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Ampelpartner auf Distanz: Eine Kritik an Wissings Plänen für ein E-Auto

Stand: 09.05.2022 21:16

Der Vorschlag des Verkehrsministers Vissing, die Prämie für den Kauf von Elektroautos zu verlängern, stieß auf Kritik. Nicht nur das von den Grünen geführte Wirtschaftsministerium und die PSD distanzieren sich.

Die Pläne von Bundesverkehrsminister Volker Vissing, die Prämien für den Kauf von Elektroautos zu verlängern und auszuweiten, stoßen sowohl bei der Ampelkoalition als auch bei Umweltverbänden auf Kritik. Das Bundeswirtschaftsministerium unter Leitung des Grünen-Politikers Robert Habeck betonte nach Bekanntwerden der Pläne, dass das Klimaschutz-Sofortprogramm mit Einzelmaßnahmen aller Ressorts sowie die Begutachtung der Auswirkungen des Klimaschutzes noch abgestimmt würden Ministerien. “Deshalb gibt es noch keine endgültigen Vorschläge.” Klar sei: „Wir müssen in allen Bereichen aufholen, um unsere Klimaschutzziele zu erreichen.“

Der dritte Koalitionspartner, die PSD, geht noch weiter auf Distanz. Detlef Müller, stellvertretender Vorsitzender der PSD-Fraktion, kritisierte Vissings Vorschläge als „unausgegoren“. Stattdessen forderte Müller mehr Investitionen in den Schienenverkehr. Vissings Vorschläge seien “vom Koalitionsvertrag nicht gedeckt, und es sei auch nicht darüber diskutiert worden, von den bisherigen Vereinbarungen abzuweichen”, sagte er dem SPIEGEL.

Kritik an „Kundenpolitik der FDP“

Mehrere Umweltverbände widersetzten sich der Wissing-Initiative. BUND-Vorsitzender Olaf Band kritisierte die Pläne vor dem Deutschen Redaktionsnetzwerk als “Klientelpolitik der FDP”. Statt den Autokauf zu fördern, sei es besser, „mit weniger Autos in neue Mobilität zu investieren“, erklärte er. Auch Greenpeace-Verkehrsexperte Tobias Austrup bezeichnete die Pläne als „ein extrem teures Geschenk für die Autoindustrie“. Für den Klimaschutz würden sie dagegen “fast nichts” bringen.

Der Leiter der Bundesumwelthilfe (DUH) Jürgen Rech bezeichnete die Pläne als “absurd”. Das Projekt wird nur etwa vier Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einsparen. Durch das Tempolimit von 100 Stundenkilometern auf der Autobahn könnten dagegen 9,2 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden.

Pläne für eine neue Abwrackprämie

Zuvor hatte das Handelsblatt berichtet, Wissing habe das Projekt für ein Klimaschutz-Sofortprogramm von mehreren Forschungsinstituten in einem Gutachten bewertet. Sie plant, die Prämie für den Kauf von Elektrofahrzeugen mit sauberer Batterie oder Brennstoffzellenfahrzeugen bis 2027 zu verlängern.

Wer ein Auto mit einem maximalen Kaufpreis von 40.000 Euro kauft, soll den Plänen zufolge statt bisher 6.000 Euro einen Zuschuss von 10.800 Euro erhalten. Hinzu kommt ein Zuschuss der Hersteller in Höhe von 3.000 Euro, den sie ebenfalls bis 2027 weiter leisten müssen. Für teurere Fahrzeuge bis 60.000 Euro plant das Ministerium einen Bonus von 8.400 Euro statt der bisher versprochenen 5.000 Euro.

Ab der zweiten Jahreshälfte 2023 müssen Käufer ein mindestens elf Jahre altes Auto mit Verbrennungsmotor verschrotten, um noch die volle Förderung zu erhalten. Der Wert der Schrottprämie kann laut Handelsblatt bei rund 1.500 Euro liegen. Beide Prämien sollen ab 2025 sinken und “bis zu 73 Milliarden Euro” kosten, heißt es in dem Bericht.

Wissing und das Ministerium reagierten

Wissing selbst kündigte heute Abend auf Twitter an, weder eine „Abwrackprämie“ noch eine höhere Prämie für den Kauf von E-Autos zu wollen. „Der Übergang zur klimaneutralen Mobilität muss durch Marktanreize gelingen“, schrieb der Minister. „Ich will keine Abwrackprämie oder eine höhere Prämie für den Kauf von Elektrofahrzeugen.“

Das Verkehrsministerium betonte, die Vorschläge seien “mögliche Optionen, wie Klimaschutz betrieben und gleichzeitig Fahrverbote sowie Steuer- und Abgabenerhöhungen vermieden werden können”. Keine dieser Maßnahmen „ist noch beschlossen, noch ist klar, ob die Bundesregierung sie beschließen wird“. Zu den Einzelheiten der vom Handelsblatt angekündigten Vorschläge äußerte sich das Ministerium nicht.

Fördern Sie weiterhin Plug-in-Hybride?

Anders als Bundeswirtschaftsminister Habek will Wissing den Kauf von Plug-in-Hybriden bis 2024 weiter fördern, nicht in diesem Jahr beenden. Er will den Zuschuss halbieren, auf 2.250 oder 1.875 Euro, je nach Kaufpreis. Laut Koalitionsvertrag müssen alle Anschaffungszuschüsse 2025 auslaufen. Der Koalitionsvertrag sieht vor, dass der Zuschuss bis dahin kontinuierlich abgebaut wird.