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Hohe Verluste für die FDP

In den Wochen vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen sieht es nicht gut aus für die FDP, aber sie ist sich ziemlich sicher: Sie wird wohl wieder in den Landtag einziehen, aber mit einem Ergebnis deutlich unter zwölf Prozent der Vorwahl . Der frühe Sonntagnachmittag sieht noch nach einem solchen Wahlergebnis aus, geht dann aber schnell und steil auf fünf Prozent runter. Am Abend muss sich die FDP zunächst um die Rückkehr in den Landtag kümmern.

Mehr als eine Stunde waren die Wahllokale geschlossen, bevor sich Parteivorsitzender Christian Lindner öffentlich zu Wort meldete. Er sprach von einer „katastrophalen Niederlage“ für seine Partei. Dabei kam ihr nicht zugute, dass sie Co-Managerin in Düsseldorf war. „Das ist ein sehr trauriger Abend für uns.“ Er erinnert sich an seine Kandidatur in Nordrhein-Westfalen 2012 und 2017 und sagt, er denke jetzt an seine Kollegen. „Viel Spaß!“, ruft er ihnen zu. “Freie Demokraten gewinnen gemeinsam und verlieren gemeinsam.” Für Lindner ist das eine besonders schwierige Situation. Er ist seit Jahren der starke Mann der FDP in der Bundesregierung und hat noch immer großen Einfluss in Nordrhein-Westfalen.

Auch die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestages, Marie-Agenz Strack-Zimmermann (FDP), meldete sich am Vorabend der Wahl zu Wort und machte zuletzt mit scharfer öffentlicher Kritik am sozialdemokratischen Bundeskanzler Olaf Scholz auf sich aufmerksam. Um das schlechte Abschneiden ihrer Partei zu rechtfertigen, sagt sie, dass es bei einer so starken Polarisierung zwischen zwei Menschen wie jetzt in Nordrhein-Westfalen, zwischen CDU-Spitzenkandidaten Hendrik Wust und SPD-Chef Thomas Kuchati, „immer schwierig“ sei FDP. Strack-Zimmermann bezeichnete die Politik der FDP als “objektiv gut”. FDP-Spitzenkandidat Joachim Stump spricht von einer „bitteren Niederlage“, mit der „rücksichtslos“ umgegangen werden müsse. „Weiter so“ kann es nicht geben.

Landtagswahl Nordrhein-Westfalen 2022

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Für alle Parteien sind Landtagswahlen im bevölkerungsreichsten Bundesland auch für ihr bundespolitisches Gewicht wichtig. Für die heutige FDP gilt das aber noch mehr als für alle anderen. Zwei der vier FDP-Mitglieder der Bundesregierung kommen aus Nordrhein-Westfalen, Finanzminister Christian Lindner und Justizminister Marco Buschmann. Da Lindner auch Parteivorsitzender ist und der neu gewählte Generalsekretär Bijan Jir-Sarai ebenfalls aus Nordrhein-Westfalen stammt, dominieren auch Kader aus dem großen Bundesland die Parteiführung. Der Fraktionsvorsitzende Christian Dürr kommt zwar aus Niedersachsen, aber gleich dahinter der aus – rechts – Nordrhein-Westfalen stammende Parlamentarische Staatssekretär Johannes Vogel.


In Düsseldorf regierte die FDP relativ ruhig mit der CDU. Die schwarz-gelbe Koalition überlebte auch die Ablösung von CDU-Ministerpräsident Armin Laschet durch seinen Nachfolger Hendrik Wust. Offenbar fühlten sich die Freien Demokraten auf der Seite der CDU wohl. Als die FDP im Herbst nach neunjähriger Pause wieder in die Bundesregierung eintrat, erweckte sie zunächst den Eindruck, als sei das Ampelbündnis mit SPD und Grünen ein Zufall gewesen. Das liegt aber auch daran, dass die Union durch jahrelange innere Zerwürfnisse so gelähmt ist, dass jeder mögliche Verbündete an ihrer Stabilität zweifeln musste. Ebenso die FDP.

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Doch schnell wurde klar, dass die ursprünglich aufgeblasene Ampelallianz keine Traumkonstellation war. Nicht für die FDP. Das Knirschen zwischen dem rot-grünen Teil auf der einen und dem gelben Teil auf der anderen Seite wurde schnell unzweifelhaft. Das erste große Thema, bei dem dies deutlich wurde, war der Kampf gegen die Pandemie. Mit ihrem Aufruf zum Tag der Freiheit, bei dem die meisten Schutzmaßnahmen am 20. März aufgehoben werden sollten, zog die FDP ihre beiden Koalitionspartner heraus. Nach der ersten Einigung als Reaktion auf den russischen Angriff auf die Ukraine suchen zumindest Teile der FDP den Streit mit der Kanzlerin, vor allem um Waffenlieferungen an die Ukraine. Der lautstarke Auftritt in der Bundesregierung hat in den Bundesländern keine positive Wirkung.