Stand: 21.05.2022 18:33
Ein 9-Euro-Ticket für den Nahverkehr ist in Vorbereitung – aber was ist drin? Fahrgäste, Beschäftigte und Verkehrsunternehmen sind sich einig in der Sorge, ob der ÖPNV den erwarteten Ansturm bewältigen kann.
Von Kirsten Hirschik und Daniel Pokraka, Metropolstudio ARD
Buxtehude, Niedersachsen, frühmorgens. Obwohl die S-Bahnen alle 10 Minuten fahren, ist der Bahnsteig ziemlich voll. Und viele machen sich Sorgen, wie voll es wird, wenn ab Juni „Schnupperkunden“ mit einem Neun-Euro-Ticket in die Züge einsteigen.
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Die einen hoffen, dass nicht alle gleichzeitig zur Rush Hour fahren, die anderen befürchten, dass die Gefahr einer Kroneninfektion wieder steigt. Es ist an sich schon toll, dass viele bald weniger für den ÖPNV bezahlen müssen, aber es gibt oft Kapazitätsengpässe.
Besonders besorgt sind Vertreter des Bahnpersonals über die Überfüllung der Ausflugsstrecken am Wochenende: Thorsten Klim, Vorsitzender des Hamburger Stadtbahn-Betriebsrats, sagte: „Gutes Wetter, Ausflugsverkehr, nehmt eure Räder mit. Wir “hatten da immer Schwierigkeiten”.
Das Pfingstwochenende gilt als Härtetest
Auf regionalen Strecken sitzt neben dem Fahrer oft nur eine Person im Zug. Damit nicht genug, machen sich manche Sorgen, wenn der Zug wegen Überfüllung nicht abfahren kann, die Fahrgäste aber auch nicht aussteigen wollen. Das Pfingstwochenende vom 4. bis 6. Juni gilt als Härtetest.
Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn warnt: „In manchen Regionen müssen Sie damit rechnen, dass Sie nicht mehr in die Bahn einsteigen und Ihr Fahrrad eventuell nicht mehr mitnehmen können weil alle Fahrradsitze belegt sind.“ Damit rechnet Naumann insbesondere auf den Strecken von Hamburg nach Westerland, von Berlin an die Ostsee und auch von München in die Alpen.
Auch Zusatzzüge fehlen
Mit zusätzlichen Zügen – oder zumindest zusätzlichen Waggons – könnte dieses Problem gelöst werden. Hier und da wird es auch möglich sein, aber nicht viel mehr als im Moment möglich ist. Lars Wagner vom Verband der Transportunternehmen betont, dass die Branche bereits auf 100% Arbeit ausgelegt ist – für ein einmaliges Angebot für drei Monate, das in kurzer Zeit realisiert wird, bekommt man so schnell und oben keine weiteren Fahrzeuge alles ohne zusätzliches Personal .
Volle Züge, unzufriedene Fahrgäste – das Neun-Euro-Ticket wird keine Werbung für Busse und Bahnen, fürchten einige Bundesländer, die dem Bundesrat erst am Freitag aus Protest das Neun-Euro-Ticket zustimmen.
Eigentor für die Rückfahrt?
Der baden-württembergische Grüne Verkehrsminister Winfried Hermann befürchtet, dass ein 9-Euro-Ticket ein Eigentor im Rückwärtsverkehr sein könnte, wenn zum ersten Mal Bahnreisende auf dem Bahnsteig landen und nicht abgeholt werden, weil der Zug bereits voll ist . Um ihn zu schützen, hat sein FDP-Amtskollege aus Schleswig-Holstein, Bernd Buchholz, zusätzliche Kapazitäten bei den Verkehrsunternehmen bestellt. Es wird das Land Millionen kosten, die der Bund nicht ersetzen wird.
Auch die Grünen in der Bundesregierung machen Druck auf den Bundesverkehrsminister, bald mehr Geld für den Nahverkehr bereitzustellen, wie es der Koalitionsvertrag vorsieht. Doch Walker Wissing will erst im Herbst mit den Ländern sprechen. Die Länder befürchten nach wie vor, dass sie die Fahrpreise im Herbst deutlich anheben müssen, um Mehrkosten für die Verkehrsunternehmen etwa durch höhere Energie- und Personalkosten auszugleichen. Ob die „Probekunden“ bereit sind, diese Preise zu zahlen, bleibt abzuwarten.
Das 9-Euro-Ticket ist eines der Themen im „Bericht aus Berlin“ am Sonntag ab 18 Uhr im Ersten
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