Pieret Berchie (56) arbeitet bei der Stadtverwaltung Freiburg. Dort sind die Menschen ruhig – in den letzten zehn Jahren wurden die Löhne nie an die Inflation angepasst. Das Ergebnis, so Bercher: „Meine Gehälter sind real deutlich gesunken!“
Das merkt sie beim Mieten, an einer Tankstelle und beim Einkaufen – vor allem aber, wenn sie mit ihren fünf Enkelkindern unterwegs ist: «Der Kinobesuch kostet uns 130 Franken. “Die Einschränkungen werden immer greifbarer”, sagt sie, jetzt haben sie und ihre Kollegen einen Antrag bei der Verwaltung gestellt.
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Die Inflation steigt weiter
Nur: Auch wenn Berchier diese Erhöhung bekommt, hinkt es der Inflation hinterher. Denn es klettert immer weiter. Im Mai waren es bereits 2,9 Prozent. Kein Wunder, denn der Krieg in der Ukraine lässt die Preise steigen. Vor allem Importgüter werden teurer, allen voran Öl und Benzin. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) rechnet für 2022 mit einer Inflation von 2,7 Prozent.
Die Eidgenossen müssen den Gürtel enger schnallen – vor allem bei den Niedrig- und Mittelverdienern. Besonders bitter: Sie haben in den vergangenen Jahren bereits massenhaft verloren. Weil die Inflation bis vor Kurzem moderat stieg, hat sie schon viele Löhne aufgefressen.
60 Franken weniger im Monat
Das zeigen neue SGB-Schätzungen: Seit 2016 haben die untersten zehn Prozent der Erwerbstätigen real 60 Franken im Monat verloren. Das sind minus 1,3 Prozent. Das Durchschnittseinkommen liegt bei einem Verlust von 30 Franken pro Monat – minus 0,4 Prozent. Im Gegensatz dazu wachsen die Hochlöhne weiter um bis zu 8,9 Prozent.
Für Menschen mit mittlerem Einkommen heisst das: Ohne Lohnerhöhung verliert die durchschnittliche Familie 2200 Franken Kaufkraft pro Jahr. Rechnet man noch den Prämienschock der Krankenkassen hinzu, können sich bis zu 3300 Franken summieren. „Geringe und mittlere Einkommen drohen massenhaft einzubüßen“, sagte SGB-Chefvolkswirt Daniel Lampart, 53.
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Auch Rentner sind betroffen
Schwierig wird es auch für Rentner: «Mit der AHV-Anpassung Anfang 2023 wird nicht einmal die Inflation ausgeglichen, wenn der Bundesrat jetzt nicht handelt», sagte Lampart. Und dann gibt es mit AHV 21 eine Mehrwertsteuererhöhung von 0,4 Prozent.
Für SP-Nationalrat und SGB-Präsident Pierre-Yves Mayer (54) ist klar: «Wir müssen die Krankenkassenprämien massenhaft senken, und zwar so schnell wie möglich. Denn im schlimmsten Fall steigen die Prämien schnell.“ Auch bei der Rente müsse die Politik Hebel ansetzen: „Wir müssen ab dem nächsten Jahr zumindest dafür sorgen, dass die Inflation ausgeglichen ist. Jetzt wird der Bundesrat angerufen.»
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Nicht alle Sektoren können die Inflation ausgleichen
Im ersten Quartal 2022 stieg das Bruttoinlandsprodukt um 0,5 Prozent; die betriebswirtschaftlichen Einschätzungen der Unternehmen sind weiterhin positiv; der arbeitsmarkt boomt. Und was ist mit der Gehaltserhöhung? Simon Way, 46, Chefökonom des Arbeitgeberverbands: „In krisenresistenten Branchen wie der Pharma- und Finanzbranche hat es durchaus Spielraum.“ In der Baubranche ist einiges möglich. „Aber nicht alle Sektoren können die Inflation ausgleichen. Gerade Unternehmen, die die Preiserhöhung nicht einfach an ihre Kunden weitergeben können, müssen alleine mit sinkenden Margen fertig werden.“
Die Sozialpartner müssten diese Diskussion führen, sagt FDP-Nationalrätin Regine Souter (56). “Da hat die Politik nichts verloren.” Anders verhält es sich mit den Krankenversicherungsbeiträgen. Eine weitere inflationsbedingte Kürzung lehnt Sauter jedoch ab: „Prämien sind Ausdruck steigender Gesundheitskosten. Da müssen wir ansetzen. Alles andere ist Symptomkontrolle.“
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Ebenso kritisch sieht Sauter Eingriffe in die Renten. Die AHV ist bereits in einer schlechten Position. „Ausweitung von Leistungen außerhalb der gesetzlichen Verpflichtung ist nicht förderfähig.“
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