Germany

3 Gründe, warum Kryptowährungen stark fallen

Die Aktienmärkte sind turbulent. Die Indizes der wichtigsten Aktienmärkte kennen mindestens einen Monat lang nur eine Richtung: nach Süden. Das gilt auch für Bitcoin und Co., Krypto-Anleger brauchen jetzt starke Nerven beim Blick auf die Preise.

Vor allem am Donnerstag sollte es ein herbes Erwachen geben: Bitcoin fiel auf den tiefsten Stand seit fast anderthalb Jahren. Der Tiefpunkt wurde um 7 Uhr morgens erreicht, als die digitale Währung unter 26.000 US-Dollar fiel. Zum Vergleich: Vor einem halben Jahr wurde Bitcoin noch bei über 64.000 US-Dollar gehandelt.

Bitcoin zu US-Dollar: Entwicklung ab 2017

Bild: Google Finanzen

Bitcoin zu US-Dollar: Entwicklung im letzten Jahr

Bild: Google Finanzen

Dieser Einbruch zeichnet sich dadurch aus, dass Kryptowährungen wie Bitcoin und Co. wurden von vielen als eine von den Finanzmärkten unabhängige Währung bezeichnet. Wenn sich die junge Währung auf lange Sicht noch einigermaßen stabilisiert, hofften wir, dass sie als Versicherung gegen gemeinsame Investitionen dienen könnte – eine Art „digitales Gold“.

Alle großen Aktienmärkte sind zuletzt stark gefallen, aber Kryptowährungen trifft es gerade jetzt besonders hart, nicht zuletzt wegen ihrer anhaltend hohen Volatilität, also ihren starken Schwankungen. Viele argumentieren, dass die Hoffnung auf den Titel „digitales Gold“ bisher zerfressen werden musste. Doch was sind die Gründe für den Abwärtstrend? Wir erklären es Ihnen in drei Punkten:

Die Entwicklung des Zinssatzes

Anfang Mai kündigte die US-Notenbank an, die Zinsen um 0,5 Prozentpunkte anzuheben. Dies war der stärkste Zinsanstieg seit 22 Jahren. Um mit der schnell steigenden Inflation Schritt zu halten, werden auch andere Zentralbanken die Zinsen weiter erhöhen. Auch die Fed dürfte die Zügel noch stärker anziehen, da die Inflation in den vergangenen zwei Monaten über acht Prozent lag.

Grundsätzlich ist noch nicht klar, wie sich Kryptowährungen bei steigenden Zinsen verhalten werden, da die Zinsen fast ausschließlich global gesunken sind, seit es Währungen gibt. Daher fehlen Erfahrungswerte. Die Tatsache, dass Kryptowährungen bei steigenden Zinsen an Wert verlieren, ergibt nach ökonomischer Logik Sinn:

Unsichere Anlagen – wie Kryptowährungen – werden unattraktiv, wenn die Zinsen steigen. Der Grund: Wer mit Geldanlagen Geld verdienen will, kann das jetzt besser mit sogenannten Festzinsanlagen – also. mit verzinslichen Anlagen. Bei sehr tiefen oder gar negativen Zinsen macht das weniger Sinn, da gibt es fast nichts zu gewinnen.

Mit Bitcoin-Spekulationen lässt sich viel Geld verdienen – sicher ist das aber (noch) nicht. Bild: Schlussstein

Auf der anderen Seite sind riskante Anlagen wie Kryptowährungen beliebt, wenn die Zinsen niedrig sind. Sie werden nicht verzinst, aber mit starken Kursschwankungen lässt sich viel Geld verdienen (vorausgesetzt, man kauft und verkauft zum richtigen Zeitpunkt). Wenn die Zinsen steigen – so wie jetzt – kann es sich für viele lohnen, das Geldverdienen mit Kryptowährungen einzustellen und stattdessen mit sichereren Anlagen Geld zu verdienen, die regelmäßig Zinsen zahlen.

Krieg und Unsicherheit

Eine solche ökonomische Logik gilt in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit. Russlands aggressiver Krieg in der Ukraine verursacht auch viele Gefahren in der Geschäftswelt, von Lebensmittelknappheit und Ölmarktturbulenzen bis hin zu Fonds, die auch russische Wertpapiere enthalten.

Als Folge des Krieges wurde Getreide wie Weizen knapp. Bild: sda

In solchen Zeiten wollen Börsenmakler auch riskante Investitionen vermeiden. Dies ist derzeit an den stark rückläufigen Aktienmärkten zu beobachten. Und da Kryptowährungen zuletzt mit den Aktienkursen Schritt halten – nicht, wie erhofft, ein digitaler „sicherer Hafen“ sind – steigen die Kurse von Bitcoin und Co. fallen auch in Tage der Ungewissheit.

Überschätzung

Der oben erwähnte Schritt, Kryptowährungen mit Aktienmärkten zu koppeln, gilt aktuell insbesondere für Technologieaktien: Steigten die Aktienkurse, stieg tendenziell auch der Kurs der Kryptowährungen – und umgekehrt. Kryptowährungen scheinen also Investoren wie die Technologiebranche anzuziehen. Und auch Technologieaktien sind derzeit stark betroffen.

Mehr zum Börsencrash und Krypto:

Ein Grund: Viele davon werden wohl überbewertet. Technologieunternehmen sind gewachsen, obwohl viele noch keine Gewinne erzielt haben. In unsicheren Zeiten überdenken viele Anleger ihre Entscheidungen und setzen lieber auf Profitabilität.

Anfang März, zu Beginn des Krieges, schien es Bitcoin gut zu gehen. Damals wurde jedoch spekuliert, dass russische Investoren den Kryptomarkt nutzen könnten, um Sanktionen zu umgehen. Das macht Sinn, da Bitcoin in der Zeit, als Russland von Swift und damit vom internationalen Zahlungsverkehr ausgeschlossen war, wieder gestiegen ist. Aber wenn die Währung so stark an Wert verliert, dürften viele dieser Investoren fliehen.

Mehr zu Kryptowährungen:

Möchten Sie Bitcoin kaufen? Dann schauen Sie sich zuerst dieses Video an

Das könnte Sie auch interessieren:

Öl und Gas haben keine Zukunft. Fossile Brennstoffe werden verschwinden, da kohlenstofffreie Technologien und Richtlinien wie Governance und Regulierung die Energiewende ermöglichen. Das sagt ETH-Professor Anthony Pat.

Würden alle Menschen wie die Schweizer leben, wären alle Ressourcen am Freitag verbraucht. Die Nutzung fossiler Brennstoffe ist dabei ein wesentlicher Bestandteil. Die Menschheit wird in Zukunft auf fossile Energie verzichten müssen, um den Klimawandel zu bremsen. Das geht nur mit CO2-freien Technologien, wie Autor Anthony Pat von der ETH Zürich im neusten Teilbericht des Weltklimarates IPCC feststellt.