Ein Stück Paprika für 1,39 Euro. Ein Kilo Tomaten für 3,99 Euro. Ein Kilo Aprikosen für 4,16 Euro. Nicht Bio, sondern aus Österreich. Preise in Supermärkten, die selbst Menschen mit hohem Einkommen zum Schlucken bringen dürften. Die Folge: Inländische Ware bleibt im Regal, ausländische landet im Einkaufswagen. Das zumindest ist die Kritik österreichischer Landwirte.
Tatsächlich sagte er am Dienstag in einer Aussendung: „Zwei Drittel der Verbraucher sind sich bewusst, wie viel sie für ihren täglichen Einkauf ausgeben und greifen vermehrt zu günstigeren Produkten.“ Der Bauernverband sagte dem ORF auch, Verbraucher würden zunehmend billig einkaufen Lebensmittel.
APA / Helmut Fohringer Marchfeld in Niederösterreich gilt als Hochburg des Spargels – doch wird er genügend Abnehmer finden?
Lokale Bauern stehen unter Druck
Neben der geringeren Nachfrage kämpfen lokale Obst- und Gemüseproduzenten bereits jetzt mit veränderten klimatischen Bedingungen und steigenden Kosten. Sei es in Bezug auf höhere Produktionspreise wie Energie und Düngemittel oder die Löhne der Arbeiter.
Debatte
Was sind die Vorteile von Obst und Gemüse aus der Region?
Obwohl ein Teil der Kosten durch das 110-Millionen-Euro-Versorgungssicherheitspaket des Landwirtschaftsministeriums gemildert wird, könnten ausländische Konkurrenzpreise nicht gehalten werden, so der Tenor. Bestes Beispiel: Spargel.
Spargel zu “Dumpingpreisen”
Frischer Spargel aus Spanien oder Südamerika werde zu Dumpingpreisen in den Regalen verkauft – „weit unter den Kosten der heimischen Produktion“ – kritisierte der Bauernverband. Laut Marchfeld-Spargelobmann Werner Magoschitz sind mittlerweile 50 Prozent des österreichischen Bedarfs Importe, was dazu führt, dass die heimischen Bauern etwa ein Drittel ihrer Ware nicht absetzen können.
„Während Gemüse aus fernen Ländern mit hohem CO2-Ausstoß nach Österreich transportiert und hier zu Dumpingpreisen verkauft wird, bleiben den heimischen Bauern die Früchte ihrer harten Arbeit“, sagte Magoschitz am Dienstag. Hohe Löhne im Vergleich zu konkurrierenden Nachbarländern, hohe Qualitäts- und Umweltstandards und eine witterungsbedingt geringere Ernte 2022 würden die heimischen Spargelbauern am Ende der Saison vor „existenzielle Herausforderungen“ stellen.
APA / Harald Schneider Aufgrund hoher Kosten, nicht zuletzt für die Ernte, wird heimischer Spargel für viele zum Luxus
Aufruf: Regionale Lebensmittelpriorität
Mehr noch: Der hohe Importanteil zerstöre “etablierte Strukturen und bedrohe langfristig die Versorgungssicherheit”, sagt Magosic. Er sieht den Handel in der Verantwortung, den Kunden mehr Spargel anzubieten als die österreichische Produktion. Auch der Präsident des Bauernverbandes und Landwirtschaftssprecher Georg Strasser sagte: „Es braucht ein klares Bekenntnis der Handelsketten, regionalen Lebensmitteln Vorrang vor Importware zu geben.“
Unterstützung für die Position der Landwirte kommt von Landwirtschaftsminister Totschnig, der den Lebensmitteleinzelhandel und mehr „regionalen Zusammenhalt“ fordert: „Gerade in Zeiten wie diesen, in denen die Lebensmittelselbstversorgung wichtiger denn je ist, muss es unser Ziel sein, sie zu stärken Regionale Produktion.”
Wer regional einkauft, bekommt beste Qualität, stärkt bäuerliche Familienbetriebe, schont die Umwelt durch kürzere Transportwege und die Wertschöpfung bleibt im Land. „Aber dieser Kreislauf ist nur möglich, wenn der Lebensmitteleinzelhandel immer mehr regionale Produkte anbietet, damit Verbraucher ihre Kaufentscheidung treffen können“, sagte Totschnig gegenüber ORF.at.
Handel: 50 Prozent Obst und Gemüse aus Österreich
Auf Nachfrage von ORF.at beim Gewerbeverband (HV) sagte diese, die Forderungen des Marchfeldspargelverbandes seien nicht nachvollziehbar. „Unsere Händler kaufen nach Möglichkeit österreichische Ware ein“, sagt Rainer Will, Geschäftsführer der HV. Aufgrund der Nachfrage vor Saisonbeginn wird Spargel bis zum Erntebeginn in Österreich beispielsweise aus Peru importiert. 47 Prozent des Bedarfs können durch heimischen Spargel gedeckt werden.
Insgesamt liegt Österreichs Anteil am Handel mit Obst- und Gemüselebensmitteln laut HV im Jahresdurchschnitt bei etwa 50 Prozent, in den Sommermonaten sogar bei über 75 Prozent. Es gehe auch darum, „für jedes Portfolio das richtige Produkt“ anzubieten. Allerdings seien „Maßnahmen zur schnellen Kaufkraftstabilisierung“ nötig, um die Kaufentscheidung zugunsten regionaler Lebensmittel zu unterstützen.
ORF / Georg Hummer Weniger Geld im Portemonnaie, weniger heimisches Obst und Gemüse im Einkaufswagen und dadurch wohl auch weniger im Regal
Frisches Obst und Gemüse als Luxus?
Zuletzt berichtete Falter ausführlich über die Probleme lokaler Obst- und Gemüseproduzenten beim Absatz ihrer Ware. In dem Artikel heißt es zum Beispiel, dass dieses Jahr Erdbeeren, Salat und Spargel auf dem Feld verrotten, weil es keine Abnehmer gibt. „Landwirte sollten nur bremsend eingreifen“, hieß es. Alle vier großen Ketten – Spar, Rewe, Hofer und Lidl – haben die Vorwürfe gegen Falter zurückgewiesen. Österreichische Produkte werden nach Möglichkeit bevorzugt.
Aber eines ist klar: Was sich auch verkaufen lässt, wird gekauft. Doch werden frisches Obst und Gemüse aus Österreich dadurch zu „Luxusgütern“, fragt Falter. Manfred Kolfurst, Obmann der Steirischen Obstbauern, wird hier zitiert. Er sagt: „Meine Eltern mussten viel mehr für ihr Essen ausgeben als wir. Unsere Kinder werden es wieder tun müssen.”
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