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Deutscher Katholikentag: Krieg, Klimawandel, Krone – und Kirche

Stand: 26.05.2022 17:03 Uhr

Zahlreiche globale Krisen stehen im Mittelpunkt des Katholikentags in Stuttgart. Aber auch innenpolitische Probleme stehen auf der Tagesordnung. Der Bundespräsident fordert Reformen.

Aufrufe zum Weltfrieden und Gedenken an die Opfer des Ukraine-Krieges markieren den Tag der Katholiken in Stuttgart. Die Nationalfarben der Ukraine, Blau und Gelb, sind allgegenwärtig. Man bete für die Opfer des Konflikts, sagte der Bischof der Diözese Rothenburg-Stuttgart und Gastgeber der Tagung Gebhard Fürst beim Zentralen Himmelfahrtsgottesdienst. Für morgen ist eine Friedenskundgebung geplant; Gleichzeitig müssen in allen katholischen Kirchen in Stuttgart die Glocken geläutet werden.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat gestern in einer Rede zu Beginn des Treffens die russische Regierung aufgefordert, die Feindseligkeiten in der Ukraine zu beenden. Papst Franziskus schickte eine Botschaft mit den Worten: „Deshalb sind unsere Gedanken in diesen Tagen bei den Menschen in der Ukraine und wir beten für all die Menschen, deren Leben gefährdet und betroffen sind.“

Gläubige kümmern sich am katholischen Tag um ihre Kirche

Eva Macht, SWR, Tagesschau um 16:45 Uhr, 26.05.2022

Steinmeier fordert Versöhnung

Auch andere große globale Krisen – der Klimawandel und die Pandemie – stehen auf der Tagesordnung. Nicht zuletzt betrifft der Zustand der eigenen Kirche sowohl die Teilnehmer als auch die Dozenten. Bundespräsident Steinmeier hat heute betont, dass die Gesellschaft eine starke und angemessene Kirche braucht. „Daher hoffe ich, dass Sie in Ihren Bemühungen um eine Kirchenreform vorankommen.“ Steinmeier erhielt Informationen über die Katholische Meile aus der Perspektive von Gewaltopfern und das Synodal Way Reform Project.

Mit Blick auf die Krone und die teils zutiefst erprobte Ablehnung von Befürwortern und Gegnern der Pandemie rief Steinmeier zur Versöhnung auf. „Diese Pandemie hat ihre Spuren hinterlassen“, sagte das Staatsoberhaupt. Er war erstaunt darüber, wie es zu einer solchen „Sprachintoleranz“ gekommen war. Die Pandemie habe eine Dynamik ausgelöst, „mit der ich selbst nicht gerechnet habe“, sagte Steinmeier. Die Menschen werden einander vergeben müssen, nachdem die Pandemie vorbei ist.

Warnung vor “Umsiedlung der Menschheit”.

Trotz Krieg in der Ukraine und der Krone dürfe der Klimawandel nicht vergessen werden, mahnte der Bundespräsident. Viele gefährdete Regionen der Welt – wie Afrika – leiden bereits heute unter dem Klimawandel.

Auch der Klimafolgenforscher Hans Joachim Schelnhuber nahm an einer Podiumsdiskussion zum Thema teil. Der Wissenschaftler warnte davor, dass im schlimmsten Fall drei Milliarden Menschen ihre Heimat verlieren und deshalb in andere Regionen ziehen könnten. „Wir sprechen von der Bewegung der Menschheit“, sagte der frühere Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.

Bis Sonntag

Zum Katholikentag, dessen Motto „Leben teilen“ lautet, haben sich laut Veranstalter rund 25.000 Menschen angemeldet. Neben Gottesdiensten, Gesprächskreisen und geistlichen Anregungen erwartet die Besucher ein kulturelles Rahmenprogramm. Bis Sonntag gibt es insgesamt etwa 1.500 Veranstaltungen. Der Katholikentag wird in der Regel alle zwei Jahre vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken veranstaltet.