird oft gesagt, dass SRF-Leute zu Privatunternehmen gehen, weil sie dort mehr verdienen; Umgekehrt erschwert dies andere Entscheidungen als SRF. 2011 verriet Franz Fischlin im Blick-Interview seine Gehälter. Damals verdiente er bei 90 Prozent Pensum rund 7500 Franken im Monat. Seitdem dürften die Anflüge nicht viel zugenommen haben. Reicht dieser Köder aus, um auf eine äußere obere Figur zu fischen?
Der Abgang von Franz Fischlin
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