Stand: 28.05.2022 11:15 Uhr
Urlauber und Anwohner kennen und befürchten das: die Abarbeitung der Sperrungen vor der deutsch-österreichischen Grenze. Besonders betroffen ist die Inntalautobahn in Bayern. Welche Alternativen gibt es?
Dies ist eine weitere schlechte Woche für die Menschen, die in den Dörfern entlang der Autobahn A93 leben. Sperrung der Grenzabfertigung von Montag bis Freitag, nur der gesetzliche Feiertag dazwischen bringt eine kleine Pause. Ansonsten jeden Morgen das gleiche Bild: Lastwagen fuhren mehr als 30 Kilometer hinter ihnen her, quer durch das bayerische Yin-Tal, oft bis zur A8 München-Salzburg. Gestresste Fernfahrer meiden Landstraßen und verstopfen mit ihren schweren Lkw die Straßen von Dörfern wie Nusdorf, Branenburg und Oberaudorf.
Weiter gesperrt
Das bedeutet Stress ohne Ende für ihn, sagt Busunternehmer Christian Margreiter aus Nusdorf. Oft können die Fahrzeuge seiner Firma nicht passieren, Studenten und Reisende werden buchstäblich im Stich gelassen. Bei den Dreharbeiten während der Busfahrt erlebte das BR-Team, wie unmöglich es ist, auf die Autobahn zu kommen. Der Fahrer findet keine Lücke in der Wand der schweren Lkw. Es dauert lange, bis er bei gefährlichen Manövern auf der zweiten Spur manövriert. Margreiter sagt, er habe bereits eine Polizeieskorte erhalten, um die Kinder zu ihren Schulen zu bringen.
Auch für Rettungskräfte mit lebensnotwendigen Transportmitteln war die Weiterfahrt teilweise gesperrt. Wenn Sie die Menschen im Yin-Tal fragen, wie sie das Fahren von Blöcken sehen, hat jeder eine Geschichte darüber, wie eine Lawine von Autos sie in ihren täglichen Aktivitäten verlangsamt. Und so etwas wie Verzweiflung macht sich breit: Die Bewohner können und wollen nicht mehr.
Bayern pocht auf EU-Vertragsverletzungsverfahren
„Ihre Nerven liegen am Rande des Yin-Tals“, sagte der bayerische Verkehrsminister. “Die Leute haben es satt, Blöcke in diesem Stil zu verarbeiten.” Christian Bernreiter ist erst seit wenigen Monaten im Amt. Er will das Problem mit neuem Elan angehen und schickte einen Brief an die Europäische Kommission. Darin sagte Bernreiter gegenüber dem BR, er fordere Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf, „ernsthaft zu prüfen, ob ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich eingeleitet werden kann“.
Die Dosierung des Lastwagens durch die Tiroler ist völlig unverhältnismäßig, solche Maßnahmen sind nur in echten Notfällen gerechtfertigt. Bernreiter will so schnell wie möglich nach Brüssel reisen und das Thema persönlich mit HDZ-Politikern besprechen. Er habe auch die Bundesregierung aufgefordert, einzugreifen und Druck auf ihn auszuüben, sagte der bayerische Minister.
Tirol betont große Unterstützung für die Verarbeitung von Blöcken
Seine Tiroler Amtskollegin Ingrid Felipe bleibt angesichts dieser Bedrohungen sehr gelassen. Der für den Menschenhandel zuständige Landeshauptmann-Stellvertreter sagte dem BR in einem Interview, Tirol habe sich alle Maßnahmen sehr genau überlegt. „Unsere eigenen Experten in der Landesverwaltung, unterstützt durch Rechtsexperten der Universität Innsbruck, haben sorgfältig geprüft, was wir tun können, was verhältnismäßig und im Einklang mit europäischem Recht ist.
Der Grünen-Politiker verweist auf den großen Konsens in dieser Frage in Tirol. Die gesamte Bevölkerung und alle Politiker stehen hinter der Maßnahme der Selbstverteidigung – Manipulation von Blöcken. Felipe berichtet von einer Landtagssitzung, die er gerade zum Interview verlassen hat. “Sie werden überrascht sein”, sagt sie, “aber es sind noch härtere Maßnahmen erforderlich.”
Wie funktioniert die Blockverarbeitung?
Nach der Grenze, kurz vor der Ausfahrt Kufstein Nord, biegen die Lkw auf die rechte Spur und halten an einer roten Ampel. Die Ampel zählt die Sekunden herunter und leuchtet dann kurz grün auf, was den Transporter passieren lässt. Der Takt variiert: Mal sind es nur zehn Sekunden, mal 15, während die Ampel auf Rot steht. Je nach Verkehrslage überwacht die Polizei dies weiter südlich im Yin-Tal, insbesondere im Großraum Innsbruck. Mal sind nur 200 Lkw pro Stunde erlaubt, mal 300. Das klingt klein, aber für die Anwohner bedeutet es, dass alle zwölf Sekunden ein Lkw vorbeidonnert. Und beim „Dosieren“ sind es oft 5.000 Lkw am Tag. An Spitzentagen wurden im Yin-Tal fast 10.000 Lastwagen gezählt. Es wird geschätzt, dass jährlich zwischen zwei und 2,5 Millionen Lkw die Brennerstrecke befahren.
Viele Möglichkeiten, die Situation zu entschärfen
Auf die Frage, welche Möglichkeiten er für Bayern und Deutschland sieht, um die Situation schnell zu lösen, hob Felipe einige wichtige Punkte hervor. Die vom bayerischen Ministerpräsidenten kürzlich zitierte Maut auf dem Korridor München-Verona findet es sehr angebracht, eine „Wahrheit über die Straßenkosten“ zu schaffen. Das würde den Schienenverkehr attraktiver machen. Sie schlägt auch vor, Lkw in Bayern „als erstes morgens bei Fahrten auf der Autobahn“ zu dosieren. Verkehrssteuerung mit intelligenten Systemen – eigentlich war vereinbart, dass wir gemeinsam weitermachen. „Leider bisher kein Erfolg“, sagt Felipe.
Und das ist ihr nach wie vor wichtig: Zwischen Bayern und Tirol darf es kein böses Blut geben. „Ich habe viel Sympathie für alle Menschen in Bayern, Tirol und Südtirol. Alle haben das gleiche große Problem: die immer größer werdende Verkehrslawine, gegen die man sich wehren muss. Tatsächlich erfährt man im bayerischen Yin-Tal oft Bewunderung für die strengen Maßnahmen der Tiroler zum Schutz der eigenen Bevölkerung. Sätze wie „Die tun das Richtige, wir müssen unsererseits dasselbe tun“ sind sowohl bei Bürgern als auch bei Kommunalpolitikern zu hören.
Der Durchgangsverkehr muss auf der Autobahn bleiben
Das Busunternehmen Margreiter etwa kann nicht nachvollziehen, warum Bayern den Alternativverkehr auf Landstraßen und durch Dörfer nicht verboten hat. Also: Der Durchgangsverkehr muss auch im Stau auf der Autobahn bleiben. Tirol hat das getan …
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