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Erstellt: 25.05.2022 Aktualisiert: 25.05.2022 15:58
Aus: Ulrike Pfluger-Sherb, Daria Noah, Daniel Seeger
Trennung
Das Landgericht Kassel verurteilte Meike S., die sich als Ärztin ausgab, wegen dreier Morde zu lebenslanger Haft. Nun äußert sich auch das Klinikum Fritzlar zu dem Urteil.
+++ 15.41 Uhr: Das Heilig-Geist-Krankenhaus in Fritzlar hat sich in einer Stellungnahme zum Urteil gegen Mike S. geäußert, der dort von 2015 bis 2018 tätig war. Sprecher Dirk Metz erklärte, die Vorkommnisse um den falschen Arzt hätten bei vielen große Besorgnis ausgelöst Management und Personal. Die Führung hat mehrfach tiefes Bedauern und öffentlich ihre Anteilnahme für die Betroffenen zum Ausdruck gebracht. Er sei froh, dass das belastende Verfahren für Betroffene, Angehörige und Mitarbeiter des Krankenhauses bereits beendet sei.
„Wir hoffen und wünschen uns insbesondere, dass die Angehörigen der Opfer und die durch das Fehlverhalten des Arztes Geschädigten den traurigen Kopf nach dem heutigen harten Urteil persönlich besser verarbeiten können“, so Metz weiter. Mit dem Urteil werden Taten bestraft, die auf ein hohes Maß an krimineller Tätigkeit des Angeklagten zurückgeführt werden können. Meike S. hat nicht nur die Klinik, ihre damaligen Kollegen und die Landesärztekammer getäuscht, sondern vor allem die Patienten in Lebensgefahr gebracht und – so das Gericht – getötet. Sie gab ihre Schuld nicht zu, zeigte keine Reue oder bat um Vergebung.
Als Klinik unterstützen Sie den Antrag der Deutschen Stiftung Patientenschutz nach einem zentralen Zulassungsregister bei der Bundesärztekammer. Ebenso wichtig ist die Forderung der Landesärztekammer Hessen, Voraussetzungen für den Nachweis von Urkundenfälschungen zu schaffen.
Meike S. wurde vom Landgericht Kassel verurteilt. © Welch (Archiv)
Mordprozess gegen Scheinärztin Meike S. vor Landgericht Kassel: Verteidigung will Berufung einlegen
+++ 14.01 Uhr: Die Verteidigung will das Urteil anfechten und Berufung einlegen. Besonders betonte sie die Rolle des Heilig-Geist-Krankenhauses in Fritzlar. Die damaligen Chefärzte hatten eine Aufsichtspflicht und mussten darauf achten, dass die Assistenzärztin Meike S. die Narkose nicht unbeaufsichtigt verabreichte.
Der Vorsitzende Richter Volker Mutze hat bei der Begründung der Entscheidung des Landgerichts Kassel wiederholt die Betonung der narzisstischen Persönlichkeit von Meike S. betont. S. habe sich in ihrem Handeln nur mit sich selbst beschäftigt.
Urteil gegen Scheinärztin Meike S. vor dem Landgericht Kassel
Siehe Fotogalerie
Update Mittwoch, 25. Mai, 12.40 Uhr: Das Urteil im Landgericht Kassel steht noch aus. Meike S., die übrigens wegen dreier Morde verurteilt wurde, schluchzt auf der Anklagebank. In der Vergangenheit zeigte Meike S. während des Prozesses fast keine Emotionen.
Das Landgericht Kassel verhängte die Höchststrafe gegen Meike S., die sich als Ärztin in Fritzlar ausgab
Erstmeldung Mittwoch, 25. Mai: Kassel/Fritzlar – Nach rund anderthalb Jahren Mordverfahren ist am Mittwoch (25. Mai) in Kassel das Urteil im Fall des falschen Arztes Mike S. gefallen. Der 52-Jährige, der von 2015 bis 2018 als Anästhesist im Klinikum Fritzlar tätig war, wurde unter anderem wegen dreier Morde zu lebenslanger Haft verurteilt. Außerdem stellte das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest. Dies kann es Meike S. erschweren, nach Verbüßung ihrer Haftstrafe entlassen zu werden.
Diese Entscheidung gab der Vorsitzende der 6. Großen Strafkammer des Landgerichts Kassel Volker Mutze gegen 10.30 Uhr bekannt. Außerdem wurde Meike S. des versuchten Totschlags in zehn Fällen, gefährlicher Körperverletzung in drei Fällen und des Missbrauchs in vier Fällen sowie des Betrugs in zwei Fällen für schuldig befunden.
Die Verteidiger der falschen Ärztin Meike S. sind Thomas Hammer (links) und Dr. Sven Schöller. © Dieter Schachtschneider (Archiv)
Kassel/Fritzlar: Im Mordprozess gegen die falsche Ärztin Meike S. ist Höchststrafe gefordert.
Damit kam das Gericht den Forderungen der Staatsanwaltschaft Kassel nach. Zuvor hatte sie für den Angeklagten die Höchststrafe gefordert: lebenslange Haft und Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass Meike S. aus überhöhtem Geltungsbedürfnis gehandelt hat. Verteidiger Adv. Sven Scholler und Thomas Hammer hingegen haben wegen gefährlicher Körperverletzung in 16 Fällen und weiteren Anklagepunkten insgesamt acht Jahre Haft gefordert.
Gerichtspräsident Volker Mutze. © Daria Noah (Archiv)
Mord an falschem Arzt: Einer der größten Prozesse in Kassels Geschichte
Der Prozess wegen Mordes an dem falschen Arzt ist einer der größten in der Kasseler Justizgeschichte. Dem ersten Verhandlungstag am 27. Januar 2021 folgten rund 50 weitere Verhandlungstage. Der ursprüngliche Vorwurf lautete damals: Meike S. soll fünf Menschen im Heilig-Geist-Krankenhaus getötet haben, dessen Betrieb sie für die Anästhesie leitet. Laut Anklageschrift habe sie ihr Medizinstudium nie abgeschlossen und sei mit falschen Angaben dazu verleitet worden, als Ärztin eingestellt zu werden.
Die bewusste Frage hat immer eine Rolle gespielt
Im Fall des falschen Arztes wird seit Monaten die Frage diskutiert, ob Meike S. eine Mörderin war. Das Landgericht Kassel beschäftigte sich an Prozesstagen stundenlang mit der Frage des Vorsatzes, also ob der Angeklagte den Tod des betreffenden Patienten billigend in Kauf genommen hat. Carsten Drastic, der Anwalt des Klägers, erklärte schon damals, dass die Absicht nicht immer eine anfängliche böse Absicht enthalten müsse. Man spricht von einem unvorhergesehenen Ereignis.
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