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Hessens Ministerpräsident: Was vom „ewigen Buffett“ übrig ist.

Porträt

Stand: 30.05.2022 18:58

Vom „schwarzen Sheriff“ zum Grünen-Experten und langjährigen hessischen Regierungschef: Volker Buffier hat es in der Politik weit gebracht. Jetzt tritt er zurück. Was ist übrig?

Frank Sinatras Lied „My way“ wollte Walker Buffett für sein Abschiedsständchen vor 600 Gästen in Wiesbaden. Niemand wird bestreiten, dass dies ein völlig einzigartiger Weg war. Manch einer mag nicht glauben, dass sich der 70-jährige HDZ-Politiker bis Dienstag aus der Politik zurückzieht.

Der 70-jährige Gießener gab daraufhin nach zwölf Jahren als hessischer Ministerpräsident seinen Rücktritt bekannt. Fast genauso lange war er, bevor er Regierungschef wurde, elfeinhalb Jahre Innenminister. Insgesamt ist Buffier seit rund 50 Jahren in der Politik, davon 40 in verschiedenen Ämtern. Gegner nannten ihn zuletzt den „ewigen Puffer“ und befürchteten, er wolle die Landtagswahl im Herbst 2023 zum dritten Mal an der Spitze der Union gewinnen.

Die richtige Zeit

„Jetzt ist die Zeit gekommen“, sagte Buffier, als er im Februar seinen Rücktritt bekannt gab. Die HDZ schickt den rund 20 Jahre jüngeren Landtagssprecher Boris Raine in den anstehenden Landtagswahlkampf. Damit reagierte Buffier auch auf den wachsenden Druck in der Partei, einen Generationswechsel einzuleiten. Rhein war zwar nicht Buffiers erste Wahl, aber der 50-Jährige gilt auch als praktikabler grüner Koalitionspartner.

Generationswechsel in der Hessen-CDU: Rhein kommt, Buffier geht. Bild: dpa

Falsche Einschätzung des listigen Machtstrategen

Aber Buffier stand nicht nur wegen seines Alters unter Druck. Im Machtkampf der Bundespartei um die Neuordnung der Nach-Merkel-Ära spielte eine schwergewichtige CDU eine Schlüsselrolle. Bei Personalentscheidungen setzte der sonst so gewiefte Stratege aus Hessen mehr als einmal auf spätere Verlierer.

Gemeinsam mit Wolfgang Schäuble führte Buffier seinen bayerischen Amtskollegen Marcus Söder zu einer Parade zur Kanzlerkandidatur und sprach sich für Armin Lache aus. Gegen den amtierenden HDZ-Chef Friedrich Merz, der auch im hessischen Stützpunkt beliebt ist, stellte sich Buffier auf einen Kandidaten, der am Ende unterlag: Altkanzleramtsminister Helge Brown. Wie Bouffier stammt auch Braun aus Gießen.

Pionier der schwarzen und grünen Allianzen

Erfolgreicher war Buffett in Hessen. Mit der ersten schwarz-grünen Koalition in einer Nicht-Stadt eröffnete er der CDU 2013 eine ganz neue Machtchance: Die beiden zuvor hart umkämpften Parteien arbeiteten plötzlich ruhig und stabil zusammen, mit nur einer Mehrheit im Jahr 2018. . Buffier habe die Koalition zuverlässig und ausgewogen geführt, und seine politischen Leistungen im Leben verdienten “höchsten Respekt”, lobte Grünen-Chef Tarek al-Wazir seinen scheidenden Ministerpräsidenten. Al-Wazir ist Vizepremier und Wirtschaftsminister der schwarz-grünen Koalition.

Als die Grünen noch in der Opposition waren, nannte al-Wazir den damaligen Innenminister Bufie einen “Rechtspopulisten”. Buffier galt damals als Hardliner in der erzkonservativen hessischen CDU und machte sich als Schwarzer Sheriff einen Namen. Buffier forderte ein Register rückfallgefährdeter Sexualstraftäter und forderte eine strikte Abschiebepolitik. Das Gericht würdigte seinen Versuch, das umstrittene Netz nicht nur in Ausnahmesituationen zu nutzen.

Zu dieser Zeit war Buffier in eine Reihe von Skandalen verwickelt, an denen verschiedene Untersuchungskommissionen beteiligt waren. Allerdings ohne Folgen für ihn. Am meisten verfolgt ihn der Mord an Halit Ozgat vom NSU in Kassel: Polizisten durften Informanten auf Befehl von Bufie nicht befragen. Angeführt wurden sie von einem Mitglied des Verfassungsschutzes, das teilweise des Mordes selbst verdächtigt wurde.

Der „Großvater des Staates“ hat sich bereits über die PSD lustig gemacht. Der hessische Ministerpräsident Buffier Ende Juni 2015 beim Besuch der Königin von England in Hessen im Frankfurter Römer. Bild: dpa

Fröhlicher Landvater

Nach dem Wechsel des Staatsoberhauptes agierte Buffier moderater. Nun tritt er als fröhlicher und ausgleichender Vater des Landes auf. „Opa vom Land“, spottete die PSD. Aber auch Buffiers Art, mit politischen und persönlichen Krisen umzugehen, wurde anerkannt.

2019 tötete ein Rechtsextremist Buffiers engen Freund Walter Lübke. 2020 folgte der rassistische Anschlag in Hanau. Noch niedrigere Punkte waren der Tod seines Finanzministers Thomas Schäfer und seine eigene Krebserkrankung.

Körperlich sichtlich angeschlagen, fuhr Buffier fort. Seine Popularität wuchs und in Umfragen wurde er zum beliebtesten Politiker Hessens. „In solchen Momenten muss man sich dem stellen“, sagte er kürzlich und sprach die Krise an.

Er hat sich nie mit dem Büro angelegt. Doch viele bezweifeln, dass er sich das wirklich so leicht gefallen lassen kann. Auf dauerhafte Aufgaben als ehemaliger Ministerpräsident ist der 70-Jährige jedenfalls vorbereitet. Ein Büro mit Personal im Landesamt Wiesbaden ist für ihn reserviert, außerdem erhält er einen Dienstwagen und einen Fahrer.