Germany

Wahlen in Frankreich: Macron dürfte die absolute Mehrheit verfehlen

Stand: 19.06.2022 20:40

Das Lager von Präsident Macron wird voraussichtlich bei der zweiten Runde der Parlamentswahlen in Frankreich die absolute Mehrheit im Parlament verlieren. In der Opposition gewinnt das Bündnis des Linkspolitikers Melenchon an Einfluss.

Das Ensemble des Wahlbündnisses des französischen Präsidenten Emmanuel Macron steht kurz davor, die absolute Mehrheit im Parlament zu verlieren. Das sagen die ersten Prognosen. In der letzten Runde der Parlamentswahlen erreichten die Liberalen 210 zu 250 von 577 Sitzen. Eine absolute Mehrheit erfordert mindestens 289 Sitze.

Bei den Parlamentswahlen machte sich Macron Sorgen, ob er seine Pläne in seiner zweiten Amtszeit durchsetzen kann. Jetzt sind Präsident und Regierung mit relativer Mehrheit gezwungen, Unterstützung aus anderen Lagern zu suchen. Je nach Projekt werden sie versuchen, sich auf Mitte-Links- oder Mitte-Rechts-Kräfte zu stützen.

Das Ergebnis ist ein schwerer Schlag für Macron, dessen Lager derzeit die absolute Mehrheit im Unterhaus des Parlaments hält. Parlamentswahlen, die kurz nach den Präsidentschaftswahlen abgehalten werden, gelten meist als Bestätigung, so dass oft dieselbe politische Kraft mit absoluter Mehrheit gewinnt.

Auch für Macrons Kabinett ist die Wahl wichtig. Etwa 15 Minister kandidieren auch für das Parlament. Macron kündigte an, dass sie zurücktreten müssen, wenn sie ihren Wahlkreis nicht gewinnen.

Erfolg für die Linksgewerkschaft und die Rechtspopulisten

Das neue Linksbündnis unter der Führung von Jean-Luc Melenchon hingegen war äußerst erfolgreich und gewann als stärkste Oppositionsgruppe an Einfluss.

Schätzungen zufolge könnte die rechtsextreme Nationalpartei von Marin Le Pen 60 bis 100 Abgeordnete in der Nationalversammlung haben. Sie wird erstmals eine eigene Fraktion bilden, was wiederum mehr finanzielle Unterstützung und mehr Redezeit bedeuten würde. Bisher hat sie nur acht Sitze in der Nationalversammlung.

Macron selbst wurde erst vor vier Wochen für weitere fünf Jahre zum Präsidenten gewählt. In der Stichwahl setzte er sich mit rund 59 Prozent der Stimmen gegen Le Pen durch und löste damit in weiten Teilen Europas ein Aufatmen aus.