Der Waldbrand in Gohrischheide breitet sich aus
In Gohrischheide brennt noch immer ein mit Munition verseuchter Wald. Inzwischen sind die Flammen über einen Bahndamm gesprungen.
So sahen die Einsatzkräfte in der Nacht zum Donnerstag: Ein Blick auf den Waldbrand in Gohrischheide, einem seit langem militärisch genutzten Sperrgebiet an der sächsisch-brandenburgischen Landesgrenze. © Christoph Scharf
Zeit Hain Im nördlichen Teil des Landkreises Meißen bereiten sich die Feuerwehrleute auf einen längeren Einsatz vor. Der bis nach Brandenburg reichende Waldbrand in der Gohrischheide könnte die Einsatzkräfte bei unverändertem Wetter bis Sonntag beschäftigen, so Einsatzleiter Matthias Heidel.
Am Freitagnachmittag breitete sich das Feuer noch weiter aus – über die Gleise der Bahnstrecke Röderau-Falkenberg in einem Wirtschaftswald. Jetzt brennt es oben auf den Bäumen. Teile des Geländes müssten aufgegeben werden, teilte die Feuerwehr mit. Gegen 15 Uhr wird zudem ein Löschhubschrauber der Bundeswehr erwartet. Bisher wurden mehr als 200 Hektar Wald abgebrannt.
Betriebsleiter Matthias Heidel erklärt einem Reporter die Situation. © Feuerwehr Zeithain
Die Brandursache ist noch unklar. Laut Matthias Heidel kann sich Munition bei grellem Sonnenlicht entzünden. Nach ersten Informationen begann es jedoch am Donnerstagnachmittag an zwei Stellen zu brennen.
Wegen des Brandes muss auch die S89 am frühen Freitagnachmittag gesperrt werden. Auf dem Weg nach Nieska und Heidehäuser ist einfach zu viel Verkehr. Die Bahnstrecke ist wieder gesperrt.
Sächsische.de hat bisher bekannt gegeben:
Der Grund ist die riesige Munitionsladung in dem Gebiet, das etwa ein Jahrhundert lang als Schießstand für die Artillerie genutzt wurde.
Wo seit Donnerstagnachmittag Gehölze und Nadelwälder brennen, liegt noch jede Menge Staub im Boden, vor allem aus der Zeit der Nutzung durch die Sowjetarmee. Daher ist es nicht möglich, die Flammen in unmittelbarer Nähe zu bekämpfen oder Brandstreifen zu pflügen.
Deshalb konzentrieren sich rund 200 Feuerwehrleute aus Sachsen und Brandenburg darauf, in dem knapp 3.000 Hektar großen Sperrgebiet eine weitere Ausbreitung des Waldbrandes zu verhindern.
Feuerwehrautos fahren per Shuttle, um Wasser von einem Kiessee in das Sperrgebiet zu liefern. © Christoph Scharf
Unter Leitung der Feuerwehr Zeithainer wurden am Donnerstag Schaumteppiche verlegt, damit die inzwischen gesperrte Bahnstrecke Röderau-Falkenberg am Abend wieder freigegeben werden konnte.
Brandenburger Feuerwehrleute verhinderten ein Übergreifen des Feuers weiter nach Westen, indem sie eine sogenannte Sperrstellung nahe der Bahnlinie bei Altenau errichteten.
Unterdessen setzt das THW Kettensägen ein, um Wege für Feuerwehrfahrzeuge freizumachen und große Tanks für die Löschwasserversorgung anzulegen. Mehrere Panzerlöschfahrzeuge aus der gesamten Region werden im Pendelverkehr von Kiessee Nieska zur Wasserversorgung der Front eingesetzt.
Die Bekämpfung von Waldbränden ist eine logistische Herausforderung
Zwischenzeitlich wurde über den Einsatz eines Löschhubschraubers nachgedacht. Inzwischen hat sich der Einsatz von Aufklärungsdrohnen für die Arbeit der Feuerwehr als unverzichtbar erwiesen: Drei Teams aus Sachsen und Brandenburg sind vor Ort stationiert, um die Ausbreitung der Flammen aus der Luft zu überwachen. Mit Hilfe von Wärmebildkameras ist dies auch nachts möglich.
Allein auf sächsischer Seite hielten 50 Kameraden die ganze Nacht die Festung. Die brandenburgischen Kameraden waren am Donnerstag zu Stoßzeiten mit 120 Feuerwehrleuten und 21 Fahrzeugen im Einsatz.
Am späten Donnerstagabend bringt der Verpflegungszug der Johanniter warme Mahlzeiten zu 100 Einsatzkräften in Gohrischheide. Sie sind seit Stunden da. © Christoph Scharf
Die Zahl der Nachtkräfte kann auf drei Tanklöschfahrzeuge reduziert werden. Es sei deutlich geworden, „dass die sächsischen Kameraden einen hervorragenden Job machen“, sagte Stadtpolizeipräsident Matthias Bauer von Liebenverda.
Auch die Waldbrandbekämpfung ist eine logistische Herausforderung: Am Donnerstagnachmittag begaben sich einige Kameraden direkt von der Arbeit zu einem einstündigen Einsatz.
Auf sächsischer Seite organisierte der Katastrophenschutz der Johanniter in Glaubitz die Lieferungen: Sie brachten in der Nacht heiße Würste, Brötchen und Mineralwasser für 100 Einsatzkräfte in Gohrischheide und sorgten am Freitagmorgen auch für Kaffee und Frühstück.
Mehrere Feuerwehren rückten am Donnerstag nach Gohrischheide aus. ©Sebastian Schultz
Offenbar haben die Kameraden einen längeren Einsatz: Am Freitagmorgen wird gemeldet, dass der Waldbrand auf Brandenburg übergreift. Entscheidend ist jetzt, wie sich der Wind entwickelt. Zur Brandursache gibt es keine Angaben, die Polizei ist vor Ort und führt eine Kontrolle durch. (mit Frank Klaus / LR)
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