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Die Wirtschaft warnt: Drucken Konzerne Rabatte auf Panzer?

Stand: 02.06.2022 12:37 Uhr

Der Chef des Bundeskartellamtes will die Preispolitik der Mineralölkonzerne genau beobachten. Wirtschaftswissenschaftler Schnitzer warnt davor, dass Konzerne mit einem Tankrabatt reich werden könnten.

Nach Angaben des Bundeskartellamtes ist der bundesweite Durchschnittspreis für Zapfsäulen am Mittwoch stark gefallen, als die sog Am 1. Juni kostete ein Liter E10 durchschnittlich 1,88 Euro und Diesel 1,93 Euro, teilte das Kartellamt heute mit.

Vom Bundeskartellamt geleitete Tankstellen

„Dass die Preise gestern gefallen sind, ist ein gutes Signal“, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mund. „Aber es hängt davon ab, was in den kommenden Tagen und Wochen passiert“, fügte er hinzu.

Deshalb will Mund die Tankstellenpreise genau im Auge behalten: Mineralölkonzerne würden “ihre Preispolitik zumindest vorerst wirklich unter der Flamme des Bundeskartellamtes betreiben”, sagte der Deutschlandfunk-Chef.

Die Kraftstoffpreise sind vor Einführung des Tankrabatts gestiegen

Daten des Bundeskartellamtes zeigen, dass beispielsweise der Preis für E10-Liter in den Tagen vor Beginn der Tanksenkung von unter 2,10 Euro auf etwa 2,15 Euro am 31. Mai gestiegen ist.

Ein Rückgang auf 1,88 Euro einen Tag später bedeutet für E10 einen Preisnachlass von etwa 27 Cent; Laut Bundeskartellamt ist der Dieselpreis vom 31. Mai bis zum 1. Juni um etwa zwölf Cent pro Liter gefallen. Damit hinkt der Preisverfall der Steuerentlastung hinterher; das sind 35,2 Cent pro Liter Benzin und 16,7 Cent pro Liter Diesel.

Mineralölgesellschaften profitierten von der Mehrwertsteuersenkung

Unterdessen äußerte die Geschäftsfrau Monica Schnitzer ihre Befürchtung, Mineralölkonzerne könnten mit Tankrabatten reich werden. „Aufgrund der Erfahrungen der Vergangenheit, insbesondere mit der Senkung der Mehrwertsteuer im Jahr 2020, halte ich das Risiko für hoch“, sagte der Volkswirt der Augsburger Allgemeinen.

Nach ihrer Einschätzung würden die Mineralölkonzerne im Sommer 2020 40 Prozent der Mehrwertsteuersenkung von der Mehrwertsteuersenkung abziehen, sagte Schnitzer, der Mitglied im Beirat der Bundesregierung ist. Diesmal wurden die Tankstellen jedoch besonders streng überwacht.

Wirtschaftswissenschaftler Achim Wambach, Leiter des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), zitiert unterdessen Recherchen der Rheinischen Post, wonach Mehrwertsteuersenkungen während der Corona-Krise an 80 Prozent der Dieselkunden und 40 Prozent der Kunden weitergegeben wurden .von Benzin zu sein.

Die Grünen schlagen eine “Gewinnsteuer” vor.

Inzwischen warnen auch Mittelständler davor, dass Mineralölkonzerne „stark an der Preisschraube drehen“ könnten. „Jetzt müssen die Bundesregierung und das Bundeskartellamt genau hinsehen und dafür sorgen, dass den Mineralölmultis nicht der Nutzen für Bürger und Unternehmen entzogen wird“, sagte Marcus Yerger, Geschäftsführer des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) Netzwerk Deutschland .

Die Fraktionschefin der Grünen, Katharina Droge, warnte in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung davor, dass ein “relevanter Anteil” an den Steuersenkungen bei den Mineralölkonzernen liegen könnte. „Wenn der Finanzminister überhöhte Gewinne abschöpfen will, könnte die Einführung einer Gewinnsteuer sinnvoll sein“, fügte sie hinzu.

Shell und Total planen Steuersenkungen

Auf Nachfrage des Handelsblatts erklärten die Ölkonzerne Shell und Total, sie würden die volle Steuergutschrift an die Verbraucher weitergeben. Die Steuersenkungen, einschließlich der Umsatzsteuer, seien “vollständig weitergegeben worden”, sagte ein Shell-Sprecher. Total bestätigte auch, dass die Steuererleichterungen übergeben werden.

„Nutzen Sie eine Preis-App“, appellierte der Chef des Kartellamts Mundt an die Verbraucher. „Ein Vergleich lohnt sich. An einem Tag schwanken die Preise in der gleichen Stadt oft um mehr als 20 Cent“, fügt er hinzu. „Sie tanken eher früh am Abend an einer der günstigeren Tankstellen.“