Symbolisch: Über Suter und Co. er war nicht viel gegen die Vereinigten Staaten. Bild: imago
Am Ende der beeindruckenden Eishockey-Weltmeisterschaft in Finnland blieb der Schweiz der Medaillengewinn verwehrt. Die Eis-Teamkollegen verloren das Viertelfinale gegen die USA in Helsinki mit 0:3. Bei den Schweizern kam der Sand zum falschen Zeitpunkt ins Getriebe.
26.05.2022, 21:526.05.2022, 21:55
Im ersten Abschnitt entziehen sich die Schweizer den Geschehnissen. Sie sind von Anfang an nicht schlecht in das Spiel gestartet. Aber die Amerikaner wurden motivierter, entschlossener und energischer. Dies führte zu 12:4 Torschüssen für das US-Team. Die Schweizer hatten noch nie in einem Teil dieser WM nur vier Schüsse aufs Tor.
Noch ärgerlicher als die fehlende Offensivstruktur im Schweizer Spiel waren die ersten Gegentore. Ben Myers wurde das erste Tor in zwölf Minuten gutgeschrieben. Calvin Turkauf manövrierte den Puck mit seinem Schlittschuh ins eigene Tor – zu einem Zeitpunkt, als die Schweizer durch ein Foul von Timo Meyer in Unterzahl waren.
0:1 USA: Calvin Turkauf lenkt den Puck mit seinem Schlittschuh ins eigene Tor (13.) Video: SRF
Das 0:2 in der 17. Minute war noch unvermeidlicher. Adam Godet von den Ottawa Senators kämpft hart um den Puck und nutzt die Tatsache aus, dass sowohl Verteidiger Dominic Egley (der Godet verpasste) als auch Torhüter Leonardo Genoni (der einen Schritt zu spät herauskam) die Situation falsch eingeschätzt hatten. Godet kippte den Puck an Genoni vorbei und schaffte es dann, ihn in die leere Tür zu bringen.
0:2 USA: Adam Godet nutzt einen schlimmen Fehler von Torhüter Leonardo Genoni aus Video: SRF
Der amerikanische Torhüter Swiman ist außergewöhnlich
Die Schweizer reagierten. Doch anders als bei Frankreich (5:2 nach 0:2), Kanada (6:3 nach 2:3) oder Deutschland (4:3 nach 1:2) kam es diesmal nicht zur Wende. Gegen Frankreich leitete Denis Malgin nach nur 25 Sekunden im Finale mit einem Tor die Wende ein. Gegen die USA traf Timo Meyer im zweiten Drittel nach 25 Sekunden nur die Latte.
Am Ende sorgte diese Chance für Schweizer Offensivwut (17:6 Schläge für die Schweiz im zweiten Drittel). Jeremy Swiman von den Boston Bruins, der 23-jährige Torhüter und Amerikaner, parierte alle 33 Torschüsse. Und Myers klärte schließlich mit einem weiteren Tor in der 55. Minute auf.
Offensive leichte Brise
Klar ist, dass die Niederlage im Viertelfinale die grandiose Leistung der Schweizer WM relativiert. Vielleicht war die Schweizer Gruppe A doch nicht so gut. Drei der vier Mannschaften der Gruppe B erreichten das Halbfinale (Tschechische Republik, Finnland, USA). Nur Schweden schied aus Gruppe B aus. Die Schweden mussten nach einer 3:0-Führung im letzten Teil gegen Kanada weiterkommen. Vieles, was für das Schweizer Team in der Vorrunde nicht immer perfekt lief (Leistungsschwankungen, Disziplin), wurde durch all die Siege übertüncht.
Leonardo Genoni war nicht der Rückhalt wie beim letzten Mal für den EV Zug. Bild: Schlussstein
Die gefeierte Schweizer Offensive mit 15 verschiedenen Torschützen konnte gegen die USA, die nur 1,71 Gegentore pro Spiel der Gruppe B kassiert hatten, nichts gegen Deutschland ausrichten.
Schlechte Bilanz für das Viertelfinale
Im Nachhinein wirkt die Ankündigung des Eishockeyverbandes in den sozialen Medien fast spöttisch – dass im Viertelfinale jene Matches beginnen werden, für die wir Schweizer das Eishockey so sehr lieben. Tun wir das wirklich?Seit Anfang des Jahrtausends hat die Schweiz an 13 WM-Viertelfinals teilgenommen und nur zwei davon gewonnen: 2013 in Schweden und 2018 in Dänemark, wo die Schweiz jeweils Silber holte. Allerdings verlor das Schweizer Viertelfinale elfmal. Sie verpassten sogar acht Mal das Viertelfinale. Und bei Olympia, wo die Schweiz noch nie das Halbfinale erreicht hat, ist die Bilanz nicht besser.
Nichts war in Helsinki gegen die Vereinigten Staaten. Nicht die Glückwünsche von Roman Yossi aus der Heimat vor dem Match, nicht all die Bemühungen von Stars wie Timo Mayer und Denis Malgin, die zunehmend versuchten, den Wechsel mit dem Hebel zu erzwingen.
Ungünstig für das Schweizer Team war der Umstand, dass sich Enzo Corvi im ersten Abschnitt nach einem Zweikampf mit der Band an einer Gehirnerschütterung verletzte. Bundestrainer Patrick Fischer musste die erprobten Linien zu Beginn ändern. Corveys Formation mit Andres Ambul und Fabrice Herzog, einer der effektivsten bei dieser WM, musste neu zusammengestellt werden.
Corvey springt hart in die Bande. Bild: imago
Fischer kommt nicht in Frage
Die WM in Finnland endete für die Schweizer bitter und zu früh. Statt über Tampere führt der Weg zurück in die Schweiz nach Kloten. Für die Nationalmannschaft wird es im Sommer keine Gespräche geben. Patrick Fischers Vertrag läuft noch bis 2024 und ist nicht verhandelbar.
Die Eishockey-Nationalmannschaft spielt in der kommenden Saison nicht im deutschen Pokal oder in der Slowakei, sondern bei den European Ice Hockey Games mit Turnieren in Schweden, Finnland und Tschechien.
Fischer wird voraussichtlich Bundestrainer bleiben. Bild: Schlussstein
Am Freitag wird es wohl noch Berichte über den Erfolg des Schweizer Eishockeys in Finnland geben. Bis zu drei Weltmeisterschaften (Aktiv, Junioren, Junioren) können am Freitag an die Schweiz vergeben werden. Solche Meldungen wären nur ein kleiner Trost für das verpasste Halbfinale. (ram / sda)
Schweiz – USA 0:3 (0:2, 0:0, 0:0) Helsinki. – 3727 Zuschauer. – SR Ansons/Öhlund (LAT/SWE), Kroyer/van Oosten (DEN/CAN). Tore: 12. Myers (Bellows, Hughes/Ausschluss Mayer) 0:1 (Eigentor Turkauf). 17 Godet (Spitze) 0-2. 55. Myers (Culman, Farrell) 0:3. Strafen: 1 x 2 Minuten gegen die Schweiz, 2 x 2 Minuten gegen die USA USA: Genoni; Kukan, Zigentaler; Faure, Janice Moser; Glauser, Geiser; Barsch; Riat, Hisier, Mayer; Simion, Malgin, Suter; Ambul, Corvey, Herzog; Bertschy, Kuraschew, Thürkauf; Miranda USA: Sueman; Jones, Megna; Spitze, Schmidt; Hughes; Baldy, Hartman, Galchenjuk; Sylphon, Tainan, Godet; Culman, Myers, Farrell; Watson, Lafferty, Hayden; Briefe. Bemerkungen: Schweiz ohne Shervey (verletzt), Marty, Eschliman (beide Statisten) und Bera (Ersatztorwart). – 14. Corvey ausgeschieden verwundet (Verdacht auf Gehirnerschütterung). – Letzte Schüsse: 21. Mayer, 59. Jones. – Auszeit Schweiz (58:18). – Schweiz von 54:19 bis 56:25 und ab 56:31 ohne Torhüter. – Streiks: Schweiz 33 (4-17-12); USA 22 (12-6-4). – Powerplay-Ausbeute: Schweiz 0/2; USA 1/1. (ram / sda)
Die besten Fotos von der Eishockey-Weltmeisterschaft 2022 in Finnland
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Die besten Fotos von der Eishockey-Weltmeisterschaft 2022 in Finnland
Quelle: Keystone / Kimmo Brandt
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