Außergewöhnlich
Stand: 07.06.2022 10:17 Uhr
Vor zwei Jahren geriet die umstrittene Sicherheitsfirma Asgaard ins Visier der Behörden. Es ging um angebliche Angriffspläne auf einen Politiker der Linkspartei. Die Ermittlungen sind derzeit abgeschlossen.
Von Florian Flade, WDR, und Reiko Pinkert, NDR
Das Bundeskriminalamt (BKA) ermittelt im Auftrag der Bundesanwaltschaft seit fast anderthalb Jahren gegen den Gründer des umstrittenen Sicherheitsunternehmens Asgaard German Security Guards. Es war ein schwerer Verdacht: Der damalige Firmenchef Dirk G., ein ehemaliger Fallschirmjäger der Bundeswehr, soll unter anderem geplant haben, die linke Bundestagsabgeordnete Martina Renner zu töten. Das behauptet zumindest ein ehemaliger Mitarbeiter und später Konkurrent von G. Nach Informationen von WDR und NDR hat die Bundesanwaltschaft das Verfahren gegen Dirk G. aus „sachlichen Gründen“ eingestellt, heißt es in der Einstellungsverfügung vom 24. Mai. Der Verdacht habe sich nicht bestätigt, heißt es. Es liegen keine ausreichenden Gründe für eine Anklage vor.
Asgard geriet in den Fokus der deutschen Sicherheitsdienste, nachdem Vorwürfe bekannt wurden, Rechtsextreme seien in dem Sicherheitsunternehmen aktiv gewesen. Außerdem wurden die Kontakte des Unternehmens zu Behörden hervorgehoben. Ehemalige und aktuelle Bundeswehrsoldaten und Polizisten sollen selbst für Asgar gearbeitet haben. Das Unternehmen war unter anderem im Irak tätig.
Voraussichtliche Planung für „Tag X“
Der Generalbundesanwalt leitete die Ermittlungen ein, weil er vermutete, dass sich der Geschäftsführer des Unternehmens, Dirk G., auf den „Tag X“ im Sommer 2019 vorbereite, „an dem es in Deutschland zu politischen Umwälzungen kommen wird“. G. und andere sollen geplant haben, Politiker und Asylbewerber zu erschießen. Deshalb hat er automatische Waffen und Säcke für Leichen bekommen.
Außerdem Asgard Dirks Boss. D. hat sich mehrfach rassistisch geäußert und ein solches Verhalten seiner Mitarbeiter geduldet. Das teilte ein ehemaliger Mitarbeiter von G. dem Magazin rbb Kontraste mit. Die Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft stützen sich laut Behördenschreiben vor allem auf die Aussagen des ehemaligen Mitarbeiters Bilal Z. Dieser erhebt nicht nur schwere Vorwürfe gegen Contrast, sondern sagt auch umfassend vor den Ermittlungsbehörden gegen seinen ehemaligen Chef aus.
Dirk G. hingegen bestreitet alle Vorwürfe. Bei den Durchsuchungen wurden keine automatischen Waffen gefunden. Es gab auch nie Pläne, einen Politiker der linken Renner-Partei zu erschießen oder sich auf Tag X vorzubereiten. Hinter den Vorwürfen steckt ein Firmenstreit. Der Westfälische Anzeiger hatte vor einem Jahr berichtet, Bilal Z. habe nach seinem Rücktritt von Asgaard mehr als zehn Millionen Euro unterschlagen. Z. selbst wollte sich zu Anfragen von DDR und WDR nicht äußern.
Ermittlungen gegen Elitesoldaten
Im Zuge der Ermittlungen gegen Asgard wurde ein Elitesoldat aus Mecklenburg-Vorpommern durchsucht. Der Militärische Abschirmdienst (MAD) machte eine Röntgenaufnahme von Matthias D., da es Hinweise darauf gab, dass er in der Kampfsportszene aktiv war und dort einen Rechtsextremisten ausbildete. Es gab auch Vorwürfe, der Mann habe MAD-Mitarbeitern mit dem Tod gedroht, wenn er nicht mehr an Auslandseinsätzen teilnehmen dürfe.
Die Polizei traf im September 2020 mit einem Großaufgebot in Neubrandenburg ein und nahm den Soldaten fest. Er wurde dann mehr als ein Jahr lang untersucht, aber der Verdacht bestätigte sich nicht. Das Verfahren der Staatsanwaltschaft Rostock wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat wurde im Dezember 2021 endgültig eingestellt.
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