An . – 06.06.2022 18:51 (akt 06.06.2022 21:01)
Kindergärten, die mit der Vollzeitbeschäftigung vereinbar sind: Auf dem Land, so Ingrid Moritz, „ein Programm für Minderheiten“. © APA / HARALD SCHNEIDER (Symbolbild)
Die Leiterin des Fachbereichs Frauen und Familie der Arbeiterkammer Wien sagte der APA: In ländlichen Gebieten seien ganztägig (VIF)-kompatible Kindergärten noch immer ein “Minderheitenprogramm”.
In Österreich hat die Corona-Pandemie Frauen auf dem Land besonders hart getroffen: Die Arbeitslosigkeit ist stark gestiegen, während seit der zweiten Blockade besonders viele in Kurzarbeit geschickt wurden, so eine Studie von OGM im Auftrag der Kammer Wien Arbeit. . Grund ist neben der Branchen- und Berufsstruktur die fehlende Kinderbetreuung. Die AK fordert nun von Bund, Ländern und Kommunen einen Kraftakt für bessere Vorschläge für Kindergärten.
VIF-kompatible Kindergärten im Land laut „Minderheitenprogramm“ der AK Wien
Im ländlichen Raum seien vollzeitbeschäftigte (VIF-konforme) Kindergärten noch immer ein „Minderheitenprogramm“, kritisierte Ingrid Moritz, Leiterin des Bereichs Frauen- und Familienangelegenheiten der AK Wien, im Gespräch mit der APA. Im Durchschnitt besuchen in Österreich fast zwei Drittel der Kinder unter drei Jahren und mehr als die Hälfte der älteren Kinder einen VIF-konformen Kindergarten (mindestens 45 Stunden pro Woche geöffnet, alle vier Tage 9,5 Stunden; maximal fünf Wochen pro Jahr, Hinweis ). In dünn besiedelten Gebieten ist es jedoch nur ein Drittel.
„Im ländlichen Raum wird zunehmend wenig für Kinder gesorgt – auch in Bezug auf traditionelle Werte – was dann mit VIF nicht vereinbar ist“, kritisierte Moritz. Auf dem letzten Platz liegen laut Auswertung der Statistik Austria Oberösterreich mit 4,8 % bei den Null- bis Dreijährigen und 9,6 % bei den Älteren sowie Vorarlberg mit 12,4 bzw. 4,8 %. Mehr Plätze in VIF-kompatiblen Kindergärten in dünn besiedelten Gebieten würden Frauen viel mehr Spielraum auf dem Arbeitsmarkt verschaffen, sagte Moritz. Schließlich handelt es sich um eine Massenbeschränkung, wenn der Kindergarten nur von 8 bis 13 Uhr geöffnet ist. Darüber hinaus setzt sich das Problem der Vereinbarkeit im Land in den Schulen fort.
Ländliche Räume: Negativere Entwicklung bei Frauen
Dieser Faktor hat laut OGM-Analyse auch bei der Verteilung der Arbeitslosigkeit in der Corona-Pandemie eine Rolle gespielt: Während der „Kroneneffekt“ der Arbeitslosigkeit generell Männer und Frauen gleichermaßen betrifft, ist die ländliche Entwicklung für Frauen deutlich negativer als die Studienautorin erklärt Johannes Klotz gegenüber der APA. Gleichzeitig war auch Kurzarbeit bei ihnen besonders beliebt. Die Schließung im Tourismus hat diese Gruppe besonders hart getroffen, da es sich um eine der wenigen Branchen in Westösterreich handelt, in der Frauen im ländlichen Raum relativ gute Beschäftigungsmöglichkeiten finden. Insbesondere Orte mit „touristischen Monokulturen“ wie das Joztal oder das Paznauntal, wo ganze Täler direkt oder indirekt von einem Skigebiet abhängen, sind vom faktischen Ausfall der Wintersaison 2020/21 besonders stark betroffen.
In der Folgezeit verringerte sich der Gender Gap bei der Arbeitslosigkeit wieder. Allerdings seien im ländlichen Raum immer noch mehr Frauen arbeitslos als vor Corona, vor allem solche mit Lehrstellen oder Fachhochschulreife, sagte Klotz. Und wie die Analyse zeigte, ist diese Stadt-Land-Spaltung vor allem auf die Familienstruktur, die dort vertretenen Branchen und die Abhängigkeit von wirtschaftlichen „Monokulturen“ wie dem Tourismus zurückzuführen.
Weniger Arbeitslosigkeit für Frauen im ländlichen Raum: Kinderbetreuung als Hebel?
Klotz sieht vor allem in der Kinderbetreuung einen starken Hebel, um die Arbeitslosigkeit von Frauen im ländlichen Raum zu verringern: Sobald Kinderbetreuung für Kinder unter drei Jahren in einem mit einer Vollzeitbeschäftigung vereinbaren Umfang angeboten wird, werde sie zu einem hohen Prozentsatz genutzt , sagt Klotz. Dies könnte nicht nur mehr Frauen für den Arbeitsmarkt gewinnen, der Mangel an Kinderbetreuungsmöglichkeiten ist auch ein wesentlicher Faktor für die Abwanderung von Frauen aus ländlichen Gebieten.
Deshalb fordert AK-Experte Moritz, den Ausbau der Angebote für Kindergärten voranzutreiben. Die kürzlich vorgestellte neue 15a-Vereinbarung zwischen Bund und Ländern ist eine verpasste Chance. Durch das Zusammenspiel von Bund, Ländern und Kommunen gebe es ein „ständiges Pingpong in Verantwortung und Bezahlung“. Es erfordert, dass alle Akteure die Erweiterung zu einer gemeinsamen Aufgabe machen. Wichtig ist auch sicherzustellen, dass die Gemeinden die Kosten nicht tragen. Mehr Druck erwartet sie von Frauenministerin Suzanne Raab (ÖVP), die auch Familienministerin ist. Es braucht einheitliche Standards in allen Bundesländern, Bundesrahmengesetz und Finanzausgleichsfinanzierung.
Um mehr Frauen in den ländlichen Arbeitsmarkt einzuführen, müssen ländliche Arbeitsplätze auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein und es muss mehr Diversität in der Wirtschaft geben. Zudem müssen sich Arbeitsplätze langfristig selbst ernähren, will man die Abwanderung von Frauen in die verdeckte Arbeitslosigkeit verhindern.
Add Comment