Während behauptet wird, Russland habe kürzlich 40 Bataillons-Kampfgruppen mit 600 bis 800 Soldaten in die Region verlegt, verliert die ukrainische Seite an Kampfkraft und Moral. Es gibt immer mehr Berichte über Deserteure. Den Soldaten, die an den schlimmsten Kämpfen seit Monaten teilgenommen haben, geht offensichtlich die Energie aus, und einige sind verzweifelt. Das Problem: Sie verfügen nicht über die nötige militärische Ausrüstung, um den gewaltigen Artillerieangriffen der Russen entgegenzuwirken. Experten sprechen von einem regelrechten „Feuersturm“, mit dem Putins Armee die Region fegt.
Die westliche Zögerlichkeit rächt sich nun
Im neusten Lagebericht der amerikanischen Denkfabrik ISW steht die Artillerie-Überlegenheit nun bei 10-15:1 zugunsten Russlands. Einige Berichte sprechen sogar von 40:1 weniger Wert für Ukrainer. Zudem geht den ukrainischen Streitkräften allmählich die Munition aus. Laut Geheimdienstberichten gehen sogar die alten Bestände aus der Sowjetzeit zur Neige. Füllung ist kurzfristig nicht sichtbar. Das ist wohl einer der Gründe, warum Gouverneur Haidai seine Worte nicht kleinreden ließ: Die Lage in Sewerodonezk ist für ukrainische Verteidiger dramatisch.
Das hängt auch mit dem monatelangen Zögern im Westen zusammen. Erst spät gelang es den Westalliierten, sich zu bedeutenden Waffenlieferungen zu zwingen. Jetzt läuft die Zeit ab. Der österreichische Militärexperte und Historiker Marcus Reisner sagt, dass den Ukrainern im Donbass derzeit Granatwerfer mit Raketenantrieb fehlen, insbesondere die beiden US-amerikanischen MLRS (Multiple Launch Rocket System) und HIMARS (High Mobility Artillery Rocket System).
Reaktives Salvensystem BM-21 City der russischen Armee. In der Donbass-Region wird immer mehr schwere Artillerie eingesetzt. (Quelle: Verteidigungsministerium Russlands / TASS / imago-images-pictures)
Tatsächlich hatten die Vereinigten Staaten bereits die Lieferung beider Systeme angekündigt, doch dann lenkte Präsident Joe Biden überraschend ein. Offenbar hat auch die Biden-Administration Bedenken, dass die Lieferung von Langstreckensystemen den Konflikt mit Russland weiter eskalieren könnte. Vorsorglich hat Präsident Putin bereits entsprechende Drohungen nach Washington geschickt und davor gewarnt, diese Systeme auszuliefern.
Mit Schiffsabwehrraketen gegen Landziele
Offenbar ist sich der Kremlchef der teils prekären Lage seiner Truppe bewusst. Obwohl Russland im Donbass einen zahlenmäßigen Vorteil in Bezug auf Menschen und Material hat, erschöpft auch Moskau langsam seine Reserven. Das russische Militär wurde bereits gezwungen, MLRS-Raketen und 152-mm-Haubitzen aus der Region Irkutsk nach Sibirien im Donbass zu verlegen. Inzwischen verwendet es auch mehr alte und ausgemusterte Materialien, wie den Panzer T-62 oder die Schiffsabwehrraketen Rainbow Ch-22.
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