Sie werde die Opernsängerin nicht zum Essen einladen, sagte die deutsche Altkanzlerin. Merkel warnte jedoch davor, russische Künstler generell auszuschließen.
Nach einer Pause kehrt die russisch-österreichische Operndiva Anna Netrebko auf die Bühne zurück – doch ihre Haltung gegenüber ihrem Herkunftsland und ihrem Angriffskrieg wird immer noch kritisiert. Auch die ehemalige deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich kritisch. Merkel erläuterte am Dienstagabend in einem Interview mit SPIEGEL-Reporter Alexander Osang ihre Politik gegenüber Russland. Osang fragte Merkel auch, ob sie Netrebko „morgen“ zum Essen einladen würde. „Nein, das würde ich nicht“, sagte sie. “Politisch hat sie schon Dinge getan, die ich absolut verurteile.” Auf Details der Veranstaltung beim Berliner Ensemble ging Merkel nicht ein.
Netrebko hat lange gebraucht, um sich ausdrücklich von der russischen Invasion in der Ukraine zu distanzieren. 2014 überreichte sie außerdem eine Spende von rund 15.000 Euro an die Donezk-Oper und posierte mit der Flagge des imaginären russisch kontrollierten Noworussland in der Ost- und Südukraine. Das sei so nicht geplant gewesen, sagte sie später. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin soll sie nahe stehen: Er begrüßte sie persönlich, als sie im vergangenen September im Moskauer Kremlpalast ihren 50. Geburtstag feierte.
“Ich bleibe Russe”
Aufgrund ihrer zögerlichen Haltung hatte Netrebko viele Verpflichtungen verloren und sich zwischenzeitlich aktiv zurückgezogen. In einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ sagte sie vergangene Woche: „Ich liebe mein Land, meine Kultur, meine Leute. Ich finde es nicht richtig, was dort gerade passiert, aber ich bleibe Russin.“ Gleichzeitig leugnete sie erneut jede Nähe zu Putin und verurteilte Russlands Angriffskrieg.
Am Dienstagabend warnte Merkel davor, russische Künstler generell zu boykottieren: Wer nicht zu den Unterstützern gehöre, dürfe nicht schlecht behandelt werden, nur weil er Russe sei. „Ich denke nicht, dass wir die russische Kultur jetzt verbieten sollten“, sagte sie. „Ich denke, wir müssen sehen, wer unterstützt, was Putin tut, und wer nicht.“
(APA/dpa)
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