Mehrere Länder haben Fälle von Berlin gemeldet, in denen neue Affenpockeninfektionen erwartet werden
22.05.2022, 01:38
Es werde wohl keine neue Pandemie werden, aber die Fälle von Affenpocken seien sehr ernst zu nehmen, sagt ein Infektiologe der Berliner Charité. Die Dynamik sei “ungewohnt”. Auch aus anderen Ländern wurden Fälle der seltenen Krankheit gemeldet.
Auch in Deutschland steigt die Zahl der außerhalb Afrikas gemeldeten Affenpockenfälle. Einen Tag nach der Meldung des landesweit ersten Infektionsfalls in Bayern bestätigte der Berliner Senat zwei Fälle von Affenpocken in der Bundeshauptstadt. Nach der Bestätigung sagte das Gesundheitsministerium des Senats, man könne davon ausgehen, dass “in den nächsten Tagen weitere Infektionen registriert werden”. Auch die Schweiz und Israel haben erste Infektionsfälle gemeldet, in Griechenland wurde ein Verdachtsfall untersucht.
Der Infektionsspezialist Leif Eric Sander von der Charité in Berlin warnte davor, den aktuellen Ausbruch der Affenpocken sehr ernst zu nehmen. Der Zustand der Infizierten sei demnach „stabil“. Die Ermittlungen zu möglichen Kontakten dauern an. Sie sollten über mögliche Symptome, Hygienemaßnahmen und Übertragungswege aufgeklärt werden. Die aktuelle Sequenzierung soll laut Senatsverwaltung Aufschluss darüber geben, ob es sich bei den Fällen in Berlin um ein westafrikanisches oder zentralafrikanisches Virus handelt. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind Varianten des Virus in Zentralafrika bei Affenpocken deutlich ansteckender als Varianten des Virus in Westafrika.
Nach Angaben des bayerischen Gesundheitsministers Klaus Holecek (CSU) war der erste bestätigte Fall von Affenpocken in Deutschland, der in Bayern bekannt wurde, eine westafrikanische Variante. Das ist das Ergebnis der Sequenzierung des Genoms des Virus am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München.
Die Berliner Gesundheitssenatorin Ulrike Gotte (Grüne) betonte, es gebe einen engen Austausch mit Gesundheitsbehörden, RKI, Charité und dem Bundesgesundheitsministerium, um die Bevölkerung „so weit wie möglich vor dem Affenpockenvirus“ zu schützen. Es gibt keinen Grund zur Panik, aber es gibt Grund zur Vorsicht, da viele wissenschaftliche Erkenntnisse über die Krankheit noch vorläufig sind, weil sie so selten ist. Laut Gotte schlagen Experten vor, „dass wir keine Angst vor einer neuen Pandemie haben sollten“. Allerdings müsse jetzt “schnell und konsequent” gehandelt werden.
Das RKI rechnet mit einem begrenzten Ausbruch
Sander, Direktor der Klinik für Infektiologie der Charité, erklärte, die Dynamik der aktuellen Affenpocken-Epidemie sei „ungewohnt“ und daher sehr ernst zu nehmen, bis Infektionsketten und Übertragungswege besser untersucht und effektiv unterbrochen seien. Zu den Symptomen von Affenpocken beim Menschen gehören Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und ein Ausschlag, der oft im Gesicht beginnt und sich dann auf andere Körperteile ausbreitet. Die meisten Menschen erholen sich innerhalb weniger Wochen von der Krankheit und der Tod ist selten.
Monkeypox ist eine seltene Viruserkrankung. Seit Anfang Mai 2022 wurde der Erreger erstmals in Europa von Mensch zu Mensch ohne epidemiologischen Bezug zu West- oder Zentralafrika übertragen. Es wurde auch in mehreren nordamerikanischen Ländern gefunden. Nach aktuellem Forschungsstand wird das Virus weniger von Mensch zu Mensch übertragen als beispielsweise der Erreger Covid 19 Sars-CoV-2. Für die Übertragung ist nach derzeitigem Kenntnisstand ein enger Körperkontakt erforderlich, weshalb das RKI davon ausgeht, dass Ausbrüche begrenzt bleiben werden. Daher schätzt das RKI das Risiko für die öffentliche Gesundheit derzeit als gering ein.
Die Schweiz hat ihren ersten Fall von Affenpocken im Kanton Bern bestätigt. Der Betroffene sei offenbar im Ausland mit dem Virus in Kontakt gekommen, teilten die regionalen Gesundheitsbehörden mit. Ein 30-jähriger Mann, der kürzlich mit Symptomen einer Infektionskrankheit aus Westeuropa zurückgekehrt war, wurde in Israel mit einer Affenpockeninfektion gefunden, teilte ein Krankenhaus in Tel Aviv mit. Griechische Gesundheitsbehörden haben einen Verdachtsfall eines englischen Touristen gemeldet. Er und sein Begleiter wurden deshalb in einer Klinik isoliert. Die Testergebnisse werden am Montag erwartet.
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