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Berlin muss Wasser sparen! – BZ – Die Stimme Berlins

Von Björn Troutwin

Die Regentonnen sind noch voll. Rund 500 Liter hat Wolfgang Beyer (68) in seinem kleinen Garten gesammelt. “Ich komme damit klar”, sagt er.

Hier, in der Gartenkolonie „Grüner Grund“ mitten in Lichtenberg, sieht man, was in den nächsten Jahren auf Berlin zukommen wird: ein neuer Umgang mit unserem Wasser.

Am Eingang hängt ein Zettel mit Tipps zum Wassersparen wegen der Dürre. Fazit: Weniger blasen, Wasserbeutel verwenden, auf Tröpfchenbewässerung umstellen. Sein Nachbar schreit durch den Zaun: „Ich trainiere meine Pflanzen schon so, dass ich sie nur noch jeden zweiten Tag gießen kann. Daran müssen sie sich gewöhnen.”

Gärtner Wolfgang Beyer, 68, ist Vorsitzender der Gartenfreunde in Lichtenberg. Statt Gartenteich nutzt er die Regentonne Foto: Olaf Selchow

„Das Thema Wasser steht schon lange auf unserer Agenda“, sagt Wolfgang Beyer, der auch Vorsitzender der Gartenfreunde Lichtenberg ist. Er wäre auch zu drastischen Maßnahmen bereit: “Wir überlegen, ob wir mehr Pools in den Parzellen zulassen”, sagt Beyer, “ich halte das nicht für notwendig.”

Sprühverbot im Garten des Grundstücks? Noch vor wenigen Jahren kaum möglich, aber vielleicht ein wichtiger Schritt in Zeiten des Klimawandels. Denn Berlin muss Wasser sparen.

Und das gilt nicht nur für die kleine Kolonie mit 36 ​​Parzellen. Das gilt für ganz Berlin. Im Durchschnitt verbrauchen wir täglich etwa 130 Liter pro Person. Ein Aufwärts-Trend. Doch dieses lebenswichtige Gut wird immer knapper.

Die Auswirkungen des Klimawandels setzen der Stadt zu. Dieses Jahr waren wir das trockenste Bundesland.

Peter Harbauer (41) verwandelt mit seinen Kollegen den Berliner Wald. Kiefernwälder wurden durch Laubbäume ersetzt, die der Hitze besser standhalten. Foto: Olaf Selchow

In Hönov sind bereits mehrere Seen ausgetrocknet, der Pegel des Flughafensees sinkt und ein Drittel der vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) untersuchten Seen befindet sich in kritischem Zustand.

Auch Berliner Bäume stehen schlecht da. „Ausbleibende Niederschläge zu Beginn der Vegetationsperiode können zu weniger Blatt- oder Nadelbildung und Trockenstress führen, was Bäume sehr früh im Jahr anfällig für Pilze und Insekten macht“, sagt Paul Harbauer, 41, Förster beim Forstamt Köpenick .

Der Boden ist zu trocken, sein Wassergehalt beträgt bis zu einer Tiefe von 85 Zentimetern nur 27 Prozent und liegt damit im kritischen Bereich. Ein Sprecher des Senats für Umwelt der BZ: „Eine Entspannung der Lage ist derzeit nicht zu erwarten.“

Gloria Abel, 54, überwacht das Grundwasser der Berliner Wasserleitung. Normalerweise funktioniert das per Funk, hier misst es mit dem Lichtlot genau nach dem Foto: Olaf Selchow

Flüsse haben auch zu wenig Wasser. Daher beträgt der Gesamtzufluss der Spree nur noch 8,83 Kubikmeter pro Sekunde, was laut Umweltsenat die Hälfte dessen ist, was normalerweise im Mai fließt. Auch die Havel erhält nur halb so viel Wasser wie damals üblich. Der Wasserstand in Spandau liegt bereits drei Zentimeter unter dem Zielwert von 31,51 Meter über NN.

Beim Wasser geht Gloria Abel (54) keine Kompromisse ein. Sie steht am Havelufer in Grunewald und begutachtet jedes Auto genau. „Habt ihr einen Öltank?“, fragt sie mich und den BZ-Fotografen, „hier sind wir in einem Wasserschutzgebiet, sonst könnt ihr hier nicht bleiben.“ Sie überwacht das Grundwasser für die Berliner Wasserbetriebe. Stattdessen ragen dünne grüne Rohre aus dem Boden.

Weidenpfuhl in Hönow ist versiegt. Etwa ein Drittel der Berliner Kleinbäder sind in kritischem Zustand Foto: Alles Mahlsdorf

Hier an der Havel ist alles in Ordnung. Da Flüsse in Berlin durch Niedrigwasser verstopft werden können, bleibt auch das Grundwasser stabil. „Es ist wie in einer Badewanne“, sagt Gloria Abel. Das gilt aber nicht für ganz Berlin. „Die letzten Trockenjahre haben auch das Grundwasser in Mitleidenschaft gezogen. Besonders betroffen sind die Löhne im Süden und Norden. Dort sinken die Pegel derzeit mindestens einen halben Meter unter den normalen Durchschnitt.“

Deshalb warnt Verena Fehlenberg vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND): „Schon heute sind die Grundwasservorräte aller Wasserwerke um durchschnittlich zwei Prozent übernutzt. Zudem führt die starke Verdichtung durch bebaute und befestigte Flächen in Berlin dazu, dass immer weniger Regen in den Boden eindringen und das Grundwasser anreichern kann.“ Denn: „Der Regen fließt nur an der Oberfläche, landet in der Kanalisation und hinterlässt die Stadt ungenutzt.“

Da der Regen immer ungleichmäßiger regnet, sollen spezielle Rückhaltebecken dafür sorgen, dass Wasser nicht unkontrolliert in die Kanalisation fließt, sondern im Boden versickert. Das Prinzip heißt: „Pilzstadt“ Foto: Olaf Selchow

Dem wirkt der Senat mit dem Projekt Mushroom City entgegen. In Neubaugebieten in Johannistal, Alt-Glinike und Schöneberg sind große Tümpel und Furchen entstanden, durch die Regen sickert.

Darüber hinaus prüfen Wasserversorgungsunternehmen, ob zwei Wasserversorgungsunternehmen reaktiviert werden sollen. Dann kommen 30 bis 40 zu den 650 Brunnen in Berlin hinzu. der geologe dr. Geshe Grützmacher, 54, leitet bei den Berliner Wasserversorgern ein Projekt, das die Stadt fit für die Zukunft machen soll: „Wir planen, dass Berlin in den nächsten zehn bis 20 Jahren weiterhin mit Wasser versorgt wird.“

650 Brunnen versorgen Berlin mit Trinkwasser. Aus 40 bis 130 Metern Tiefe fördern sie stündlich 60 bis 150 Kubikmeter Wasser, das über die Wasserleitung in die Haushalte fließt Foto: Olaf Selchow

Experten wie die Sprecherin des Berliner Naturschutzbundes (Nabu) Alexandra Rigos (54) gehen dennoch davon aus, dass auch in Berlin die Wasserentnahme eingeschränkt wird: „Ich bin mir sicher, dass auch in Berlin die Wasserversorgung geregelt wird. Vielleicht nicht dieses Jahr, aber in den kommenden Jahren. In Brandenburg gibt es das bereits.

Alexandra Rigos (54) vom Bund für Naturschutz (Nabu) Foto: Max Noak / NABU Berlin

Offiziell ist das in Berlin kein Problem, könnte es aber werden. Ein Sprecher des Senats für Umwelt in der BZ: „Die Rationierung ist nicht geplant – zumindest vorerst. Die Herausforderungen der Zukunft lassen sich nicht allein durch Infrastrukturmaßnahmen lösen, d.h. baulich oder technisch.“ Der Senat arbeitet daher an einer Wassersparstrategie, um den Spitzenverbrauch insbesondere an heißen Sommertagen zu reduzieren.

„Grundsätzlich sind Bezugsbeschränkungen nicht von sich aus auszuschließen, wenn sich die Lage in den kommenden Jahren und Jahrzehnten verschlechtert. Die dafür notwendigen rechtlichen Voraussetzungen werden geprüft“, sagte der Sprecher.

Dürre führt zu vielen Bränden

In Beelitz löschte die Feuerwehr vergangene Woche ein Gegenfeuer, um den Brand zu löschen. Dann löschte der Regen die Flammen Foto: dpa

Seit Wochen wüten Waldbrände in Brandenburg. An der Grenze zwischen Sachsen und Brandenburg bei Mülberg (Elbe-Elster) brannten von Donnerstag bis gestern 800 Hektar. Das Feuer scheint unter Kontrolle zu sein. Erst letzte Woche hat es in Troienbritzen außerhalb von Berlin gebrannt. Es gibt 200 Hektar Opfer der Flammen. Allein in der letzten Woche hat es in Bandenburg 12 Waldbrände gegeben.

Der Grund: Es ist zu heiß und zu trocken: Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) ist Berlin mit etwa 55 Liter Regen pro Quadratmeter von März bis Mai das trockenste Gebiet Deutschlands. Brandenburg liegt auf Platz 2. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Niederschlagsmenge beträgt in dieser Zeit 132 Liter pro Quadratmeter. Mit einer Durchschnittstemperatur von 9,9 Grad war es deutlich über ein Grad zu warm (Durchschnitt: 8,7 Grad).

Berlin und Brandenburg leiden seit Jahrhunderten unter einer Dürre. Aufgrund des Klimawandels ist es so trocken wie seit 250 Jahren nicht mehr. Foto: Dürremonitor / Helmholtz-Zentrum