Stand: 29.05.2022 06:53 Uhr
Vom kleinen Genussmittel bis zum unverzichtbaren Gemüse: Spargel kommt in diesem Frühjahr nicht mehr so häufig auf den Teller wie in den vergangenen Jahren. Verbraucher verzichten und viele deutsche Spargelproduzenten bleiben mit ihrer Ware zurück.
Etwas fassungslos steht Eckhard Cool vor seinem Feld im brandenburgischen Elbe-Elster-Kreis. Grüne, buschige Tentakel erstrecken sich vom Boden, so weit das Auge reicht. Das sind ungepflückte Spargel, die in den letzten Wochen kein Kunde kaufen wollte. Er ist unbrauchbar und unverkäuflich geworden, ein sichtbares Zeichen des Spargelschwunds, der viele Erzeuger in Deutschland betrifft. „Das Herz kann bluten“, klagt Bauer Cool. „Wenn man sieht, was für toller Spargel hier herkommt, der eigentlich beim Verbraucher enden muss und jetzt hier wächst.“
“Geld behält jetzt jeder lieber in der Tasche”
Er hat nur dreieinhalb Tonnen Spargel pro Hektar geerntet, vielleicht sogar acht. Er verliert mehr als die Hälfte. 25 der 60 Hektar seines Hofes hat er bereits angelegt. Das betrifft auch die Belegschaft: Von den 100 Saisonkräften, die er normalerweise einstellt, konnten dieses Jahr nur 60 bleiben.
Bauer Cool bekommt die Erklärung oft direkt von Kunden: „Die Leute sind verunsichert. Was passiert mit meinen Wohnungsrechnungen, Nebenkosten etc.? Und jetzt behalten alle das Geld lieber in der Tasche.“ Auf jeden Fall scheinen weit weniger Menschen es für ihr wertvolles Gemüse auszugeben, das sie wirklich lieben.
“Mehrere parallele Krisen”
Ein Trend, den Branchenvertreter bestätigen. „Die Verbraucherstimmung ist derzeit auf einem Rekordtief“, sagte Philipp Haverkamp vom Gewerbeverband Berlin Brandenburg. „Das liegt einfach daran, dass wir nicht eine Krise nach der anderen haben, sondern mehrere Krisen parallel laufen. Offenbar haben der langjährige Corona-Virus und nun der Krieg in der Ukraine den Deutschen die Lust am extremen Vergnügen genommen.
„Ich behalte die Preise im Auge“, bestätigt Klientin Rita Trotzki. Sie ist Stammkundin auf dem Spargelhof Jakobs in Beelitz. Die Gemeinde südöstlich von Potsdam gehört zu den „weichen Spargeln“ in Deutschland. Dennoch wirken die Kunden hier zurückhaltender als früher. „Das ist etwas Besonderes, vielleicht am Wochenende“, erklärt Elke Pantel ihre Einkaufsgewohnheiten.
Preiswettbewerb aus dem Ausland
Spargel-Beamte sehen diese Kaufzurückhaltung mit Sorge, denn die Preise stehen stärker unter Druck als zuvor. „Spargel ist so günstig wie seit fünf Jahren nicht mehr“, sagt Spargelbauer Jürgen Jacobs, der auch Vorsitzender des Beelitzer Spargelverbandes ist. Zu Beginn der Saison kostete der beste Spargel 16,90 Euro pro Kilogramm, doch der Preis ist bereits auf 11,90 Euro gefallen. Die günstigste Ware kostet 3,50 Euro. „Im Supermarkt ist frischer Spargel noch günstiger“, sagt Jacobs.
Dafür sorgt auch die Konkurrenz aus dem Ausland. Spanien und Griechenland haben Deutschland schon lange als interessanten Absatzmarkt erkannt. Und auch Produzenten aus Nachbarländern wie Polen drängen auf den Markt für günstigen Spargel. Ein Preiskampf, den die deutschen Spargelproduzenten nicht gewinnen können.
Guter Umsatz im eigenen Restaurant
Ein kleiner Lichtblick nach all den Einschränkungen, die mit der Krone einhergehen, bietet einigen Spargelbauern eine eigene Gastronomie. Im Spargelrestaurant von Jürgen Jakobs ist Spargel heutzutage sehr beliebt. Nach zwei schwierigen Jahren im Crown mit hohen Verlusten sei das Restaurant dieses Jahr “so voll wie lange nicht”, sagte Jacobs: “Die Leute haben etwas nachzuholen”.
Vielleicht landet ein Teil davon in Heimtöpfen, hofft er. Die Hälfte der diesjährigen Spargelsaison ist vorbei. Die Gravur dauert bis zum 24. Juni.
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