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Zum Ende des Zweiten Weltkriegs: Pro-Russische Aktionen werden erwartet

Stand: 07.05.2022 10:50

Am Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs erwarten die Sicherheitskräfte ein pro-russisches Vorgehen. FDP-Chef Lindner kritisierte die angekündigten Demonstrationen – und Botschafter Melnik kritisierte das Verbot ukrainischer Flaggen.

Der Verfassungsschutz rechnet am 9. Mai mit pro-russischen Aktionen im ganzen Land. An diesem Tag feiert Russland traditionell den Sieg der Sowjetarmee über Hitlerdeutschland. Dies sei „ein ideales Datum, um es für russische Propaganda zu nutzen“, sagte Thomas Haldenwang, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, der Welt am Sonntag. „An diesem Tag ist mit pro-russischen Aktivitäten wie Autoparaden und Demonstrationen im ganzen Land zu rechnen, die auch das Z-Symbol der russischen Invasionsarmee in der Ukraine zeigen könnten“, sagte Haldenwang.

Das Z-Symbol gilt als Zeichen der Zustimmung zum russischen Angriffskrieg. Der Buchstabe wird von Kriegsverteidigern verwendet und bedeutet “für den Sieg”.

„Hochemotionales Thema“

Auch Sicherheitskräfte in den Bundesländern bereiten sich auf pro-russische Demonstrationen und Aktivitäten vor, berichteten Funke-Medien unter Berufung auf eine Studie des Innenministeriums. Der Fokus dürfte daher auf Berlin und Nordrhein-Westfalen liegen. Hinweise auf eine erhöhte Gewaltbereitschaft prorussischer Demonstranten gibt es nach Angaben der Länder nicht.

Das Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen verwies unter anderem auf das “hochemotionale Thema”, weshalb Streitigkeiten nicht ausgeschlossen seien.

Erhöhte Verbreitung von Fake News

Aufgrund der Zeitverschiebung wird der 9. Mai in Russland als Tag des Sieges über Nazideutschland gefeiert. Nach Angaben der Funke-Zeitung beobachten Sicherheitskräfte am Vorabend des Volkstrauertages zunehmend die Verbreitung von Falschmeldungen im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

„Das Potenzial für Desinformation und die Verbreitung sogenannter Fake News ist für das gesamte Bundesgebiet groß“, teilten die Hamburger Innenbehörden mit. „Landesweit gibt es verstärkte Aktivitäten bei der Verbreitung von pro-russischen und anti-westlichen Geschichten und Fake News“, teilte das niedersächsische Innenministerium mit.

Lindner kritisiert die geplanten prorussischen Demonstrationen

FDP-Chef Christian Lindner hat die Ankündigung prorussischer Demonstrationen in Deutschland kritisiert. „Ich finde es schockierend, dass während des Russlandkrieges in Europa, am Tag der Kapitulation des Nazi-Regimes, Putins Anhänger diesen Tag missbraucht haben“, sagte Lindner der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Niemand sollte sich mit der kriminellen Regierung von Wladimir Putin solidarisieren“, sagte Linder. Diese Menschen müssen sich fragen, ob es im Gegenteil möglich wäre, dass Moskau für die Ukraine demonstriert.

Der ukrainische Botschafter Andriy Melnik hat die Berliner Polizei aufgefordert, Auflagen für Jubiläumsdemonstrationen und Gedenkfeiern aufzuheben. Dazu gehört beispielsweise, dass an oder in der Nähe von 15 Denkmälern und Denkmälern weder russische noch ukrainische Flaggen gezeigt werden dürfen. Melnik twitterte: „Liebe Regierende Bürgermeisterin Francesca Giffi, diese skandalöse Entscheidung der Berliner Polizei muss aufgehoben werden.“ Es war ein Schlag ins Gesicht der Ukraine und ein Schlag ins Gesicht des ukrainischen Volkes.

Uniformen und Kriegslieder sind verboten

Zu den polizeilichen Auflagen gehört auch, dass Uniformen oder Teile von Uniformen – auch in abgewandelter Form – sowie Marsch- oder Militärlieder verboten sind. Das Z-Symbol ist ebenfalls verboten. Ausgenommen von den Regelungen sind laut Polizei jedoch Veteranen des Zweiten Weltkriegs, Diplomaten sowie Vertreter und Delegationen von Staaten.

Die Berliner Polizei will die geplanten Demonstrationen und Gedenkveranstaltungen mit einem Großaufgebot begleiten. Etwa 3400 Polizisten sollen an diesem Sonntag und Montag im Stadtgebiet unterwegs sein, sagte ein Sprecher.

Angesichts des russischen Aggressionskrieges in der Ukraine sei mit einer “sehr heiklen Risikolage” zu rechnen. Es gelte, das würdige Gedenken an Mahn- und Gedenkstätten zu schützen – und gleichzeitig der „Instrumentalisierung des Erinnerns“ vorzubeugen, sagte Polizeipräsidentin Barbara Slovik.