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Jetzt wird die nächste Krone des Chaos gesetzt

Das passt den Kantonen überhaupt nicht! Die neusten Pläne des Bundesrates dürften nicht nur viel Geld kosten. Vor allem fürchten sie das nächste Kronen-Chaos.

Da die meisten Bestimmungen des Covid-19-Gesetzes Ende Jahr auslaufen, will der Bundesrat die Verlängerung der einzelnen Punkte bis Mitte 2024. Letztlich könnte im Herbst die nächste Krönungswelle kommen.

Um den Überblick über das Geschehen in der Pandemie zu behalten, muss der Staat weiterhin die Kosten für Tests auf Covid tragen. Aber: Ab 2023 müssen die Kantone dafür aufkommen – und auch für ausreichende Vorräte sorgen, schlägt der Bundesrat vor.

Denn für die Landesregierung sind Tests für den Schutz der Schwachen und das Funktionieren der Gesundheits- und Basisinfrastruktur unerlässlich. Nun aber müssen die Kantone selbst entscheiden können, welche Tests sie bezahlen. Die Bundesregierung will nur Empfehlungen aussprechen.

Empfehlungen an die Bundesregierung: BAG soll in der nächsten Krise besser abschneiden (01:30)

Die Kantone haben Angst vor dem Flickenteppich

Einige Kantone befürchten nun, dass dieser Schritt zu einem Flickenteppich führt. «Ich teile die Befürchtung, dass dieser Entscheid die bisherige erfolgreiche Teststrategie gefährdet», sagte Lucas Engelberger, Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektoren (GDK) und Basler Regierungsrat.

Künftig muss jeder Kanton selbst entscheiden, welche Tests unter welchen Bedingungen bezahlt werden. “Da müssen große Unterschiede sein”, vermutet Engelberger. Eine einheitliche Strategie für alle 26 Kantone ist kaum zu erwarten – und weil die Kompetenz oft bei den Kantonsparlamenten liegt.

Die Bekämpfung des Virus wird schwieriger

„Wenn sich die Bundesregierung so zurückzieht, sehe ich größere Probleme“, sagte GDK-Präsident Engelberger. “Das würde es erschweren, sich ein allgemeines Bild vom Infektionsgeschehen zu machen.” Damit erhält die Schweiz ein wichtiges Instrument im Kampf gegen das Virus.

Für den Bundesrat dürften die Kosten ausschlaggebend gewesen sein. Dies schlagen verschiedene kantonale Vertreter vor. „Hier sprechen wir je nach Testumfang von Kosten von rund einer Milliarde Franken“, so Engelberger. «Das wäre natürlich auch eine grosse Belastung für die Kantone.

Auch Gesundheitsminister Alain Berset (50) soll gegen den geplanten Wechsel gewesen sein, wie aus Bundesratsnahen Kreisen zu hören ist. Er wolle die Souveränität beim Bund wahren, um eine möglichst effiziente Bewältigung der Pandemie zu gewährleisten. Allerdings setzten sich kostenbewusste Regierungsmitglieder wie Finanzminister Welly Maurer, 71, durch.

Die Kantone, parlamentarischen Kommissionen und Sozialpartner haben bis am 9. Mai Zeit, zur Vorlage Stellung zu nehmen. Einen endgültigen Entscheid will der Bundesrat noch vor der Sommersession im Juni fällen.

“Ich gehe davon aus, dass die Mehrheit der Kantone gegen diese Vorlage sein wird”, sagte Engelberger. Andere glauben, dass die Ablehnung sogar einstimmig sein wird. Aber alle sind überzeugt: „Wir brauchen eine bessere Lösung.“ (db)