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Testosteronmangel: erhöhtes Diabetesrisiko

Nur zwei Prozent der Männer erleben echte Symptome eines Testosteronmangels. Dazu gehören der Verlust des sexuellen Verlangens und die erektile Dysfunktion. Bei niedrigen Werten nimmt auch die Muskelmasse ab, während das Bauchfett zunimmt. Unbehandelt nimmt die Knochendichte ab und der Körper produziert weniger rote Blutkörperchen.

Betroffene fühlen sich hilflos, ihre Konzentrationsfähigkeit lässt nach und sie haben Schlafstörungen. Wer solche Anzeichen bemerkt, sollte mit seinem Hausarzt sprechen. Nach Ausschluss anderer Gründe überweist er Sie an einen Facharzt. Übrigens: Seit vier Jahrzehnten sinkt der Testosteronspiegel bei jedem Mann, bei chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes jedoch schneller.

Mangelarten und Therapie

„Typ-2-Diabetiker sind besonders von einem funktionellen Testosteronmangel betroffen, der mit chronischen Erkrankungen einhergeht“, erklärt Professor Dr. Michael Zitzmann, Diabetologe und Oberarzt am Zentrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie des Universitätsklinikums Münster. Insulinsensitivität und Testosteronproduktion sind voneinander abhängig. Experte: „Männliches Hormon erhöht die Insulinsensitivität direkt durch Rezeptoreffekte und indirekt durch eine positive Wirkung auf Körperfettanteil und Muskelmasse.“ Das bedeutet, dass Testosteron einen besseren Blutzuckerspiegel fördert. Daher können Diabetiker, bei denen ein Testosteronmangel nachgewiesen wurde, von einer Testosterontherapie profitieren. Körpergewicht, Insulinresistenz und die Wahrscheinlichkeit von Knochenbrüchen werden reduziert.

Mediziner empfehlen eine Testosteron-Ersatztherapie nur, wenn die Betroffenen sowohl niedrigen Blutdruck als auch typische Symptome haben. Sie verschreiben meist zwei Darreichungsformen: Depotspritzen werden alle zehn bis 14 Wochen in einen Muskel gespritzt. Das Depot setzt ständig Testosteron frei. Testosteron-Gele werden ein- bis zweimal täglich, vorzugsweise morgens, auf die Schultern oder die Brust aufgetragen. Dadurch wird die körpereigene Produktion simuliert, die im Laufe des Tages abnimmt.

Hormonersatz wirkt nicht sofort

„Die Wahrscheinlichkeit einer Testosteronübertragung durch engen Körperkontakt ist gering“, sagte Zitzman. Hersteller empfehlen jedoch, behandelte Hautpartien vor engem Körperkontakt mit Kleidung abzudecken oder zu reinigen. „Stimmung und sexuelles Verlangen steigen erst nach ein bis zwei Monaten Therapie. Zusätzliche Effekte treten nach bis zu sechs Monaten auf.“

Neben der richtigen Dosierung und Verabreichung sollten auch mögliche Nebenwirkungen einer Hormonersatztherapie mit Ihrem Arzt besprochen werden. Bei korrekter Anwendung gilt es jedoch als gut verträglich. Gelegentlich können Brustvergrößerung, Akne, Haarausfall und bestimmte Blutdruckveränderungen auftreten.

Außerdem sollten Männer mit fortgeschrittenem Prostatakrebs keine Therapie erhalten. Nach heutigem Wissensstand erhöht eine Hormonersatztherapie das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, überhaupt nicht. Aber über all das ist der Arzt, der die Therapie verordnet und überwacht, am besten informiert.

Das kannst du selbst machen

Neben der Hormonersatztherapie können Patienten ihren Lebensstil selbstständig anpassen. Für Typ-2-Diabetiker gilt: Senkung des Blutzuckers (HbA1c) und des Körpergewichts, Alkoholreduktion, regelmäßige Bewegung und ausgewogene Ernährung. Der Diabetologe Professor Dr. Michael Zitzman: „Eine Ersatztherapie ist keine Dauerlösung. Wenn Patienten nach zwei Jahren deutlich an Gewicht verloren haben, kann versucht werden, dies zu vermeiden.“