Stand: 14.06.2022 17:47 Uhr
Energiekosten, Lebensmittelpreise, Klimakrise – die deutschen Landwirte stehen vor großen Herausforderungen. Am Farmer’s Day versprach Landwirtschaftsminister Yozdemir große Veränderungen und präsentierte drei konkrete Ziele.
Landwirtschaftsminister Cem Yozdemir hat den Landwirten in der aktuellen Krise Unterstützung zugesagt. In seiner Rede beim Lübecker Bauerntag betonte er die zentrale Bedeutung der Landwirtschaft für Deutschland. Neben der finanziellen Unterstützung sollen konkrete Maßnahmen ergriffen werden, etwa die Nutzung ökologischer Vorrangflächen für Getreide oder die Aussetzung des für 2023 geplanten Fruchtfolgeplans. Yozdemir forderte außerdem eine vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer auf bestimmte Produkte.
Aktuelle und alte Probleme
Gleichzeitig schwor er den Landwirten, große Veränderungen vorzunehmen. Es gibt große Herausforderungen, einerseits durch den aktuellen Krieg in der Ukraine, andererseits aber auch seit langem bekannte, aber nicht gelöste Probleme. Dazu gehören Farmsterben, Überdüngung und vor allem die Klimakrise. Deshalb müsse man Neues wagen und Altes hinterfragen – „so wie es ist, kann es nicht weitergehen“.
Rede von Landwirtschaftsminister Yozdemir zu Ernährungssicherheit und verbessertem Tierschutz
Lilli Michaelsen, DDR, Tagesschau 17:00, 14.6.2022
Yozdemir sprach sich für pragmatische Lösungen aus, warnte aber davor, die klimafreundliche Transformation der Landwirtschaft aufgrund der aktuellen Krise in Frage zu stellen. Wer so denkt, tut der Generation der Kinder und Enkelkinder einen „Tütendienst“.
Für sein Mandat hat er sich drei Ziele gesetzt: Einerseits muss die Versorgungssicherheit in Deutschland und weltweit gewährleistet werden, andererseits muss der Klimaschutz eine größere Rolle spielen. Schließlich müssen das Leben auf dem Land und die Höfe eine gute Zukunftsperspektive haben.
Tierhaltung und finanzielle Sicherheit
Diese Ziele will er durch verschiedene Maßnahmen erreichen. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Label, das fünf verschiedene Zuchtformen kennzeichnet und zunächst nur für Schweine eingeführt werden soll. Yozdemir betonte, dass auch die Verbraucher ihre Gewohnheiten ändern müssten: „Wenn das Tier besser werden soll, muss das der Landwirt auch in seinem Portemonnaie merken.“ Außerdem versprach er, den Landwirten eine langfristige Perspektive für die Finanzierung des Übergangs zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft zu bieten und die Bau- und Genehmigungsgesetze für den Stallbau anzupassen.
die Preise werden steigen
Kurzfristig werden die Lebensmittelpreise dadurch jedoch nicht günstiger. Im Gegenteil, der Minister erwartet „Erhöhungen im Herbst und Winter, weil Händler jetzt teure Energie liefern müssen und die Erhöhung an die Kunden weitergegeben wird“.
Farmers President Joachim Ruquid hat sich bereits ähnlich geäußert. „Dünger kostet viermal so viel, Futtermittel sind doppelt so teuer und Diesel ist kaum noch erhältlich“, sagte er dem NDR. Daher müssen die Preise für landwirtschaftliche Produkte weiter steigen.
Mehr Brachflächen nutzen?
Rukwied setzt sich für die vorübergehende Nutzung zusätzlicher Flächen ein, wodurch 1,4 Millionen Tonnen Weizen produziert werden könnten – bei einer Gesamternte von mehr als 40 Millionen Tonnen Getreide in Deutschland. Jeder zusätzliche Ton schwäche den Angreifer Russland, argumentiert der Präsident der Farm. Er erwartet, dass die Politik das Tool nutzt.
Tagesschau live: Landwirtschaftsminister Yozdemir über das Etikett des Tierschutzes
14. Juni 2022, 17:12 Uhr
Gleichzeitig machte Ruquid deutlich, dass es in der Agrarpolitik ein “glasklares Nein” für das generelle Gesicht gebe. Am Wandel hin zu mehr Resilienz und Klimaschutz muss weiter gearbeitet werden. Allerdings müssen die Regelungen angepasst werden.
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