Swarovski-Filiale in Wien
Da seit Beginn der Corona-Pandemie weniger Menschen um die Welt gereist sind und viele Filialen geschlossen haben, ist der Umsatz zuletzt um etwa 35 Prozent eingebrochen.
(Foto: Bloomberg)
Düsseldorf Erstmals wird ein Chef ohne Familie den österreichischen Schmuckhersteller Swarovski führen. Ab dem 4. Juli übernimmt Alexis Nasard, wie Swarovski am Mittwoch auf einer Betriebsversammlung mitteilte. Damit endet ein langer Streit für die Unternehmensführung.
„Mit der Ernennung von Alexis Nasard haben wir einen weiteren wichtigen Schritt bei der Umsetzung der neuen Swarovski-Administration gemacht und vor allem ist es uns gelungen, einen sehr erfahrenen und effektiven Manager zu gewinnen“, sagte Louisa Delgado, Vorstandsvorsitzende. Er kann das österreichische Unternehmen erfolgreich in die Zukunft führen.
Damit besteht nun die Chance, wieder Ruhe in das Familienunternehmen zu bringen, das in den vergangenen Jahren mit Umsatzrückgängen und Verlusten zu kämpfen hatte. Die Frage, wie – und vor allem von wem – Swarovski regiert werden sollte, führte zu einem Machtkampf in der Familie.
Vorläufiger Schwerpunkt im vergangenen Oktober war der Rücktritt von CEO Robert Buchbauer und CFO Matthias Margreiter, die beide der fünften Generation der Familie angehörten. Seitdem wird das Unternehmen kommissarisch von Swarovskis langjährigem Manager Michel Molon geleitet.
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Mit Nasard an der Spitze soll der Neuanfang gelingen. Seine wichtigsten Aufgaben werden es sein, die Transformation des Kristallschmuckherstellers zu einer echten Luxusmarke zu vollenden und das Unternehmen wieder auf profitablen Wachstumskurs zu bringen. Da seit Beginn der Corona-Pandemie weniger Menschen um die Welt gereist sind und viele Filialen geschlossen haben, ist der Umsatz zuletzt um etwa 35 Prozent eingebrochen. Viele Mitarbeiter verloren ihre Jobs.
Langjährige Erfahrung in Heineken und Bata
Rückenwind braucht Nasard der ehemalige Hausmeister Molon, der auf die neu geschaffene Position des Chief Operating Officer wechselt und dort seine Erfahrung einbringen kann. Mit 23.500 Mitarbeitern erzielte Swarovski zuletzt einen Jahresumsatz von rund 2,5 Milliarden Euro.
In einer Mitteilung betont das Unternehmen, mit Nasard einen internationalen Top-Manager gewonnen zu haben, der bereits sehr erfolgreich Unternehmen geführt und Transformationsprozesse umgesetzt hat. Er verfügt außerdem über umfangreiche Erfahrung bei führenden und innovativen globalen Marken in der Mode- und Konsumgüterbranche.
Alexis Nassard
Swarovskis neuer Chef muss das Familienunternehmen noch stärker als Luxusmarke positionieren.
Tatsächlich hat Nasard einige Erfahrung mit internationalen Konsumgüterherstellern. Er begann seine Karriere bei Procter & Gamble. Anschließend wechselte er zum Brauereikonzern Heineken, wo er zuletzt als Head of Business in Westeuropa und Global Head of Marketing tätig war. Danach übernahm er für fünf Jahre die Führung der Schweizer Schuhmarke Bata.
Danach war seine Zusammenarbeit mit Kantar weniger erfolgreich. Nur wenige Monate später trat er als Leiter der Marktforschung zurück. Die Gründe, warum es nicht passte, waren damals unbekannt.
Es sollte jetzt besser zur Kristallgruppe passen. „Ich bin begeistert, zu Swarovski zu wechseln und freue mich auf die Herausforderung, die Transformation des Unternehmens zu leiten und die Marke Swarovski auf dem Luxusmarkt zu konsolidieren, was bereits auf dem Markt spürbar ist“, sagte er vor seinem Amtsantritt. Das Unternehmen sei eine „kulturelle Ikone“, die eine „einzigartige Stellung in der Welt des Schmucks, des Designs, der Mode und der Bühne und der Leinwand“ habe.
Die Familie, die er besitzt, würde gerne wieder Dividenden sehen
Bisher hat der Manager jedoch keine Erfahrung in der Führung einer Luxusmarke. Er war nur anderthalb Jahre im Beirat von Salvatore Ferragamo.
Seine wichtigste Aufgabe ist es jedenfalls, das 127 Jahre alte Unternehmen mit viel Fingerspitzengefühl von einem Familienunternehmen zu formen. Dabei soll helfen, dass Swarovski seit November vergangenen Jahres einen neuen Aufsichtsrat hat, in dem erstmals familienunabhängige Mitglieder die Mehrheit haben.
>> Lesen Sie hier: Wie der Familienstreit bei Swarovski eskaliert
Vorausgegangen war diesem Wechsel im vergangenen Sommer eine Eskalation des Streits zwischen den verschiedenen Stämmen der Familie. Damals warfen zwölf Familienmitglieder und Gesellschafter, die nach eigenen Angaben zusammen mehr als 40 Prozent der Aktien hielten, Buchbauer und Margreiter “Führungsfehler” vor. Sie forderten daher, die operative Führung in die Hände familienunabhängiger Manager zu legen.
Entsprechend hoch sind Nasards Erwartungen. Denn er muss nicht nur die Umwandlung des Unternehmens bewältigen, sondern auch dafür sorgen, dass rund 200 zuwendungsberechtigte Familienmitglieder wieder eine Dividende erhalten, auf die sie in den Vorjahren verzichten mussten.
Mehr: Innovationen im Luxusschmuck – Familienunternehmer Georg Welendorf erfindet elastisches Gold
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