“Das Klima der Angst”
Schweizer Synchronschwimm-Skandal
Der Schweizer Schwimmverband hat ein Riesenproblem. Betroffen ist das Synchronschwimmen, wo Vetternwirtschaft und Trainingsmethoden oberhalb der Schmerzgrenze an der Tagesordnung sind. Der Skandal hat bereits seinen Tribut gefordert.
Veröffentlicht: 27. Juni 2022 um 20:48 Uhr
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Aktualisiert: 27. Juni 2022 um 22:00 Uhr
Im Frühjahr 2021 träumte Synchronschwimmer Joel Peschl noch von Olympia in Tokio. Die 23-Jährige erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die Zustände in ihrem Sport. “Ich habe das Gefühl, du bist kein Mann auf dieser Welt”, sagte Peschle gegenüber SRF. Dem Spitzensport hat sie derweil den Rücken gekehrt: „Ich kann nicht in dieser Welt bleiben, weil ich sie kaputt machen werde.“
Offensichtlich ist Peschl kein Einzelfall. Gemäss einem internen Dokument ist das Schweizer Synchronschwimmen geprägt von Chaos, Vetternwirtschaft und allzu schwierigen Trainingsmethoden. Von einem „Klima der Angst“ ist die Rede und das Niveau der Richter wird als „katastrophal“ eingestuft. Eltern oder Trainer sitzen oft in der Jury und bevorzugen ihre eigenen Athleten. Pachel erklärt: „Ein Richter hat es uns gerade gesagt; Es tut mir leid, es war offensichtlich besser. Aber ich musste andere beurteilen. Und da habe ich als Schwimmer meine Welt nicht mehr verstanden.”
Co-Sportdirektoren treten zurück
In den Trainings herrscht eine vergiftete Atmosphäre: Geschrei, Beleidigungen, Drohungen, anzügliche Bemerkungen, Essverbote. Es gibt auch Methoden außerhalb der Schmerzgrenze. „Du wirst einfach in die Schnur gedrückt. „Du weinst viel, weil du so starke Schmerzen hast“, sagte Peschl, „nicht zuletzt wegen innerer Querelen.“
Die beiden Co-Sportdirektoren von Artistic Swimming, Marcus Toni und Patricia Farney, weisen jede Kritik zurück: „Die geistige und körperliche Gesundheit unserer Athleten hat für uns oberste Priorität. Die Angriffe werden nicht toleriert.“ Nach Veröffentlichung des Berichts am Montag gaben Thöni und Fahrni ihren Rücktritt bekannt.
Der Schwimmverband selbst hätte längst von den Beschwerden wissen müssen. Seit Mai läuft eine Untersuchung der Methoden des Synchronschwimmens. (cmu)
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