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Amoks Fahrer wimmerte, als er festgenommen wurde: „Oh! Oh! “

Von Jörg Bergman, Michael Berend, Johannes Boye, Till Birman, Ole Kroning, Isabel Pfancuche, Matthias Lukashevich, Katharina Metag, Anica Raasch, Hannes Ravik, Olaf Wagner und Frank Schneider

Es ist ein sonniger Morgen im Berliner Kudam, als um 10.26 Uhr das Dröhnen eines Motors den sommerlichen Trubel übertönt. In nur einer Minute ist eine Frau tot und 12 Menschen liegen schwer verletzt auf dem Rollfeld. Entlang des Boulevards zieht sich ein 200 Meter langes Streifen der Verwüstung, an dessen Ende ein Kleinwagen in einem Parfümschaufenster steckt.

AMOK RIDE MITTEN IN BERLIN!

Überblick über die Notfallmaßnahmen an der Kreuzung Kurfürstendamm-Tauentzienstraße, nachdem ein Auto mit einer Gruppe von Menschen kollidierte, bevor es am 8. Juni 2022 in Berlin, Deutschland, ein Geschäft traf. REUTERS / Fabrizio Bensch

Mit einem silbernen Renault Clio mit Berliner Kennzeichen rast der Flitzer über den Kudamm in Richtung Wittenbergplatz. Auf Höhe der Gedächtniskirche lenkt er den Wagen von der Straße ab auf den kleinen Platz vor Levi’s Store. Touristen sind dort unterwegs, ebenso die 10. Klasse einer hessischen Realschule mit 24 Kindern und zwei Lehrern auf ihrer letzten Reise.

Das Auto erfasste die Lehrerin (51), sie starb sofort. „Ich habe versucht, den Mann wiederzubeleben“, erinnerte sich der Handwerker später. „Leider ist sie gestorben.“ Der zweite Lehrer und 14 Schüler wurden verletzt.

Der Angreifer zog das Renault-Rad und kehrte auf die Straße zurück. „Zwei lagen auf der Motorhaube“, sagte ein erschrockener Augenzeuge der BZ, „da waren 60 bis 80 Sachen im Auto!“ Menschen sprangen zur Seite, andere flohen panisch, Schreie und Tränen seien zu hören.

An der nächsten Kreuzung in der Marburger Straße kracht der Fahrer in einen silbernen Mercedes, biegt wieder auf den Bürgersteig ab, mäht zwei Passanten, Café-Tische und Blumentöpfe, bevor er gegen das Fenster der Douglas-Filiale prallt.

Rettungshubschrauber landet mitten in Tauentzien Foto: MICHELE TANTUSSI / REUTERS

Der Mann kommt heraus, ist offensichtlich unverletzt und will fliehen. Zeugen halten den großen Glatzkopf fest, bis die Polizei eintrifft. Festnahme!

Amoks Fahrer wimmerte: „Oh! Oh! “

Während die Sanitäter um das Leben der Schwerverletzten kämpfen, wird der tobende Sportler abtransportiert. „Bitte helfen Sie, bitte helfen Sie“, stammelte er. Ein Passant schreit ihn an: „Warum willst du Hilfe? Er hat fast zwei getötet!“ Ein Verwundeter blutet aus dem Kopf, Passanten bringen ihn in eine stabile Seitenlage. Ein Mann sprach ihn beruhigend an: „Warte! Hilfe kommt bald.“

Dutzende Krankenwagen rasen, 130 Polizisten bewachen den Tatort, mehr als 100 Feuerwehrleute sind im Einsatz. Ein Rettungshubschrauber landet auf Tauentzien.

Viele Retter und Polizisten im Einsatz in Tauentzien Foto: Fabian Sommer / dpa

Eine schwangere Frau erlitt einen Oberschenkelbruch und ein Mann einen offenen Oberschenkelbruch. Ein Mädchen (16) wurde mit einem Schädel-Hirn-Trauma ins Krankenhaus gebracht. Sechs Opfer sind am Abend noch in Lebensgefahr, drei weitere gelten als schwer verletzt.

Die Polizei nahm am Abend insgesamt etwa 20 Verletzte auf. Eine konkrete Zahl könne aufgrund der dynamischen Lage nicht genannt werden, hieß es in der Mitteilung. Viele Menschen sind in psychologischer Betreuung.

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Polizisten mit Maschinengewehren bewachen das ganze Areal. Noch ist unklar, ob es sich um einen tragischen Vorfall, eine vorsätzliche Handlung oder gar um einen Terroranschlag handelt. In dem kriminellen Auto wurden Dokumente mit Bezug zur Türkei gefunden. Ein politisches Motiv kann nicht ausgeschlossen werden – aus Sicherheitsgründen werden die umliegenden Gebäude evakuiert. Spezialisten untersuchen das Unfallauto auf Minen.

Retter kümmern sich um das Opfer Foto: Spreepicture

Während Zeugen und Angehörige von Pastoren in einer nahe gelegenen Gedächtniskirche betreut wurden, brachte die Polizei den wütenden Fahrer zu einer nahe gelegenen Polizeistation im Zoo, um seine persönlichen Daten zu überprüfen.

Das ist der 29-jährige Deutsch-Armenier Gore H. – seine fleischigen Hände sind hinter dem Rücken gefesselt. “Oh! er jammert. Er wurde zunächst zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht und dann zur Vernehmung an das LKA überstellt.

Der Unfallfahrer wurde festgenommen und verhört Foto: Olaf Wagner

“Es war überhaupt kein Unfall”, sagte ein Ermittler der BZ, “es war ein Schütze.” Ein Steinmörder.“

Die Polizei hat zur Klärung des genauen Hergangs ein Aktenzeichen (☎ 030-5402411) freigeschaltet und bittet zudem Zeugen, Mediendateien und Videos auf dem LKA-Auskunftsportal hochzuladen.

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Auch am Abend ist die Polizei noch vor Ort und sammelt Spuren. Nach Angaben der dortigen Beamten soll die Aufbewahrung von Beweismitteln bis in die späte Mittwochnacht andauern. Ziel ist die Wiedereröffnung der Straße. Nach Angaben der Ermittler werden die Vor-Ort-Kontrollen am Donnerstag fortgesetzt.