Germany

Kohle statt Gas: Industrie unterstützt Habeks Pläne

Die Branche unterstützt die Pläne von Wirtschaftsminister Robert Habek (Grüne), den Gasverbrauch angesichts begrenzter russischer Vorräte zu senken – und wieder stärker auf Kohleverstromung zu setzen. „Wir müssen den Gasverbrauch so weit wie möglich reduzieren, jede Kilowattstunde ist wichtig“, sagte Branchenpräsident Siegfried Ruswurm der Deutschen Presse-Agentur.

Ruswurm sagte, Deutschland müsse so viele andere Energiequellen wie möglich finden. Unternehmen müssen zum Beispiel nach Möglichkeit auf Öl umsteigen. „Aber eine Reihe industrieller Prozesse funktionieren nur mit Gas. Gasknappheit droht die Produktion zu stoppen.“ Die Gasförderung müsse gestoppt und Kohlekraftwerke sofort aus der Reserve genommen werden, bestätigte Ruswurm. Erneuerbare Energien müssen deutlich beschleunigt werden. Politik und Verwaltung müssen den Turbo anwerfen, um schnellstmöglich neue Flächen für Wind- und Solarkraftwerke zu identifizieren.

Der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, sagte dem Tagesspiegel zu dem Plan, vorübergehend stärker auf Kohlekraftwerke zu setzen, und sagte, es sei klimapolitisch keine leichte Entscheidung: „Aber es ist notwendig, den Gasverbrauch in der Produktion zu senken von Strom.”

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Habek will zusätzliche Maßnahmen ergreifen, um Gas zu sparen und Vorsorgemaßnahmen zu erhöhen. Um dem entgegenzuwirken, muss der Einsatz von Gas für Strom und Industrie reduziert und mehr Kohlekraftwerke eingesetzt werden. Sie sollen die Stromerzeugung in Erdgaskraftwerken weitestgehend ersetzen. Die Befüllung von Gasspeichern muss gefördert werden. Zudem startet im Sommer ein Gasauktionsmodell, das Industriegasverbraucher zum Gassparen animieren soll.

Im ZDF-„heute journal“ zeigte sich Habek überzeugt, dass die Versorgung für den kommenden Winter gesichert sei. „Entscheidend ist, dass die Gasspeicher im Winter voll sind – und zwar zu 90 Prozent.“ Aktuell sind es 57 Prozent. Es sei eine “Art Nahkampf” gewesen, bei dem Kreml-Chef Wladimir Putin zunächst den längeren Arm hatte. “Aber das bedeutet nicht, dass wir durch Anstrengung keine stärkere Hand bekommen können”, sagte Habek.

Grünen-Chef Omid Nuripur sagte am Montag, seine Partei werde am Kohleausstieg bis 2030 festhalten. Als schmerzlich bezeichnete er, dass immer mehr Kohlekraftwerke zur Stromerzeugung genutzt würden. „Aber vor allem muss der Kohleausstieg bis 2030 bestehen bleiben“, sagte Nuripur. Und zweitens muss der Ausbau erneuerbarer Energien noch mutiger vorangetrieben werden. Nuripur lehnte eine Debatte über die Verlängerung der Lebensdauer des Atoms ab. „Ein Weiterbetrieb der drei Kernkraftwerke ist einfach nicht machbar“, sagte er.

VDMA begrüßt Auktionsmodell – Kritik aus dem Mittelstand

Präsident Karl Heusgen sagte dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau VDMA, die Industrie unterstütze vor allem das Vorhaben, durch Ausschreibungen einen reduzierten Gasverbrauch in der Industrie zu erreichen. „Das lenkt die Reduktion dahin, wo der geringste Schaden ist.“ Wirkungsvoll, aber sehr empfindlich sei dagegen der mögliche Eingriff in die Stromproduktion. „Kurzfristig kann mehr Kohlestrom aus Ersatzkraftwerken helfen, aber wir dürfen die Klimaschutzziele nicht aus den Augen verlieren.“

Wolfgang Grosse Entrup, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie, sagte: „Deutschland muss schnell und pragmatisch alle Möglichkeiten nutzen, um Gas dort einzusparen, wo es ersetzt werden kann.“ Insbesondere beim Umstieg von Gas auf Kohle müssen alle Kapazitäten diskriminierungsfrei genutzt werden können. Große Entrup begrüßt das von Habeck angekündigte Gasauktionsmodell zur Einsparung von Industriegas als marktwirtschaftliches Instrument.

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KMU stehen den Plänen kritisch gegenüber. „Angesichts des reduzierten Angebots an russischem Gas wächst bei kleinen und mittleren Unternehmen die Sorge, dass sie zwischen dem warmen Alltag privater Verbraucher und dem Rohstoffbedarf der Großindustrie an Energieversorgung verlieren“, sagte Marcus Yerger, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Mittelständischen Wirtschaft (BVMW) Redaktionsnetzwerk Deutschland. Habeks Plan, Gas über Ausschreibungen zu verteilen, könnte dazu führen, dass sich kleine und mittelständische Unternehmen eine Ausschreibung nicht mehr leisten können.

Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des Stadtwerke-Dienstleistungsverbandes VKU, forderte eine angemessene Reaktion und gegebenenfalls dringendes Handeln. „Sachgerecht ist vor allem die Rückkehr von Kohlekraftwerken in den Strommarkt.“ Der VKU in Deutschland warnt jedoch vor einem „totalen Verbot“ der Gasstromerzeugung oder Bußgeldern.

Österreich schließt das Kohlekraftwerk ans Netz an

Während Deutschland diskutiert, agiert die Bundesregierung in Österreich. Das Bundeskanzleramt in Wien kündigte am Sonntag an, ein stillgelegtes Kohlekraftwerk zu reaktivieren. Die Behörden und Österreichs größter Stromerzeuger, der Verbund-Konzern, arbeiten daran, das Kraftwerk Melach im Süden Österreichs wieder auf Kohlebetrieb vorzubereiten. Oberstes Ziel sei die Sicherung der Gasversorgung Österreichs, sagte Bundeskanzler Karl Nehammer.

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